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Dr. Matthias P. Weibel, CFO der FAES AG: "Der einfache und rasche Datenaustausch ermöglicht wechselnde Kollaborationen über Firmengrenzen hinweg."

Produktion: Welches Potential, welche Chancen und welche Risiken stecken in der Digitalisierung der Produktion für KMU im Maschinen- und Anlagenbau? Was dürfen Ihre Kunden erwarten?

Dr. Matthias P. Weibel: "Das Potenzial ist unermesslich. Wir stehen erst am Anfang des digitalen Industrie-Zeitalters. Effizientere Prozesse durch Durchgängigkeit und Vernetzung sind nur ein Bruchteil dessen, was möglich ist. Der größte Vorteil der Digitalisierung ergibt sich aus Big Data: Das einfache Erfassen und gezielte Auswerten von Daten ermöglicht heute die Bewältigung viel komplexerer Aufgaben in kürzerer Zeit und zu tieferen Kosten. Sämtliche Wertschöpfungsstufen können digital abgebildet und vernetzt abgewickelt werden - von der Designstudie, der Entwicklung und dem Prototypenbau, über die Materialbeschaffung und das Supply Chain Management bis hin zur Serienfertigung und zum Vertrieb einer neuen Maschine. Wir konnten die Markteinführungszeiten um 15 % verkürzen, obwohl wir heute weit mehr auf individuelle Bedürfnisse unserer Kunden eingehen als früher. Nach der Inbetriebnahme einer Maschine profitieren unsere Kunden von Features, die diverse Echtzeit-Auswertungen, Interoperabilität und präventive Maintenance ermöglichen."

Produktion: Wie lässt sich dieses Vorhaben der Digitalisierung sowohl auf Seiten der Unternehmen als auch auf Seiten der Infrastrukturbereitsteller wie Bund, Kantone und Länder finanzieren? Wo liegt der größte Nachholbedarf?

Weibel: "Es bedarf einer neuen Denkhaltung. Es ist wichtig, dass wir zuerst unsere eigenen Denkmuster aufbrechen und dabei auch den Stakeholdern außerhalb der Industrie die Chancen der Digitalisierung näher bringen. Es braucht neue Wege der Finanzierung und den Zugang zu Kapital. Digitale Innovationen müssen aber als solche erkannt werden. Gerade Banken sollten wissen, dass sie durch ‚Appisierung’ digitale Services ausbauen und deren Mehrwert für ihre Kunden erhöhen können. Diese Ansätze verbreiten sich auch im industriellen Servicegeschäft, werden aber von Kreditgebern und Investoren noch viel zu wenig wahrgenommen. Die Tatsache, dass Maschinen immer intelligenter werden, ermöglicht neue Versicherungs- und Finanzierungsmodelle in Abhängigkeit von deren Nutzung und Wartung. Durch Vernetzung und Automatisierung in der Wissensgenerierung können ganz neue Geschäftsmodelle entstehen und andere in kurzer Zeit verschwinden."

Produktion: Wird es im Zuge der Digitalisierung der Produktion anbieterseitig zu einer stärkeren Vernetzung von ‚KMU und KMU’ und zu einer stärkeren Vernetzung von ‚Anbietern und Kunden’ andererseits kommen?

Weibel: "Diese Vernetzung unter Spezialisten ist meiner Meinung nach bereits in vollem Gang. Knappe personelle Ressourcen in KMU wie auch fehlendes Know-how lassen sich auf diese Weise kompensieren und wirken als Treiber. Der einfache und rasche Datenaustausch ermöglicht wechselnde Kollaborationen über Firmengrenzen hinweg. Die Zugehörigkeit zu einer Firma tritt für ‚Digital Natives’ zugunsten des gemeinsamen Projekts in den Hintergrund. Als Folge davon erhöht sich auch die Vernetzung zwischen Anbietern und Kunden, im Maschinen- und Anlagebau war die in den letzten Jahren ganz besonders der Fall. Unsere Werkzeugmaschinen generieren mit ihren unzähligen Sensoren Terabytes an Daten, die bei FAES fortlaufend im SAP ausgewertet und auf Wunsch unseren Kunden zur Verfügung gestellt werden."

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