Industrie 4.0, Mensch, Roboter

Digitale Prozesse funktionieren nur dann, wenn sie an bestehende Infrastrukturen rückgekoppelt werden. Bild: Pixabay

Alle sprechen von der digitalen Revolution in der Produktion - aber können sie auch Aufwand und Folgen absehen? Bizagi, Anbieter von Automatisierungs-Software, glaubt: nein. Eine große Gefahr für die Einführung des Internet of Things liege darin, dass nur wenige Unternehmen sich über Dimensionen, Aufgaben und die nötigen Technologien für Industrie 4.0 im Klaren sind.

‚Digitale Transformation‘ sei ein sehr hochtrabender Begriff, sagt Gerhard Unger, General Manager bei Bizagi Deutschland. Real basiere die Smart Factory auf einer Prozessautomatisierung, die über das Zeichnen von Flussdiagrammen hinausgehe. Diese müsse in der Fabrik wirklich implementiert werden. Nur an Infrastrukturen rückgekoppelte Prozesse funktionierten, würden akzeptiert und generierten Mehrwert. Eine erfolgreich digitale Transformation ruhe auf den Säulen Kollaboration, Konnektivität, gute Erfahrungen (Kunde), rasche Implementierung und Skalierbarkeit.

Prozesse sind grundlegend

Prozesse sind grundlegend für die Etablierung einer Smart Factory, bestätigt Michael Rampf, geschäftsführender Gesellschafter der Rampf Holding: „Die Entstehung smarter Fabriken wird durch eine entsprechend positive Erwartungshaltung von Unternehmen bezüglich rentabilitäts- und wachstumsbezogener Zielgrößen befeuert." Die gesamtunternehmerische Erkenntnis, dass eine solche gewaltige Transformation der Wertschöpfung nur erfolgreich sein kann, wenn sie über komplexe und vielfach verflochtene Wertschöpfungsketten hinweg erfolgt, sei hierbei der wichtigste Schritt.

Einen klaren Weg für die Implementierung der intelligenten Fabrik zu finden, ist aufgrund der Komplexität des Themas schwierig, bestätigt Alexander Frank, Hauptabteilungsleiter Entwicklung Verfahren bei EBM-Papst. Die Smart Factory sei vielschichtig, jede Firma definiere sie individuell. Kernpunkte der digitalen Produktion seien aber stets die Themen Datenvernetzung, Schaffung von Informationen, Visualisierung von Informationen und Data Analytics. In Bezug auf die Wertschöpfung seien Kostensenkung und geringere Entwicklungszeiten die Vorteile der Smart Factory. Die Datenvernetzung bilde hierfür die Basis. Daher hält Frank es für „extrem wichtig, die Systeme offen zu gestalten, um frei für künftige Anwendungen und Formate zu sein“.

Langfriststrategien entwickeln

Die Digitalisierung treibt diese Entwicklung an: „Die wachsende Innovationsgeschwindigkeit wird den Druck auf unsere Unternehmen erhöhen“, ist sich Johann Soder, Geschäftsführer Technik der SEW Eurodrive GmbH, sicher. Daher müsse jedes Unternehmen Langfriststrategien entwickeln, die über den aktuellen Status Quo hinausgehen und ein spezifische, auf Historie, Image und Portfolio der Firma zugeschnittenes Zukunftsbild zeichnen. „Auf diesem Weg sind Megatrends wie Lean Enterprise und Industrie 4.0 hilfreiche Diener, weil sie Entwicklungen aufzeigen, die aufgrund wissenschaftlicher Analysen nachweislich unser Leben in den kommenden Jahren verändern werden“, sagt Soder.

Die Technologieansätze der Industrie 4.0 bauten auf „perfekten schlanken Prozessen nach den Lean-Prinzipien“ auf. Es stelle sich die Herausforderung, Fabriken nach der Erfolgsphilosophie ‚Mensch und Technik im Arbeitsprozess intelligent zu verbinden‘ zu formen. „Das bedeutet, wertschöpfungsorientierte, verschwendungsfreie, flexible und motivierende Arbeitsabläufe zu gestalten und diese mit eingebetteten intelligenten Automatisierungslösungen bereichsübergreifend zu unterstützen“, sagt Soder.

Die Effizienz der gesamten Wertschöpfungskette ließe sich dank dieses Vorgehens um mehr als 30% steigern, berichtet Soder aus seiner Erfahrung. Die Wirtschaftlichkeit im Fertigungs- und Montageprozess ließe sich durch perfekt umgesetzte Lean-Prinzipien und intelligenter Industrie 4.0-Methoden um 25% steigern.

Wertschöpfung ermöglichen

Was jedoch bringt die Etablierung der Smart Factory in Bezug auf die Wertschöpfung außerhalb der Werkshallen? Laut Christian Kraus, ROI Management Consulting, zeigt sich das wahre Potenzial für die Wertschöpfung in der Erschließung neuer Geschäftsmodelle, etwa durch eine kundenindividuelle Produktion. Aber auch hier ist es wichtig, an den Grundlagen zu arbeiten: „Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass Industrie 4.0 in den Chefetagen aller Unternehmen ernstgenommen und in der Unternehmensstrategie verankert wird", so Kraus. Nur dann würden die Ressourcen für eine erfolgreiche Umsetzung der Smart Factory freigesetzt.

Johann Soder, dessen Fabrik 2016 in der Kategorie ‚Lean & Indus­trie 4.0‘ für die Kombination beider Themen in Form mobiler Montage-, Handling- und Logistikassistenten mit dem Industrie 4.0-Award ausgezeichnet wurde, hörte zum ersten Mal auf der Hannover Messe von Industrie 4.0. Seitdem hat er mit seinem Team einen langen, erfolgreichen Weg zur Smart Factory zurückgelegt. „Vor jeder Realisierung steht jedoch die Vision. Unternehmen müssen sich ein eigenes Visionsbild entwickeln und zunächst die Grundlagen dafür schaffen“, rät er jenen, die ihre Produktion digital fit machen wollen.

Industrie 4.0 - so holen Sie den Award!

Noch bis zum 22. September können sich Unternehmen für den Industrie 4.0-Award bewerben, den die Fachzeitung Produktion gemeinsam mit ROI Management Consulting vergibt. Erstmals werden in diesem Jahr auch Geschäftsmodell-Innovationen auf Basis smarter Produkte und smarter digitaler Services gesucht.

Als Teilnehmer profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Zusammenfassung der Ergebnisse für alle Teilnehmer mit anonymisierter Beschreibung aller Bewerberbeiträge
Auswertung zur Positionierung der eigenen Industrie 4.0-Lösung im Vergleich zum Wettbewerb
Vortrag des Hauptsiegers und der Kategoriesieger auf dem Kongress
Besichtigung des Hauptsiegerwerks beim Kongress 2017

Die Siegerehrung findet im Rahmen des 5. Fachkongresses ‚Industrie 4.0 – Praxis, Praxis, Praxis‘ am 21. und 22. November 2017 in Karlsruhe statt. Die Teilnahme am Wettbewerb ist kostenfrei.

Gleich mitmachen? Hier können Sie den Fragebogen als PDF herunterladen.

  • Christian Kraus, ROI Management Consulting: "
Viele Unternehmen haben, wenn sie sich denn überhaupt mit der Smart Factory beschäftigen, heute noch einiges an Grundlagenarbeit zu leisten, wie etwa die Standardisierung der IT-Landschaft zur durchgängigen Erfassung von Daten. Auch gibt es für den Wandel hin zur digitalen Fabrik noch kein standardisiertes ‚Kochrezept‘. Die heutigen digitalen Pioniere durchlaufen in der Regel in ihren Projekten einen iterativen Prozess, es wird viel ausprobiert, Rückschläge müssen hingenommen werden. Viele Unternehmen starten daher, um Erfahrungen zu sammeln, mit einem Piloten in einem bestimmten Bereich, der Rollout in die ganze Fabrik benötigt aber Zeit. Es wird immer Vorreiter geben, die hier schneller sind, die flächendeckende explosionsartige Entwicklung sehe ich aber nicht." Bild: ROI Management Consulting

    Christian Kraus, ROI Management Consulting: " Viele Unternehmen haben, wenn sie sich denn überhaupt mit der Smart Factory beschäftigen, heute noch einiges an Grundlagenarbeit zu leisten, wie etwa die Standardisierung der IT-Landschaft zur durchgängigen Erfassung von Daten. Auch gibt es für den Wandel hin zur digitalen Fabrik noch kein standardisiertes ‚Kochrezept‘. Die heutigen digitalen Pioniere durchlaufen in der Regel in ihren Projekten einen iterativen Prozess, es wird viel ausprobiert, Rückschläge müssen hingenommen werden. Viele Unternehmen starten daher, um Erfahrungen zu sammeln, mit einem Piloten in einem bestimmten Bereich, der Rollout in die ganze Fabrik benötigt aber Zeit. Es wird immer Vorreiter geben, die hier schneller sind, die flächendeckende explosionsartige Entwicklung sehe ich aber nicht." Bild: ROI Management Consulting

  • Alexander Frank, Hauptabteilungsleiter Entwicklung Verfahren, EBM-Papst: "Nein, die Entwicklung der smarten Fabrik ist in Gange, allerdings wird sie vorrangig von großen Firmen getrieben, da hier die notwendigen Geldmittel und Ressourcen zur Verfügung stehen. Für den breiten Mittelstand sind die Lösungen noch nicht konkret genug, werden sich aber entwickeln" Bild: EBM Papst

    Alexander Frank, Hauptabteilungsleiter Entwicklung Verfahren, EBM-Papst: "Nein, die Entwicklung der smarten Fabrik ist in Gange, allerdings wird sie vorrangig von großen Firmen getrieben, da hier die notwendigen Geldmittel und Ressourcen zur Verfügung stehen. Für den breiten Mittelstand sind die Lösungen noch nicht konkret genug, werden sich aber entwickeln" Bild: EBM Papst

  • Michael Rampf, geschäftsführender Gesellschafter, Rampf Holding: "Von technischer Seite steht die Machbarkeit smarter Fabriken bereits heute außer Frage. Unserer Ansicht nach werden jedoch komplexe gesellschaftliche Problemstellungen in den kommenden Jahren weiter eskalieren, für welche gemeinsam Lösungen erarbeitet werden müssen. Im Wandel hin zu smarten Fabriken sehen wir keinen Lösungsansatz dieser Probleme, daher wird eine explosionsartige Entwicklung wie derzeit beschrieben nur in abgeschwächtem Maße stattfinden." Bild: Rampf Holding

    Michael Rampf, geschäftsführender Gesellschafter, Rampf Holding: "Von technischer Seite steht die Machbarkeit smarter Fabriken bereits heute außer Frage. Unserer Ansicht nach werden jedoch komplexe gesellschaftliche Problemstellungen in den kommenden Jahren weiter eskalieren, für welche gemeinsam Lösungen erarbeitet werden müssen. Im Wandel hin zu smarten Fabriken sehen wir keinen Lösungsansatz dieser Probleme, daher wird eine explosionsartige Entwicklung wie derzeit beschrieben nur in abgeschwächtem Maße stattfinden." Bild: Rampf Holding

  • Johann Soder, Geschäftsführer Technik, SEW Eurodrive: "Die smarte Fabrik lässt sich nicht von heute auf morgen umsetzen. Dahinter steht meist eine Initial-Investition, welche einige Unternehmen scheuen. In den meisten Fällen bedarf es für die Umsetzung der neuen Ansätze auf Technologie- und Prozessebene starke und verlässliche Partner – die vernetze Fabrik bedingt eine vernetzte Arbeit innerhalb des Unternehmens und zwischen Unternehmen. Der Schlüssel zum Erfolgt liegt nicht darin, auf Teufel komm raus zu automatisieren. Zuerst müssen die Grundlagen in den Prozessen und den Köpfen der Menschen geschaffen werden. Man muss die Menschen im Unternehmen mitnehmen und sie die Veränderung mitgestalten lassen. Das ist ein Prozess, der eine gewisse Zeit braucht. Die Erfahrung hat gezeigt, es ist ratsam, in kleinen Schritten vorzugehen." Bild: SEW Eurodrive

    Johann Soder, Geschäftsführer Technik, SEW Eurodrive: "Die smarte Fabrik lässt sich nicht von heute auf morgen umsetzen. Dahinter steht meist eine Initial-Investition, welche einige Unternehmen scheuen. In den meisten Fällen bedarf es für die Umsetzung der neuen Ansätze auf Technologie- und Prozessebene starke und verlässliche Partner – die vernetze Fabrik bedingt eine vernetzte Arbeit innerhalb des Unternehmens und zwischen Unternehmen. Der Schlüssel zum Erfolgt liegt nicht darin, auf Teufel komm raus zu automatisieren. Zuerst müssen die Grundlagen in den Prozessen und den Köpfen der Menschen geschaffen werden. Man muss die Menschen im Unternehmen mitnehmen und sie die Veränderung mitgestalten lassen. Das ist ein Prozess, der eine gewisse Zeit braucht. Die Erfahrung hat gezeigt, es ist ratsam, in kleinen Schritten vorzugehen." Bild: SEW Eurodrive