Dr. Walter Döring, ehemaliger Wirtschaftsminister Baden Württembergs und Mitveranstalter des 2.

Dr. Walter Döring, ehemaliger Wirtschaftsminister Baden Württembergs und Mitveranstalter des 2. Deutschen Kongresses der Weltmarktführer (Bild: Döring).

von Daniela Hoffmann

SCHWÄBISCH HALL (ilk). Herr Dr. Döring, welchen inhaltlichen Schwerpunkt wird der kommende Kongress der Weltmarktführer haben – was beschäftigt die Unternehmen dieser Zielgruppe derzeit am stärksten?

Im Mittelpunkt stehen die Themen Rohstoffknappheit und Rohstoffsicherheit, die aus verschiedenen Blickwinkeln von den Unternehmen selbst und internationalen Experten aufgegriffen werden. Dazu gehören Fragen danach, wie Rohstoffe ersetzt werden können, die Zukunftssicherung in innovativen Bereichen und wie Unternehmen strategisch mit diesen Herausforderungen umgehen: Ein Thema, von dem in Zukunft sehr viel abhängt. Hinzu kommen die Themen „Wachstum“ und „Demografischer Wandel“: Beides Themen von hoher Aktualität, zu denen herausragende Experten Stellung nehmen werden.

Gerade die mittelständischen Weltmarktführer, die oft in Familienhand sind, agieren nachhaltiger und erheben nicht die Quartalszahlen zum Maß aller Dinge. Nachhaltigkeit wird mit Blick auf Ressourcen und Umwelt immer wichtiger: Was kann die Wirtschaft insgesamt von diesen Strategien lernen?

“Nachhaltigkeit” ist mittlerweile das entscheidende Stichwort für viele Bereiche in unseren Unternehmen. Neben dem sorgfältigen und nachhaltigen Umgang mit allen Ressourcen wie Rohstoffen oder finanziellen Mitteln ist ein sehr nachhaltiger Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerade bei Eigentümern – respektive Familienunternehmen – oberstes Gebot. Der persönliche Umgang, die kontinuierliche Weiterbildung, eine angemessene Entlohnung mit fairen Bonusregelungen bis hin zur Mitarbeiterbeteiligung führen dazu, dass diese Unternehmen eine weit geringere Fluktuation haben als ihre “anonymen” Wettbewerber.

Ihr Ansatz besteht darin, den Kongress als Wirtschaftstreffen analog zum internationalen Event in Davos zu etablieren. Warum braucht die deutsche Wirtschaft ein solches Treffen?

Der erste Kongress in diesem Jahr war ein außerordentlicher Erfolg – wir füllen also in der Tat eine Lücke. Wirtschaftsevents wie das Swiss Economic Forum oder Davos sind in der Regel anders aufgestellt. Unser Ziel ist eine inhaltlich profunde Veranstaltung für die Zielgruppe der weltmarktführenden Unternehmen. Der Kongress lädt dazu ein, von den Besten zu lernen: Wie bewältigen Top-Weltmarktführer die Rohstoffthematik? Welche konkreten Wachstumsstrategien verfolgen sie national und international? Wie begegnen sie dem durch die demografische Entwicklung drohenden Fachkräftemangel? Wir stecken derzeit viel Arbeit in die nächste Veranstaltung, um an den bisherigen Erfolg anzuknüpfen und ihn vielleicht sogar noch zu toppen.

Ist eine Internationalisierung des Kongresses geplant?

Wir haben bereits jetzt  internationale Referenten und solche mit langjähriger internationaler Erfahrung. Spätestens 2013/2014 wollen wir die Internationalisierung jedoch weiter vorantreiben.

Wie erleben Sie die Stimmung unter den potentiellen Teilnehmern derzeit, wird auch die Eurothematik eine Rolle spielen?

Die wirtschaftliche Lage ist in Deutschland zwar außergewöhnlich gut, aber das Thema löst bei den Unternehmen dennoch Unruhe und Besorgnis aus. Die überwiegende Mehrzahl hält den Euro für unabdingbar, immerhin profitieren wir mit rund 60 Prozent Exporten im Euroraum auch am stärksten. Es gibt aber auch die Überzeugung, dass die deutsche Wirtschaft so stark und ideenreich ist, dass sie maßgeblich zu Wegen aus der Krise beitragen wird. Aber klar ist, dass das Thema „Euro“ auf dem Kongress auch kompetent angesprochen werden wird.

Auf dem Kongress wird es wieder eine rege Einbindung der Politik geben. Um welche Schnittpunkte zwischen Wirtschaft und Politik soll es insbesondere gehen?

Wir erwarten als Gastredner Außenminister Guido Westerwelle und Forschungsministerin Annette Schavan sowie den neuen und ersten grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Internationalisierungsstrategien der teilnehmenden Unternehmen werden ebenso im Fokus stehen wie Forschung und Entwicklung. Zudem wird sicherlich auch über politische Themen diskutiert, zum Beispiel darüber, wie grüne Politik tatsächlich in der Praxis aussieht. Ich gehe davon aus, dass es auch in dieser Hinsicht ein besonders spannender Kongress wird.

Auch in diesem Jahr wird ein Nachwuchspreis verliehen – wer kann am Wettbewerb teilnehmen?

Der Wettbewerb richtet sich an rasch und nachhaltig wachsende Mittelstands-Unternehmen, die in ihrem Bereich möglichst unter den Top 3 liegen und sich durch Werte wie vorbildliche Führungskultur, Prozesse und Innovationsstärke auszeichnen. Der Adolf-Würth-Nachwuchspreis ist mit 10.000 Euro dotiert. Weltmarktführer besetzen oft weniger bekannte Nischen – der Preis bringt nicht zuletzt mediale Aufmerksamkeit.