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Dr. Marc Lakner, Partner und Leiter der ‚Fabrik des Jahres/GEO‘-Initiative, A.T. Kearney, Büro Berlin.

Innerhalb kürzester Zeit hat sich ‚Die Fabrik des Jahres/GEO‘ als härtester Benchmark-Wettbewerb der produzierenden Industrie etabliert. Heute ist er auch der traditionsreichste seiner Art, glücklicherweise mit einer Geschichte, die mit den Anforderungen der Zeit ging beziehungsweise der Gegenwart immer einen Schritt voraus ist. In seiner 25-jährigen Geschichte spiegelt sich der tiefgreifende Wandel im produzierenden Gewerbe wider – von Lean Management zur Digitalisierung, von inkrementeller Verbesserung zu disruptiven Veränderungen.

Mehr als 2000 Fabriken haben seit 1992 von ihrer Teilnahme an dem Wettbewerb ‚Die Fabrik des Jahres/GEO‘ profitiert, der mit einer Stärken- und Schwächen-Analyse einhergeht und Kennzahlen liefert, die auch im Planungsprozess der Fabrik fruchtbar gemacht werden können. Für Werksleiter ist ‚Die Fabrik des Jahres/GEO‘ zu einem wichtigen Impulsgeber in einer Zeit geworden, in der man sich weniger denn je auf dem Erreichten ausruhen kann. Wenn wir heute von der Fabrik des Jahres sprechen, dann wissen wir doch zugleich, dass die Fabrik der Zukunft nur noch wenig mit ihr gemeinsam haben wird. Mit dem Auszeichnen der Siegerwerke ebnen wir den Weg in das digitalisierte Produktionszeitalter, dessen Konturen wir gerade schon erahnen können.

Als die Managementberatung A.T. Kearney und die Wirtschaftszeitung ‚Produktion‘ im Jahr 1992 gemeinsam diesen Wettbewerb ins Leben riefen, ging es darum, die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandortes Deutschland vor allem gegenüber der Konkurrenz aus Japan zu stärken. Die Unternehmen aus dem Land der aufgehenden Sonne brachten mit ihrem neuen Lean-Management-Ansatz in sämtlichen Bereichen innovative Produkte zu konkurrenzlosen Preisen auf den Markt. Die deutsche Industrie, zunächst wie in einer Schockstarre gefangen, musste lernen, schlanke Prozesse und Strukturen zu adaptieren.

Im Jahr 1999 wurde ‚Die Fabrik des Jahres‘ um den GEO-Award für ‚Global Excellence in Operations‘ erweitert, der neben der Produktion auch den Gesamterfolg der Wertschöpfung auszeichnet. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts veränderte die Globalisierung auf ein Neues die Industrielandschaft. Die Herausforderung hieß nun, Lieferketten weltweit zu managen und eine global vernetzte Produktion zu steuern. ‚Die Fabrik des Jahres/GEO‘ hat sich daher auch für ausländische Werke von Unternehmen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz und mittlerweile auch für Unternehmen ohne deutschen oder europäischen Bezug geöffnet. Mit einer internationalen Teilnehmerquote von 40 Prozent trägt der Wettbewerb heute der weltweiten Vernetzung Rechnung.

Viel ist bis jetzt erreicht worden: Spitzenleistungen in der Produktion zeigen sich zum Beispiel in der Verdopplung der Umschlaghäufigkeit der Bestände seit 1992. Weitere Indikatoren für die operative Exzellenz im produzierenden Gewerbe sind: Verbesserungen beim Kundenservice auf mehr als 99 Prozent, höhere Kostenreduktion über gewählte Vergleichszeiträume (mehr als 10 Prozent im Vergleich zu fünf Prozent) und die Reduzierung fehlerhafter Lieferungen von Lieferanten auf weniger als 1 Prozent.

So sehr das Streben nach stetigen Verbesserungen weiterhin vonnöten ist – mit der Digitalisierung ist das produzierende Gewerbe neu und radikaler herausgefordert. Das Gebot der Stunde heißt nicht mehr nur optimieren, sondern vor allem gänzlich Neues wagen. Wir sehen jetzt schon, dass die sogenannte vierte industrielle Revolution Industriegrenzen sprengt und neue Kooperationsmodelle fordert. Für die Produktion zeichnen sich vollautomatisierte Fabriken ab, in denen Roboter die Menschen ergänzen oder ganz ersetzen. Die industrielle Fertigung mit großen Stückzahlen wird Konkurrenz durch erschwingliche Maßanfertigung erhalten. In jeder Produktion zu diskutieren sind zusätzlich die Chancen von Virtual Reality und kognitiven Produktionssystemen und das unendliche Potenzial von additiven Fertigungsverfahren. Tiefgreifender kann ein Wandel wohl kaum sein.

Viele Unternehmen schreiten mit durchaus positiven Ergebnissen experimentierfreudig voran, so auch die Siegerwerke von ‚Die Fabrik des Jahres/GEO‘ in der Kategorie Digitalisierung. Grundsätzlich ist aber auch ein großes Zögern festzustellen. Die Unternehmer fürchten die Risiken zu hoher Investitionskosten und die Notwendigkeit eines allumfassenden Kulturwandels – und sie warten dringend darauf, dass Politik und Industrieverbände einheitliche Industriestandards und effiziente Regelungen etwa für Datensicherheit auf den Tisch legen.

Digitalisierung und weitere Vernetzung sind nicht mehr aufzuhalten. Wie die Fabrik der Zukunft aussehen wird, kann noch niemand genau sagen. Wie der Weg in die Zukunft beschritten werden kann, lernen wir von Start-ups und den Siegerwerken der ‚Die Fabrik des Jahres/GEO‘: Sie gehen die Transformation nicht mit großen, mehrjährigen Strategien an, sondern setzen auf priorisierte Ideen, die sie in kleinem Umfang erproben und dann mit hoher Geschwindigkeit ausrollen.

Werden Sie die Fabrik des Jahres

Wer beim führenden Benchmark-Wettbewerb für die verarbeitende Industrie in Europa gewinnen will, der muss den Fragebogen für die Fabrik des Jahres ausfüllen.

Alle Informationen und der Bewerbungsbogen für den Award unter: www.produktion.de/FDJ