Prof. Dr. Venohr berät und beobachtet Weltmarktführer

Prof. Dr. Venohr berät und beobachtet Weltmarktführer

von Sabine Leikep

SCHWÄBISCH HALL. Spitzenleistung in den Kernprozessen ist für Prof. Dr. Bernd Venohr, Strategieexperte aus München, einer der Erfolgsfaktoren. Das haben seine Beobachtungen und Analysen bei über 120 deutschen Weltmarktführern gezeigt. Daneben spielten ein spezielles Führungsmodell und eine globale Nischendominanz eine tragende Rolle. Das Führungsmodell setze sich meist zusammen aus den tradtionellen Werten eines Familienunternehmens in Kombination mit modernen Managementmethoden. Was die Marktpositionierung betrifft, so besetzten diese Unternhemen oft enge, kleine Marktnischen oder sie bedienten Massenmärkte und konzentrierten sich dabei auf das oberste Segment. Ganz nach dem Motto: „Wir konzentrieren uns auf das was wir können, und das machen wir weltweit.“

“Marktführerschaft ist extrem wichtig, möglichst auf dem Weltmarkt”, so Venohr. Dennoch sei die Nische kein Patentrezept, da sich Märkte verändern, warnt er. Wichtige Faktoren für Wettbewerbsvorteile seien ein breites Vertriebs- und Servicenetz weltweit und eine starke Innovationskraft. Traditionell seien die Deutschen stark in tradionellen Bereichen und dort extrem innovativ, zum Beispiel im Maschinenbau. Es werde viel gemeinsam mit den Kunden entwickelt und an der Unternehmensspitze finde man oft eine hohe technische Leidenschaft als Grundhaltung.

Venohr betonte die hohe Wirtschaftskraft der deutschen Weltmarktführer. Alleine die 60 auf dem Kongress vertretenen Unternehmen stünden für einen Jahresumsatz von 80 Milliarden Euro und beschäftigten 505.000 Mitarbeiter.

Unter den 1.500 deutschen Weltmarktführern seien viele Mittelständler mit bis zu einer Milliarde Euro Jahresumsatz, davon 30 Prozent aus dem Maschinenbau. Der typische mittelständische Weltmarktführer sei zu 70 Prozent in Familienbesitz, das Durchschnittsalter der Führungsspitze sei 70 Jahre und der Unternehmensstandort zu 70 Prozent in der Provinz.

“Als Hochlohnland müssen wir extrem effizient produzieren”, so Venohr. In dieser Hinsicht habe er in den vergangenen zehn Jahren eine beeindruckende Entwicklung bei den Unternehmen wahrgenommen. Die Deutschen seien Weltmeister in der Flexiblisierung. “Wir sind die besseren Japaner“ stellt er fest. Top-Unternehmen hätten sich viel mit Kaizen, Lean und weiteren Methoden zur Optimierung der Kernprozesse bschäftigt und diese an deutsche Verhältnisse angepasst.

Doch gleichzeitig warnt Venohr: “Langfristiger Erfolg ist die Ausnahme, nicht die Regel!” So seien zum Beispiel Unternehmen, die in den 80iger Jahren an der Spitze waren, in Schwierigkeiten gekommen. Etwa 20 Prozent der 1994 erfolgreichen Unternehmen gäbe es heute nicht mehr und 2010 seien drei Prozent der Weltmarktführer Pleite gegangen. Die größten Risiken bestünden in der Technoligieänderung. Auch Selbstüberschätzung oder Unstimmigkeiten in den Inhaberfamilien, sowie Probleme bei der Nachfolgeregelung könnten den Erfolg zunichte machen.