Dr. Obermaier beim Fachkongress Industrie 4.0

Laut Dr. Robert Obermaier, Universität Passau, bleibt bei Industrie 4.0 "kein Stein auf dem anderen". - Bild: Weinzierl

International betrachtet gibt es laut Obermaier momentan wesentliche Unterschiede auf dem Weg zur Industrie 4.0: in Deutschland denken Unternehmen stark über Prozessvernetzung nach, in den USA vermehrt über die Vernetzung von Produkten. In dieser Aussage liegt keine Wertung, denn letztendlich geht es darum, Handlungsfelder zu eruieren, um Entwicklungen wirtschaftlich nutzbar zu machen.

Sind für den Nachweis des Nutzens folglich neue Kennzahlen speziell für die Industrie 4.0 erforderlich? Diese Frage trifft nach Ansicht von Obermaier nicht ganz den Kern. Vielmehr sollten Unternehmen ganz konkret ihr Augenmerk darauf richten, inwieweit eine Vernetzung hin zur Industrie 4.0 lohnenswert sei. Um dies zu eruieren müssen seines Erachtens hier in erster Linie Ursachen mit Wirkungen verknüpft und unmittelbar anwendungsbezogen überprüft werden.

Denn wirtschaftliche Effekte durch eine Vernetzung beispielsweise auf der MES-Ebene lassen sich messbar nachweisen: zum Beispiel dadurch, dass nicht-wertschöpfende Prozessschritte und Rüstzeiten hierdurch erheblich reduziert werden können.

Doch rät Obermaier davon ab, den Fokus zu stark auf die Produktion zu legen, sondern stattdessen den Blick zu weiten und auch die Geschäftsprozesse zu betrachten; beispielsweise unter dem Aspekt, neue Nutzen für die Kunden zu schaffen. Doch auch wenn er eher für den disruptiven Ansatz plädiert und dazu auffordert an den Kundenbedarf zu denken und nicht an Produktvarianten – so schränkt er doch ein, dass dies auch in der Produktion abbildbar sein muss. Denn „Prozesse in Richtung Kunden zu verschieben bedeutet, dass die Prozesse auch dafür bereit sind“ und dies sei eine enorme Herausforderung.

So lautet sein Rat bezüglich einer guten Vorgehensweise für den Mittelstand zusammenfassend: über eine Potentialanalyse Ansatzpunkte für Prozessverbesserungen zu erhalten, um daraus konkret kleine Schritte ableiten zu können. Denn so Obermaier, „Industrie 4.0 rechnet sich“.