von Daniela Hoffmann

Landsberg (ilk). Deutlich über 1 500 Weltmarktführer gibt es in Deutschland. „Die Weltmarktführer stehen für die besondere Marktpositionierung der deutschen Unternehmen, deren Differenzierungsleistung in besonderer Weise von Lösungskompetenz durch hybride Wertschöpfung aus Produkt und Dienstleistung geprägt ist“, sagt Prof. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Dabei spielt Innovation eine herausragende Rolle: Die deutschen Weltmarktführer geben im internationalen Vergleich deutlich mehr für Forschung und Entwicklung aus. Daran scheint sich mittlerweile auch die Industrie allgemein zu orientieren, die dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft zufolge im Jahr 2010 ihre internationalen FuE-Ausgaben um knapp 6 % gesteigert hat. „Es ist erfolgsentscheidend, dass Innovation von oben getrieben wird. Bei 50 % der deutschen Weltmarktführer steht ein Ingenieur an der Spitze. Zum Beispiel verbringt Unternehmensgründer Gerhard Sturm bei Ebm-Papst zwei Tage seiner Woche in der Entwicklung“, berichtet Prof. Dr. Bernd Venohr, Strategieberater und Mitveranstalter des 2. Deutschen Kongresses der Weltmarktführer vom 24. bis zum 26. Januar 2012 in Schwäbisch Hall.

Innovation könnte auch eine Antwort auf eine Problematik sein, mit der sich die Unternehmen immer stärker auseinandersetzen müssen: Rohstoffsicherheit. Der gezielte Aufkauf von Rohstoffen durch China und steigende Rohstoffpreise geben nicht nur den Marktführern zu denken. „Im Bereich der Rohstoffe haben wir eine kritische Abhängigkeit. Diese Probleme sind nicht allein zu lösen, es bedarf einer globalen Kooperation im Rahmen der Welthandelsorganisation, um einen fairen Marktzugang und Handelsfreiheit zu sichern. China weiß, dass es hier nicht einseitig spielen kann“, meint Hüther. „Hier geht es um die Zukunftssicherung in innovativen Bereichen und darum, wie Unternehmen strategisch mit diesen Herausforderungen umgehen: Ein Thema, von dem für die Zukunft und für die Marktpositionierung der Unternehmen sehr viel abhängt“, sagt Dr. Walter Döring, ehemaliger Wirtschaftsminister Baden-Württembergs und ebenfalls Mitveranstalter des Kongresses. „Der Druck auf deutsche Unternehmen nimmt zu, dafür sorgt auch die zunehmende Qualität chinesischer Hersteller“, konstatiert Hüther zudem. Der Qualitätsvorsprung schmilzt im Lauf der Jahre dahin, andere Konzepte sind gefragt. Als „hohe Kunst“ bezeichnet Venohr deswegen das Verbleiben an der Spitze. „Erfolg schafft Arroganz. Das führt oft dazu, dass führende Unternehmen ihre Sensoren einfahren und sich vom Markt abkoppeln. Letztlich geht es dabei um ein Kulturthema: Erfolgreiche Unternehmer stellen sich rechtzeitig die Frage, welche neuen Felder sich erschließen lassen – und bleiben bescheiden“, so Venohr. Bosch zum Beispiel investiere regelmäßig in neue Geschäftsfelder, aktuell in Photovoltaik. Auch neue oder angepasste erschwinglichere Produkte für das Geschäft in den Schwellenländern sind gefragt.

Weltmarktführer zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie ihren Markt besonders gut kennen – und ihren Kunden nah bleiben. „Die Organisation muss sich ständig an veränderte Rahmenbedingungen anpassen können. Dabei ist für uns die kundennahe Vertriebsstruktur sehr wichtig – das schärft die Organisation“, so Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe. Als Erfolgsfaktor sieht Friedmann auch die Internationalität, die vor allem in turbulenten Zeiten als Faktor der Risikostreuung besonders wichtig sei. Dabei legt der Weltmarktführer für Schrauben und Befestigungstechnik aus Künzelsau Wert darauf, in den unterschiedlichen Ländern mit lokal ansässigen Geschäftsführern zu arbeiten. Ein Ausruhen auf dem Erreichten gibt es nicht: „Weltmarktführer zu bleiben, ist eine ständige Herausforderung“, erklärt Robert Friedmann.

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