Weltmarktführer leben oftmals in der Nische, haben 600 Mitarbeiter, setzen 100 Mio Euro um, sind zu 70 % im Familienbesitz, weisen einen Exportanteil von 62 % aus. Und: Sie trafen sich letzte Woche zum 1. Deutschen Weltmarktführer-Kongress in Schwäbisch Hall.

von Claus Wilk

SCHWÄBISCH HALL. „Was sie tun, das tun sie richtig“, lobte Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus anlässlich des Weltmarktführer-Kongresses, auf dem im Gegensatz zum zeitgleich stattfindenden Weltwirtschaftsgipfel in Davos weniger theoretisiert, dafür aber der Mittelstand mit seinen spezifischen Problemen und Eigenheiten adressiert wurde. Tatsächlich profitieren viele der rund 1 500 deutschen Weltmarktführer von der aktuellen Konjunktur und bauen ihre hervorragende Position sogar noch aus. Doch trotz aller Euphorie der rund 300 Teilnehmer des ersten Kongresses ist Vorsicht geboten: Wenn amtierende und potenzielle Weltmarktführer eine Botschaft mit nach Hause nehmen konnten, dann die, dass ihre Zukunft nicht auf Basis des derzeitigen Status bereits als gesichert gelten darf.

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„Als Unternehmen Erfolg zu haben ist eigentlich ganz einfach“, sagte Hans-Jochen Beilke, Vorsitzender der Geschäftsführung von EBM-Papst: „Sie müssen hören, was der Kunde will, und sie müssen die Megatrends beachten.“ Gut reden hat Beilke: Sein Unternehmen, ganz dem Motoren- und Ventilatorengeschäft verschrieben, machte zwischen 1994 und 2009 jährlich einen Umsatzsprung von durchschnittlich 13,2 % auf jetzt 986 Mio Euro.

Doch ganz so einfach ist es eben nicht, wie Strategieexperte Bernd Venohr recherchierte. Von 218 mittelständischen Weltmarktführern aus dem Jahr 1994 haben 20 % durch Insolvenz oder Umstrukturierung das Zeitliche gesegnet, 18 % haben ihre Position verloren. Die größten Herausforderungen bestünden in Technologieänderungen, schrumpfenden Märkten, Selbstüberschätzung und Unstimmigkeiten in den Besitzerfamilien.

Ein Risiko stellt zudem der wachsende Fachkräftemangel dar, auf den unter anderem Michael Hüther, Direktor des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft hinwies. In manchen Regionen sei ein Bevölkerungsschwund von bis zu 30 % zu erwarten. „Wir verlieren Jahr für Jahr etwa 150 000 Erwerbstätige am Arbeitsmarkt“. Hüther empfahl den Kongressteilnehmern drei Strategien, um diesem Problem zu begegnen: Produktivitätssteigerung durch Qualifikation, deutliche Signale und einfachere Verfahren für Zuwanderer sowie die Erhöhung des Arbeitsvolumens im Hinblick auf Jahres- und Lebensarbeitszeit. Sein Fazit: „Wer Weltmarktführer bleiben will, muss veränderte Anforderungen an die Personalpolitik ernst nehmen.“