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Die Sieger des Industrie-4.0-Awards (v.l.): SEW Eurodrive mit Josef Schmidt und Johann Soder, Jürgen Mangelberger vom gleichnamigen Elektrotechnik-Unternehmen, Klingelnberg mit Dr. Hartmuth Müller und ABB Stotz-Kontakt mit Patrick Claeys und Jens de Vries. - Bild: Anna McMaster

Zehn der Bewerber kamen auf die Shortlist für den Preis, der von der Fachzeitung Produktion und der Unternehmensberatung ROI Management Consulting AG verliehen wird. In Vor-Ort-Besuchen wurden die umgesetzten Industrie 4.0-Lösungen unter die Lupe genommen, eine Fachjury wählte dann die Sieger aus. Gewinner in der Kategorie „Lean & Industrie 4.0“ wurde die SEW Eurodrive GmbH für die Kombination beider Themen in Form mobiler Montage-, Handling- und Logistikassistenten.

In seinem inspirierenden Vortrag stellte Johann Soder heraus, dass Ideen, die noch vor wenigen Jahren illusorisch erschienen, heute Realität sind. „2011 habe ich auf der HMI zum ersten Mal von Industrie 4.0 gehört und ich war fasziniert von der Aussage, dass die Produkte der Zukunft intelligent sind und sich ihren Weg durch die Produktion suchen“, erinnert sich Soder, von der Geschäftsführung Technik bei SEW-Eurodrive.

Die neuen Ansätze hätten mehr Automatisierung, mehr IT und mehr Komplexität verheißen, das habe viele Fragezeichen aufgeworfen, da man schon lange auf Lean und Vereinfachung gesetzt habe.

„Wir haben lange darüber diskutiert und unsere Vision von Smart Factory entwickelt – und was damals noch wie Science Fiction klang, ist heut Realität“, erzählt Soder. Ausgezeichnet wurde das Unternehmen für sein Produktionskonzept, das aus dezentralen Prozessmodulen besteht, die durch mobile Einheiten für die Prozessunterstützung vernetzt werden, die Schwarmintelligenz nutzen.

Gaming-Ansätze nutzen

Der Big-Data-Ansatz erlaubt laut Soder eine dezentrale Fabriksteuerung innerhalb eines Zeitfensters von drei Stunden, dabei wird jeweils mit Gaming-Ansätzen vorab die Auswirkung der Planung simuliert, bevor diese in die reale Welt geschickt wird. Nur in der Kombination von Informations- und Operationstechnik mit Mensch-Technik-Kooperation könne man dabei den nächsten Quantensprung erreichen.

„Dafür müssen wir uns verändern, wir müssen uns kreativ zerstören und teilweise neu erfinden“, erklärt der Industrie-Pionier. Es brauche dezentrale vernetzte Prozesse, neu erdachte Organisationsstrukturen, eine flexible Supply Chain und in der Basis „Lean in der höchsten Perfektion“. Auf dem Fachkongress Industrie 4.0 wurde insbesondere die Frage diskutiert, ob Digitalisierung auf „unaufgeräumten“ Strukturen funktioniert. Das Beispiel von SEW-Eurodrive zeigt, dass die Lean-Bemühungen eine optimale Grundlage für die Umsetzung von Industrie 4.0 legen.

Herausforderung Prozesskette

Klingelnberg Hückeswagen siegte in der Kategorie „Integration Design & Produktion“ mit der Einführung eines cyber-physischen Produktionssystems in der Kegelradfertigung.  Die Herausforderung für das Unternehmen bestand vor allem darin, seine Prozesskette überhaupt digital beschreiben und dabei mit dem Thema Härteverzüge von Stahl umzugehen. „Bei uns ist der Industrie 4.0-Ansatz nicht durch große Visionen, sondern simple Notwendigkeit entstanden“, erzählt Klingelnberg-CTO Dr. Hartmuth Müller.

Mit selbstentwickelter Simulationssoftware wurde der Verzahnprozess optimiert  und ein intelligenter digitaler Zwilling geschaffen. Ein Closed-Loop-Assistenzsystem unterstützt Software-gestützt die Fertigung, zudem wurden alle Maschinen horizontal vernetzt. Viel Aufwand wurde betrieben, um Schnittstellen für bestehende Systeme, wie zum Beispiel das CAD zu schaffen. Doch das Ergebnis hat sich gelohnt, zum Beispiel in Bezug auf die Transparenz. „Wir liefern ein Produkt mit Geburtsurkunde, das rechnen uns unsere Kunden hoch an“, sagt Müller. Im Grunde habe man heute endlich CIM realisiert.

Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Mangelberger Elektrotechnik GmbH aus Roth in der Kategorie „IoT@KMU“ für die konsequente Umsetzung von Industrie 4.0 in einem mittelständischen Unternehmen. Vom Elektroausrüster von Häusern entwickelte sich das Unternehmen zum Anbieter von Optimierungslösungen und Schaltschränken. „Wir haben uns Gedanken gemacht in Bezug auf die Probleme der Zukunft. Aufgrund dessen haben wir uns für das Thema Industrie 4.0 entschieden“, erinnert sich Geschäftsführer Jürgen Mangelberger.

Es ging um Anforderungen an Produkte und Produktion, selbst um das Engineering. „Man muss in den verschiedensten Sachen komplett umdenken. Die Lernkurve bei uns war steil“, sagt der Geschäftsführer. Die Cloud war für die Industrie 4.0-Strategie ein wesentlicher Treiber. "Wir verifizieren CAD-Zeichnungen aus der Cloud, wir schauen uns da den Ersatzteilverschleiß an“, berichtet Mangelberger.

Losgrößen-Spagat

Den Preis in der Kategorie „Intelligente Automatisierung“ holte die ABB Stotz Kontakt GmbH. Mit einer vollautomatischen Montagelinie  gelang dem Unternehmen die Beherrschung der Variantenvielfalt. Die Losgröße, bei der ABB Stotz einen Spagat von zwischen 10 bis 300 000 Stück hinlegt, war immer wieder Thema. Zudem zeichnete sich durch das Wachstum schon 2014 eine Kapazitätslücke in der nahen Zukunft ab.

Die neue Montagelinie besteht aus mehreren unterschiedlich getakteten Montagekreisen. Ein intelligentes Rüstmanagement sorgt mit Kamera-orientiertem Greifen für das automatische Umrüsten, es besteht vollständige Traceability durch einen individuellen Data-Matrix-Code je Einzelprodukt. Zudem sind die Anlagen im globalen Produktionsverbund vernetzt.

Industrie-4.0-Award: Das sind die Sieger

  • Stefan Waldeisen, Verlagsleiter des Verlags Moderne Industrie, gab die Sieger des Industrie-4.0-Awards 2016 bekannt. - Bild: Weinzierl

    Stefan Waldeisen, Verlagsleiter des Verlags Moderne Industrie, gab die Sieger des Industrie-4.0-Awards 2016 bekannt. - Bild: Weinzierl

  • Natürlich wurde die Verleihung des Industrie-4.0-Awards für die Nachwelt festgehalten. - Bild: Weinzierl

    Natürlich wurde die Verleihung des Industrie-4.0-Awards für die Nachwelt festgehalten. - Bild: Weinzierl

  • Die Jury des Industrie 4.0 Awards: Prof. Bick von ROI und Klaus Wilk, Chefredakteur Produktion - Bild: Hecht

    Die Jury des Industrie 4.0 Awards: Prof. Bick von ROI und Klaus Wilk, Chefredakteur Produktion - Bild: Hecht

  • Die Sieger der Kategorie Intelligente Automatisierung: ABB Stotz Kontakt. - Bild: Weinzierl

    Die Sieger der Kategorie Intelligente Automatisierung: ABB Stotz Kontakt. - Bild: Weinzierl

  • Die Sieger der Kategorie Integration, Design und Produktion: Klingelnberg Hückeswagen.  - Bild: Hecht

    Die Sieger der Kategorie Integration, Design und Produktion: Klingelnberg Hückeswagen. - Bild: Hecht

  • Die Sieger der Kategorie Integration, Design und Produktion: Klingelnberg Hückeswagen. - Bild: Weinzierl

    Die Sieger der Kategorie Integration, Design und Produktion: Klingelnberg Hückeswagen. - Bild: Weinzierl

  • Die Sieger der Kategorie IoT@KMU: Mangelberger Elektrotechnik. - Bild: Hecht

    Die Sieger der Kategorie IoT@KMU: Mangelberger Elektrotechnik. - Bild: Hecht

  • Die Sieger der Kategorie IoT@KMU: Mangelberger Elektrotechnik. - Bild: Weinzierl

    Die Sieger der Kategorie IoT@KMU: Mangelberger Elektrotechnik. - Bild: Weinzierl

  • Die Sieger der Kategorie Lean und Industrie 4.0: SEW Eurodrive. -Bild: Hecht

    Die Sieger der Kategorie Lean und Industrie 4.0: SEW Eurodrive. -Bild: Hecht

  • Die Sieger der Kategorie Lean und Industrie 4.0: SEW Eurodrive. -Bild: Weinzierl

    Die Sieger der Kategorie Lean und Industrie 4.0: SEW Eurodrive. -Bild: Weinzierl