Keine Hungerlöhne durch Globalisierung 1

von Sabine Leikep

SCHWÄBISCH HALL. Die Wittenstein AG hat ihren Ursprung in der Textilindustrie. Durch drastische Veränderungen in diesem Markt musste sich Manfred Wittenstein als Erbe des Familienunternehmens ein neues Geschäftsmodell überlegen. Heute produziert sein Unternehmen innovative Produkte aus der Welt der Antriebstechnik und ist Weltmarktführer. „Die Zukunft ist nicht bekannt. Die Zukunft muss erobert werden“, so Wittenstein. „Man muss sich dem Wandel stellen.“ Er hat bewiesen, dass er das kann und schaut optimistisch in die Zukunft.

Mittelständler nutzten die Globalisierung, um kostengünstiger zu produzieren, räumt Wittenstein ein und betont: „Doch deshalb sind unsere Löhne keine Hungerlöhne.“ Es lohne sich, solche Wege zu gehen. Er sieht seine Aufgabe als Unternehmer auch darin, an die Öffentlichkeit gehen und zu begründen, was neue Geschäftsmodelle bringen. Seiner Ansicht nach befindet sich die Globalisierung noch in der Kinderstube. Zwei Drittel der Exporte gingen in die Europäische Union. Globalisierung bedeutet für Wittenstein auch eine Sinnstiftung: „Wir zahlen in Schwellenländern höhere Löhne als der Durchschnitt. Und wir bringen unsere Kultur und Normen dort hinein.“

Wittenstein sieht auch viel Potenzial im eigenen Land. Der Fachkräftemangel sei zwar ein schwerwiegendes Problem, das wir lösen müssen. Doch es gäbe Tendenzen, dass sich Unternehmen um die junge Generation kümmern, zum Beispiel durch Förderung und Unterstützung von Hauptschülern. Er fordert: „Wir müssen Wege finden, um die Jugendlichen stärker einzubinden. Wir brauchen nicht nur die Hochqualifizierten.“ Er befürwortet, dass wir junge Menschen in die Welt hinaus schicken. Das praktiziere er auch im eigenen Unternehmen. Einsichten aus fernen Ländern seien für die Entwicklung wichtig. Und Auslandsaufenthalte böten die Chance, Beziehungen und Netzwerke herzustellen, die wir in Zukunft brauchen. Sein Ausblick für junge Menschen: “Wir erleben meines Erachtens eine tolle Zeit des Abenteuers. Die Welt ordnet sich neu, mit großen Chancen und Möglichkeiten.“