Dr. Eberhard Veit, Vorstandsvorsitzender von Festo. Bild: Festo

Dr. Eberhard Veit, Vorstandsvorsitzender von Festo. Bild: Festo

von Daniela Hoffmann

Welchen Stellenwert hat aus Ihrer Sicht Innovationsmanagement für erfolgreiche Unternehmen? Es ist ja bekannt, dass Weltmarktführer prozentual deutlich mehr in F&E investieren. Wie sieht das bei Festo aus?

Innovation ist bei Festo nicht nur F&E. Das gesamte Unternehmen muss innovativ sein. Wir investieren 8,5 Prozent unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Aber diese Zahl allein reicht nicht aus, um ein Unternehmen vor anderen auszuzeichnen. Bei uns beginnt Innovation im Markt beim Vertriebsprozess. Wir haben keine Verkäufer, sondern Problemlöser, die den Kunden innovative und individuelle Systemlösungen für ihre Probleme bieten. Wesentlich ist ein ganzheitliches Innovationsmanagement entlang der Wertschöpfungskette der Kunden.

Welche Herangehensweise haben Sie an das Thema Innovationsmanagement? Welche Strukturen sind notwendig, um optimal das im Unternehmen vorhandene Potential auszuschöpfen? Und wie identifizieren Sie Zukunftstrends?

Wir orientieren uns an dem Problem des Kunden im Markt. Wir entwickeln unsere Innovationen für morgen gemeinsam mit den Trendsettern und Schlüsselkunden in der Industrie. Die Ideen für Innovationen kommen nicht direkt vom Kunden, sondern auf Basis des beschriebenen Wissens von den eigenen Mitarbeitern. Allein die Kenntnis der Kundennachfrage reicht für ein effizientes Innovationsmanagement nicht aus. Auch das Verständnis für die Ziele und Bedürfnisse der Kunden ist nicht hinreichend für Innovationen. Insbesondere die nicht geäußerten Bedürfnisse stellen vielfach verpasste Chancen für Innovationen dar. Herauszufinden, welches die latenten Bedürfnisse sind, darin liegt die eigentliche Stärke eines innovativen Unternehmens. Damit wird klar: Wichtiger als die Kundenwünsche ist das Verstehen des Geschäfts des Kunden – die genaue Kenntnis seiner Wertschöpfungsprozesse.

Wie lässt sich Innovation auch an Standorten in Emerging Markets treiben? Wie wird sich Ihrer Einschätzung nach hier auf Sicht das Gewicht verteilen zwischen Innovation in Deutschland und in anderen Ländern?

Hier wird häufig der Fehler gemacht, dass Produkte ohne Kenntnis der Fachkräftesituation in den Emerging Markets entwickelt werden. Wir investieren daher parallel zur Produktentwicklung in der Automation als Weltmarktführer in der industriellen Aus- und Weiterbildung auch nachhaltig in Bildungssysteme. Gerade für Emerging Markets ist die Herausforderung groß. Fachkräfte sind dort rar und das Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte ist sehr unterschiedlich. Wir müssen darüber hinaus intuitiv zu bedienende Produkte entwickeln, die von Menschen in aller Welt einfach in ihrem Arbeitsumfeld eingesetzt werden können. Unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeit ist sehr stark international ausgeprägt.

Wie sollten Mitarbeiter eingebunden werden, was motiviert dazu, die eigene Kreativität einzubringen?

Innovation kann nicht verordnet werden. Es kommt auf die richtigen Mitarbeiter an, die aus Eigenantrieb am Unternehmenserfolg mitwirken. Und natürlich spornen unsere Erfolge am Markt oder die Verleihung des ‘Deutschen Zukunftspreises’ an Festo die Kreativität und Motivation unserer Mitarbeiter an. Das heißt, wir haben eine Innovationskultur im Unternehmen, die den Mitarbeitern Raum für eigene Ideen und deren Umsetzung gibt. Darauf sind wir als Familienunternehmen stolz. Für den Innovationsprozess ist der entscheidende Erfolgsfaktor die Qualität der Mitarbeiter mit ihrem Wissen und Können. Festo versteht sich als Lernunternehmen. Lebenslanges Lernen ist Anspruch und Programm zugleich. Rund 1,5 Prozent vom Umsatz investieren wir in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter.

Viele Unternehmen haben nur rudimentäre Ansätze im Innovationsmanagement. Woran liegt das aus Ihrer Sicht? Wo liegen die Hürden bei der Umsetzung einer entsprechenden Strategie?

Vielleicht wurde das Thema bisher unterschätzt. Die Innovationszyklen verkürzen sich zunehmend. Umso entscheidender wird es, die zentralen Zukunftsthemen der eigenen Branche mit Hilfe von Future Radars frühzeitig zu erkennen und systematisch mit einzubeziehen. Daraus leiten sich dann mögliche Themen für konkrete Projekte oder ganze Innovationsprozesse ab. Ganz wichtig sind auch die Zusammenstellung der Forscherteams und die enge Verzahnung zwischen interner F&E und den richtigen externen Partnern. Hier arbeiten wir in großen Netzwerken zusammen. Gerade der Südwesten Deutschlands ist stark durch Zusammenarbeit in Clustern geprägt. Ein weiterer Trend ist die überregionale Zusammenarbeit beispielsweise in europäischen oder internationalen Projekten.

Was versprechen Sie sich insbesondere vom nächsten „Kongress der Weltmarktführer“?

Auf übergeordnete Megatrends wie das Bevölkerungswachstum, die Welternährung, sauberes Trinkwasser, energieeffiziente grüne Produktion, die effiziente Nutzung neuer Energiequellen oder Elektromobilität können wir als Weltmarktführer nur gemeinsam Antworten finden. Dabei sind wir als Technologieunternehmen gefordert. Und dabei spielt das firmenübergreifende Innovationsmanagement in globalen Netzwerken für uns eine große Rolle. Nur wer stets mit den erfolgreichsten Partnern zusammenarbeitet, wird langfristig die besten ganzheitlichen Lösungen für die Märkte der Zukunft entwickeln. Das sehe ich als eine unserer Stärken. Darin sind wir in Deutschland besser als in anderen Ländern.

Weltmarktührer tagen am 25. und 26. Januar
Am 25. und 26. Januar 2012 tagt Deutschlands Industrie-Elite beim ‚2. Deutschen Kongress der Weltmarktführer‘. Unter dem Motto ‚Ressourcen sichern – Wachstumspotenziale erschließen‘ sprechen u.a. Bosch-Chef Franz Fehrenbach, Festo-Vorstand Dr. Eberhard Veit, Prof. Dr. Bert Rürup und Prof. Dr. Michael Hüther. Weitere Informationen hier.