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beim Dreiländerkongress Maschinenbau vorausgeDACHt fasste Prof. Sihn die Ergebnisse der Kongressdiskussion zusammen. - Bild: Scheinast

Wie bei vielen Autobauern macht sich auch bei Opel Industrie 4.0 am Stichwort Smart Factory fest. Um sich dem Thema anzunähern, habe man die Keyleute aus der Wertschöpfungskette jeweils in allen Regionen zusammen gebracht, berichtete Dr. Michael Rupp, Fertigungsexperte von Opel. Zunächst sollte definiert werden, wo der Schuh drückt, erst im nächsten Schritt wurde die ideale Vision beschrieben, wie ein Problem gelöst werden könnte. Daraus sei die Smart Factory Mission entstanden.

Rund 80 Prozent der Themen hätten sich weltweit geähnelt, einige regionale Unterschiede verwiesen jedoch auf teilweise sehr unterschiedliche Anforderungen. So beschrieb Rupp, dass in den USA Kunden ihr Fahrzeug gar nicht wie in Europa selbst konfigurieren wollen. „Die Amerikaner halten uns für crazy, wenn wir wie beim Modell „Adam“ jedes Fahrzeug unique herstellen“. Das koste viel zu viel, schließlich müsse man ja die ganzen Personalisierungen irgendwie managen, die Komplexität sei überhaupt nicht beherrschbar,hätten die Bedenken der GM-Kollegen gelautet.

Die Umsetzung von Industrie 4.0 bei Opel erfolgt schrifttweise. „Um erfolgreich zu sein, brauchen wir die strategische Verantwortung Top- down aus dem Vorstand, zugleich muss die eigentliche Arbeit aber Bottom-up aus der Fertigung kommen, da steckt das Know-how der Leute – beides muss miteinander verbunden werden“, nennt Rupp eine Herausforderung. Zugleich stellte Michael Rupp klar, dass die Strukturen in der Autoindustrie durch die Prinzipien von Taylor und durch Lean-Methoden geprägt seien, gekennzeichnet durch hierarchische Organisationsstrukturen und aggressiv-defensives oder passiv-defensives Führungsverhalten. Zugleich bewirke Lean Effizienz auf Basis homogener Teams.

„Die alten Strategien haben ihre Berechtigung. Die Herausforderung ist aber, neue und alte Denkmuster so zu verheiraten, dass wir mit beiden leben können“, erklärte Rupp. Für mehr Kreativität, Innovation und unternehmerisches Handeln seien neue Formen der Organisation und konstruktives Führungsverhalten notwendig, ebenso wie inhomogene Teams. Von den Maschinen- und Anlagenbauern wünschte sich Rupp Lösungen, die die Smart Factory voranbringen.

„Letztendlich muss allen klar sein: Wie schnell und in welcher Form Industrie 4.0 ankommt, diese Entscheidung trifft einzig und allein der Kunde. Der Nutzen muss darstellbar sein“, erklärte Guido Hettwer, Vorsitzender der Geschäftsleitung Vertrieb Europa Mitte, Bosch Rexroth AG. Weil es im Bosch-Konzern interne Kunden und Anbieter gebe, sei ein großes Lernpotential vorhanden, für welchen Nutzen Kunden auch bezahlen wollten, berichtete Hettwer. Studien stellten zwar auf der Metaebene erhebliche Kostenpotentiale dar.

Bestand nachrüsten

„Es ist aber zum Teil schwierig, diesen Hebel auch real im Markt umzusetzen. Meine Wahrnehmung ist, dass viele Unternehmen nicht weitergekommen sind im letzten Jahr, weil sie die Hürden der Vernetzung und der neuen Kompetenzfelder haben“, sagte Hettwer. Schließlich müsse man in Form gesamter Prozessketten denken und aus dem bestehenden Geschäftsmodell heraustreten, um diesen Nutzen zu realisieren. „Wir schwenken auch um und setzen Informatiker ein, um diese Vernetzung hinzubekommen“, so Guido Hettwer.

Dazu gehöre es zum Beispiel, Bestandsanlagen nachträglich Industrie 4.0-fähig zu machen, um sie in die neue Topologie einbinden zu können. An neue Produkte geht auch Bosch nach der bewährten Formel heran, solche Entwicklungen jenseits der bestehenden Organisation voranzutreiben. Für die Erneuerung eines bestehenden Aggregats zum Beispiel habe man zehn junge Ingenieure genommen und an anderem Ort zusammengesetzt. „Es ist wirklich etwas ganz anderes dabei herausgekommen“, bestätigte Hettwer. Die Jungentwickler konnten beim CytoPac-Aggregat 50 Prozent des Bauraums durch eine andere Form und 80 Prozent Energie einsparen. Anstatt es im Problemfall wie früher vor Ort aufwendig zu reparieren, werde das Industrie 4.0-Produkt innerhalb von 15 Minuten ausgetauscht.

„Das, was wir bei dieser Produktentwicklung gemacht haben, machen wir jetzt bei jedem Produkt“, erzählte Hettwer. Man stelle immer die Connectivity sicher und überlege, ob intelligente Funktionen sinnvoll sind, das werde auch vom Kunden honoriert. Allerdings gibt Bosch auf Wunsch auch Hilfestellung: Man biete den Kunden, die eine Industrie 4.0-Topologie aufbauen wollen, Consulting und Trainings an, zudem könnten Betrieb und Wartung auf Wunsch über die Cloud hinzugekauft werden.

Am Ende des Kongresses fasste Prof. Wilfried Sihn, Institutsvorstand an der TU Wien und Geschäftsführer Fraunhofer Austria Research GmbH, die Diskussionsphase der Teilnehmer zusammen. „Sie befassen sich zu sehr mit sich selber und zo wenig mit dem Kunden.  Sie müssen etwas verändern, das der Kunde auch anerkennt“, merkte Sihn an. Zudem sei vielen Unternehmen klar, man brauche individualisierte Aus- und Weiterbildung. „Mitarbeiter auf allen Ebenen brauchen IT-Basiswissen, nicht nur im Shopfloor“, so Sihn. Auch die Frage, ob Lean noch gebraucht wird, wurde diskutiert. Sihns Resümee: „Sie können auch schlecht digital sein“.

Ein Eindruck aus den Gesprächen waren dem Wissenschaftler zufolge auch, dass der letzte Leidensdruck im Maschinenbau noch fehlt. Zudem würden nicht systematisch moderne Tools eingesetzt, um neue Geschäftsmodelle zu finden. Insbesondere gehe es darum, den eigenen Kunden zu zeigen, was mit deren Daten gemacht werden soll und welchen konkreten Nutzen der Kunde hat, wenn er seine Daten hergibt. Sihn riet den Teilnehmern, sich einen Kunden als First Mover zu suchen, der bereit ist, an innovativen Themen mitzuarbeiten und als Referenzbeispiel den Weg für weitere Kunden zu ebnen.

Maschinenbau vorausgeDACHt: Drei Länder - ein Kongress

  • Spannende Vorträge, Einsichten und Augenöffner zum Thema Digitalisierung beim Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

    Spannende Vorträge, Einsichten und Augenöffner zum Thema Digitalisierung beim Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

  • Der erste Maschinenbau-Drei-Länder-Kongress in Salzburg: Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

    Der erste Maschinenbau-Drei-Länder-Kongress in Salzburg: Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

  • Schon frühzeitig herrschte an den Anmeldecountern zu Maschinenbau vorausgeDACHt reger Andrang.- Bild: Produktion

    Schon frühzeitig herrschte an den Anmeldecountern zu Maschinenbau vorausgeDACHt reger Andrang.- Bild: Produktion

  • Das Foyer beim Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt in Salzburg füllte sich stetig. - Bild: Produktion

    Das Foyer beim Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt in Salzburg füllte sich stetig. - Bild: Produktion

  • Auch der Ausstellerbereich beim Drei-Länder-Maschinenbau-Kongress war schnell gut besucht. - Bild: Produktion

    Auch der Ausstellerbereich beim Drei-Länder-Maschinenbau-Kongress war schnell gut besucht. - Bild: Produktion

  • Letztes Briefing: Orgateam mit VDMA, Swissmem Metalltechnischer Industrie und Fachzeitung Produktion mit Moderatorin Eva Pölzl (3.v.l.). - Bild: Produktion

    Letztes Briefing: Orgateam mit VDMA, Swissmem Metalltechnischer Industrie und Fachzeitung Produktion mit Moderatorin Eva Pölzl (3.v.l.). - Bild: Produktion

  • Schnell waren allerorten im Ausstellerbereich Fachgespräche im Gange. - Bild: Produktion

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  • Moderatorin Eva Pölzl eröffnete den Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Scheinast

    Moderatorin Eva Pölzl eröffnete den Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Scheinast

  • VDMA-Präsident Carl Martin Welcker war der erste Redner auf dem Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

    VDMA-Präsident Carl Martin Welcker war der erste Redner auf dem Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

  • Swissmem-Direktor Peter Dietrich sieht die DACH-Region gut für die Digitalisierung gerüstet. - Bild: Produktion

    Swissmem-Direktor Peter Dietrich sieht die DACH-Region gut für die Digitalisierung gerüstet. - Bild: Produktion

  • Für den Obmann der Metalltechnischen Industrie, Mag. Christian Knill, ist der Maschinenbau die Schlüsselbranche der Digitalisierung." - Bild: produktion

    Für den Obmann der Metalltechnischen Industrie, Mag. Christian Knill, ist der Maschinenbau die Schlüsselbranche der Digitalisierung." - Bild: produktion

  • Thomas Sattelberger, ehemaliger Vorstand bei der Deutschen Telekom, der Continental AG und der Lufthansa, sprach zum Thema "Schränkt Industrie 4.0 uns ein?" - und redete dem Auditorium ordentlich ins Gewissen, wofür er immer wieder Szenenapplaus erntete. - Bild: Produktion

    Thomas Sattelberger, ehemaliger Vorstand bei der Deutschen Telekom, der Continental AG und der Lufthansa, sprach zum Thema "Schränkt Industrie 4.0 uns ein?" - und redete dem Auditorium ordentlich ins Gewissen, wofür er immer wieder Szenenapplaus erntete. - Bild: Produktion