Stategieexperte Prof. Dr. Bernd Venohr ist Mitveranstalter des 2. Deutschen Kongresses der

Stategieexperte Prof. Dr. Bernd Venohr ist Mitveranstalter des 2. Deutschen Kongresses der Weltmarktführer, kommenden Januar in Schwäbisch Hall. Bild: Venohr

von Daniela Hoffmann

Welche Themen beschäftigen aus Ihrer Sicht die Zielgruppe der Weltmarktführer derzeit am meisten?
Die Geschäfte laufen im Moment gut, dennoch bleibt angesichts der weltwirtschaftlichen Umbrüche das Gefühl, dass der Situation nicht ganz zu trauen ist. Die Karten auf dem Weltmarkt werden neu gemischt. Bisher haben die deutschen Unternehmen sehr gut mithalten können, anders als zum Beispiel viele amerikanische Unternehmen. Zwischen 2000 und 2010 hat beispielsweise die US-Autoindustrie die Hälfte ihres Absatzes verloren, China ist zum weltgrößten Automobilmarkt geworden. Die deutschen Automobilhersteller konnten ihre weltweite Marktposition halten und sogar noch etwas ausbauen. Diese Marktveränderungen bieten Chancen, sind aber auch mit Risiken verbunden. Wie können wir uns optimal auf neue Herausforderungen einstellen? Das ist die Grundfrage, mit der sich die Unternehmen beschäftigen.

Ein wesentliches Element beim Wachstum sind qualifizierte Mitarbeiter. Der Umgang mit dem demographischen Wandel wird auch die Teilnehmer auf dem nächsten Kongress der Weltmarktführer im Januar 2012 in Schwäbisch-Hall beschäftigen. Welche Rolle spielt das Personal und auf welche Strategien setzen die Marktführer?
Zahlreiche Unternehmen klagen jetzt schon wieder über Fachkräftemangel, die demografischen Trends werden diesen in absehbarer Zukunft noch verstärken. Bei der Rekrutierung von Führungs- und Fachkräften konzentrierten die Firmen sich bisher noch stark auf das regionale Umfeld. Hier stößt man zunehmend an Grenzen. Die Besten haben erkannt, dass sie sich nicht mehr auf die Position des „Hidden Champion“ zurückziehen können, sondern aktiv Personalmarketing betreiben müssen.

Ein Schwerpunktthema des Kongresses sind die Chancen für deutsche Unternehmen in den sogenannten BRIC-Staaten, diesmal steht Indien im Mittelpunkt. Warum ?
Der indische Markt ist vergleichsweise unterpenetriert und damit spannend für deutsche Unternehmen. Es geht darum, Produkte, die an die geringere Kaufkraft angepasst sind, für diesen Markt zu entwickeln. In Indien besonders erfolgreiche Firmen wie Bosch, SAP und Lapp Kabel werden auf dem Kongress über ihre Erfahrungen berichten.

China tritt zunehmend als Konkurrent für deutsche Unternehmen in den Vordergrund. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein?
China ist einerseits im Moment unser bester Kunde, andererseits erwarte ich mittelfristig, dass chinesische Firmen in vielen Branchen Wettbewerber Nummer 1 werden. Chinesische Unternehmen haben sich sich in der Vergangenheit nicht selten Technologien über Joint Ventures und Entwicklungsprojekte gesichert, attackieren deutsche Unternehmen dann im Markt „von unten“ mit einfacheren Maschinen und entwickeln sich schrittweise nach oben. China ist auch eine dominierende Größe als Nachfrager auf den Rohstoffmärkten und bestimmt mittlerweile die Preise stark mit. Die sich daraus ergebenden Chancen und Risiken für deutsche Unternehmen werden wir ebenfalls auf dem Kongress beleuchten

Gibt es dort bereits auch Weltmarktführer im Bereich Anlagen- und Maschinenbau?
China hat Deutschland zum Beispiel bei Windkraftanlagen innerhalb kürzester Zeit überholt. Chinesische Anbieter wie Goldwind sind durch ihre starke Position auf dem großen chinesischen Markt, der weit mehr als 50 Prozent des Weltmarktes ausmacht, an die Weltspitze gelangt. Ähnliches ist im Bereich Photovoltaik zu beobachten. Der Wechsel der Marktführerschaft ging hier sehr schnell in zwei bis drei Jahren vonstatten. Auch in einigen klassischen Maschinenbaubranchen wie zum Beispiel im Bereich Betonpumpen (Sany) oder Spritzgießmaschinen (Haitian) haben chinesische Wettbewerber bereits Spitzenpositionen erobert.

Was müssen die deutschen Unternehmen dafür tun, ihre Spitzenpositionen zu halten?
Der Kampf um eine Spitzenposition ist ein ewiges Rennen. Die Haupterfolgsfaktoren sind letztlich Innovation und Technologieführerschaft. Deutsche Weltmarktführer investieren nicht ohne Grund überdurchschnittlich viel in Forschung und Entwicklung, doppelt so viel wie Unternehmen in vergleichbaren Branchen aus anderen Ländern. Märkte kommen und gehen, wichtig ist es, sich rechtzeitig mit neuen Produkten auf veränderte Kundenbedürfnisse und neue Wettbewerber einzustellen. Dazu gehört auch unternehmerischer Mut, immer wieder neue Geschäftsfelder zu besetzen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass langfristiger Erfolg leider die Ausnahme ist, nicht die Regel: Nur wenige Unternehmen wie Bosch oder Siempelkamp, deren CEOs beide auf dem Kongress präsentieren, schaffen es über einen langen Zeitraum von 100 und mehr Jahren, an der Spitze zu bleiben.

Welchen Rat haben Sie für Unternehmen, die in ihrem Segment zu Weltmarktführern werden wollen?
Sich auf ein Marktsegment konzentrieren, dort Spitzenprodukte anbieten und sich bei den Abläufen in Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Service an den Besten orientieren. Darüber hinaus ist es wichtig, rechtzeitig Führungsprozesse und Strukturen an neue Umsatzgrößenordnungen anzupassen. Und: Nicht abheben, sondern bescheiden und wachsam bleiben.