Fertigungsunternehmen können durch die Nutzung smarter Produkte ihre Wertschöpfungsprozesse nachhaltig verändern. - Bild: Fotolia-Gear

Fertigungsunternehmen können durch die Nutzung smarter Produkte ihre Wertschöpfungsprozesse nachhaltig verändern. - Bild: Fotolia-Gear

In nicht allzu ferner Zukunft wird es vermutlich einen Wettbewerb um den Titel ‚intelligentestes Produkt‘ geben. Zum Gewinner sei schon einmal eine Prognose gewagt: Es werden weder Smartphone, Auto noch Kühlschrank sein. Sondern mit großer Wahrscheinlichkeit ein Industrieprodukt wie eine Landmaschine, ein Transportroboter oder Lkw, die dank Schwarmintelligenz interagieren. Dafür gibt es zwei einfache Gründe: Zum einen entsteht Intelligenz nicht schon durch den Einbau von Mikroprozessoren und Sensoren, Software, Konnektivität und Anbindung an Cloud-basierte Managementsysteme. Das sind nur die Grundvoraussetzungen – wirklich smart wird ein Produkt oder Gerät durch die selbstständige Interaktion mit seiner Umgebung. Viele Industrieanwendungen leisten dies dank Sensorik bereits besser als Smartphones oder Wearables, welche nur auf den Input des Nutzers reagieren.

Zum anderen wächst bereits heute der Markt für intelligente Produkte am stärksten in der Industrie: So gab mehr als jeder zweite in einer Cognizant-/EIU-Studie befragte IoT-Vordenker an, smarte Produkte im Industriekontext zu entwickeln. Tatsächlich bietet gerade eine Smart Factory die ideale Umgebung für intelligente Produkte, da fast all ihre Bestandteile vernetzbar sind. Nicht nur Maschinen, Transportfahrzeuge oder Roboter können hier smarte Produkte sein. Sondern auch komplette Fertigungsstraßen und Gebäude, die etwa mit Sensoren die Belegung von Arbeitsplätzen erfassen und entsprechend Beleuchtung, Heizung und Sicherheitssysteme regulieren. Der erfolgreiche Einsatz smarter Produkte hängt allerdings nicht nur von der optimalen technologischen Infrastruktur ab. Wenn Fertigungsunternehmen durch die Nutzung smarter Produkte ihre Wertschöpfungsprozesse nachhaltig verändern und erfolgreich in digitale, plattformbasierte Geschäftsmodelle transformieren wollen, sollten sie drei grundsätzliche Prinzipien berücksichtigen:

Fachkongress und Award Industrie 4.0

Der ‚4. Fachkongress Industrie 4.0‘ am 30.11. und 1.12.2016 in Ulm zeigt, wie Vorreiter wie Robert Bosch Software Innovations oder Axoom (Trumpf) entsprechende Methoden erfolgreich einsetzen. Fachvorträge aus allen Bereichen der Industrie und der Wissenschaft bieten Einblick in neue Trends. Eine Werksbesichtigung bei Robert Bosch, Blaichach, zeigt die Praxis.

Am Abend des ersten Veranstaltungstages wird der Industrie 4.0-Award von Produktion und ROI Management Consulting vergeben. Dieser zeichnet Produkt- oder Verfahrensinnovationen aus, die Prozesse der Industrie 4.0 integrieren.

Hier geht es zur Anmeldung für Kongress und Award.

  • Sei offen für Veränderung: Wie groß sind die Überlebenschancen der Kernprodukte, wenn diese ohne Intelligenz bzw. smarte Komponenten und Einsatzszenarien angeboten werden? Gibt es bereits Kundenbedarfe, die sich mit einer entsprechenden Erweiterung erfüllen ließen? Best-Practice-Unternehmen nutzen smarte Produkte, um Überwachung, Steuerung, Optimierung und Automatisierung kontinuierlich zu gestalten. Im Idealfall erfüllt ein Produkt mehrere Funktionen oder verbessert durch Informationen andere Arbeitsabläufe.
  • Starte mit kleinen Schritten: Eine Schichtplanung per App mag als smartes Produkt nur einen kleinen Teil der Fertigungsprozesse verändern, eignet sich aber hervorragend als Versuchsfeld für größere Vorhaben. Ist ein Produkt, also etwa eine Maschine der Ausgangspunkt, sollte diesem immer eine eigene virtuelle Identität zugeordnet werden, etwa in einer Cloud-Anwendung, welche die Interaktions-Daten des Produkts enthält. Diese Informationen kann man schrittweise in offene Systemarchitekturen integrieren und mit Drittanbietern, Kunden oder Partnern für Produktverbesserungen und Varianten nutzen.

  • Erweitere Dein Produkt-Ökosystem: In den kommenden Jahren werden Milliarden von Objekten und Services im IoT/IIoT integriert sein. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Kunden, Partner und Zulieferer bereits an smarten Produkten arbeiten oder schon darüber verfügen. Für Unternehmen ist es unabdingbar, Teil dieses Netzwerks zu sein. Die Herausforderung bei der Vernetzung über Unternehmensgrenzen hinaus liegt darin, mit neuen Kooperationsmodellen und Anwendungsszenarien zusätzlichen, synergetischen Kundennutzen zu schaffen und gleichzeitig die eigenen Prozesse und Kosten zu optimieren. So lassen sich etwa Entwicklungskosten und Time-to-Market reduzieren, wenn man mit Kunden und Partnern Data-Labs als Experimentierfelder für Produkt- und Geschäftsmodellerweiterungen aufbaut.

Vor allem sollten Fertigungsunternehmen nicht in naher oder ferner Zukunft, sondern bereits heute smarte Produkte entwickeln, um starre Produktionslinien in modulare und effiziente Fertigungssysteme zu verwandeln.

Hans-Georg Scheibe, ROI