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Der erste Dreiländerkongress für den Maschinenbau: Maschinenbau vorausgeDACHt in Salzburg. - Bild: Schainast

Im malerisch gelegenen Salzburger Congresszentrum eröffnete  ORF-Moderatorin Eva Pölzl die Veranstaltung, auf der digitale Strategien für die Branche im DACH-Raum Deutschland, Österreich und der Schweiz durchaus kontrovers diskutiert werden. Wichtig ist den Veranstaltern die Gemeinsamkeit.

„Die Botschaft aus Salzburg heißt, dass in der digitalen Welt die Ländergrenzen verschwimmen. Eine solche Botschaft ist gerade in der heutigen Zeit wichtig, wo Nationalstaaten und Nationalisten die Fliehkräfte in der EU erhöhen und Protektionisten Mauern bauen wollen und Importzölle erfinden“, sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker. Mit der grenzüberschreitenden Konferenz treffe man deshalb einen Nerv.

„Wenn es um das Thema Digitalisierung geht, haben wir es alle mit denselben Aufgabenstellungen zu tun“, stellte Mag. Christian Knill fest, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie FMTI. Die Angst vor dem Schwinden von Arbeitsplätzen hält Knill entgegen, dass am Beispiel Südkorea zu sehen sei, dass viele neue Arbeitsplätze beim Bau und Betrieb zum Beispiel von Robotern entstünden. Man müsse jedoch in die Qualifikation, aber auch generell investieren, um zu den Profiteuren von Industrie 4.0 zu gehören.

Maschinenbau gut aufgestellt

Nach einer ersten Phase der Orientierung im Umfeld von Industrie 4.0 gehe es jetzt um die konkrete Umsetzung, erklärte Welcker: „Wie immer bei neuen Technologien sind die Umsetzungsgeschwindigkeiten unterschiedlich. Doch insgesamt ist der Maschinenbau gut aufgestellt, das kann man für alle drei Länder sagen“. Noch liege der Fokus bisher auf der eigenen Produktion und der Veredelung der eigenen Produkte. Der Verbandspräsident mahnte an: „Die horizontale Wertschöpfung, also die Vernetzung über Unternehmensgrenzen hinweg, ist die eigentliche Königsdisziplin“. Handlungsbedarf sieht Welcker bei neuen Kooperationsformaten für den unternehmensübergreifenden Datenaustausch und Antworten auf Fragen der Daten- und Rechtssicherheit, aber auch des Know-how-Schutzes. Industrie 4.0 ist aus seiner Sicht vor allem eine neue Form des Datenaustauschs zwischen den Unternehmen.

Als größte Herausforderungen nennt Welcker das Personal und die Finanzierung. „Für mich ist klar, die Digitalisierung wird nicht am Menschen scheitern, aber der Schulungsbedarf ist riesig“, so der VDMA-Präsident. Zudem forderte er, die Finanzierung von Industrie 4.0-Vorhaben müsse besser gesichert werden, denn mit der Komplexität der entwickelten Produkte steige der Investitionsbedarf.

Für die Zukunft, nicht zuletzt der europäischen Arbeitsplätze stehe fest: „Der Maschinenbau wird nicht allein auf den Verkauf von physischen Produkten setzen können. Die Unternehmen werden künftig auf zwei Strategien setzen müssen: den Verkauf hochtechnologischer physischer Produkte, ergänzt um dazugehörige Daten als Produkt der Zukunft“. Als „Technologieintegrator par excellence“ sieht Welcker den Maschinebau bei Industrie 4.0 in einer Schlüsselrolle, ist er doch zugleich Anbieter und Anwender der neuen Technologien. Dafür seien jedoch neue Herangehensweisen und Denkmuster nötig.

Peter Dietrich, Direktor von Swissmem, dem Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie berichtete von der speziellen Situation der Schweizer Industrie, die seit längerem mit einer Überbewertung des Franken konfrontiert sei. Die Unternehmen versuchten mit der Einführung der 42-Stundenwoche und Investitionen in Lieferketten dem Margendruck zu begegnen. „Wir durchlaufen ein echtes Fitnessprogramm im Machinenbau in der Schweiz“, so Dietrich. Deshalb frage man sich intensiv, ob die Potenziale, die sich aus den Konzepten von Industrie 4.0 ergeben, einen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit leisten können.

"Ja, wir sind überzeugt das ist so, Sie müssen diese Konzepte anwenden“, so Dietrich. Die Digitalisierung der Industrie werde es nicht allein richten, aber sie eröffne Handlungsoptionen. Die Schweizer Unternehmen hätten dieses Potential erkannt. Einer Swissmem-Umfrage zufolge sehen 80 Prozent der Unternehmen großes Potential. 44 Prozent hätten bereits neue Projekte abgeschlossen, 55 Prozent Projekte in Arbeit. „Wenn die Maschinenbauer sich jetzt engagieren und die Potentiale anpacken, dann können sie sich über den Vorsprung auf den Weltmärkten freuen“,  war sich Peter Dietrich sicher.

Per Videobotschaft erklärte Günther Oettinger, EU-Kommissar für Haushalt und Personal, eine gemeinsame Strategie sei wichtig, wenn wir nicht zwischen dem Silicon Valley und China, Südkorea und Japan nicht „im Sandwich eingeklemmt“ werden wollen. „Nicht alle politischen Themen muss man europäisch angehen, aber digitale Strategien, wenn es um Skaleneffekte und Standards geht, kann man nur im gemeinsamen Binnenmarkt angehen“, so der EU-Kommissar.

Besondere Anstrengungen flössen derzeit in den Aufbau der 5G-Infrastruktur, die ab 2020 verfügbar sein soll. Antworten auf rechtliche Fragen in Bezug auf Daten müssten in ein digitales bürgerliches Gesetzbuch einmünden. Oettinger betonte die Bedeutung von Forschungsprojekten zum Beispiel in Quantentechnologie, Robotik, Photonik oder Supercomputing. Sie seien wichtig in all den Bereichen, in denen es um Milliarden-Investments gehe. „Dies kann kein Unternehmen alleine, schon gar nicht der fachlich starke Mittelstand, und es kann auch kein Mitgliedsstaat alleine die finanziellen Anstrengungen und Personalressourcen aufbringen“.

Gemeinsam seien die europäischen Union und die Schweizer Freunde stark, schnell und gut genug, um in all diesen Bereichen die Vorrangstellung zu halten oder die Aufholjagd zu bestehen, wo wir hinten liegen.

Maschinenbau vorausgeDACHt: Drei Länder - ein Kongress

  • Spannende Vorträge, Einsichten und Augenöffner zum Thema Digitalisierung beim Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

    Spannende Vorträge, Einsichten und Augenöffner zum Thema Digitalisierung beim Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

  • Der erste Maschinenbau-Drei-Länder-Kongress in Salzburg: Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

    Der erste Maschinenbau-Drei-Länder-Kongress in Salzburg: Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

  • Schon frühzeitig herrschte an den Anmeldecountern zu Maschinenbau vorausgeDACHt reger Andrang.- Bild: Produktion

    Schon frühzeitig herrschte an den Anmeldecountern zu Maschinenbau vorausgeDACHt reger Andrang.- Bild: Produktion

  • Das Foyer beim Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt in Salzburg füllte sich stetig. - Bild: Produktion

    Das Foyer beim Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt in Salzburg füllte sich stetig. - Bild: Produktion

  • Auch der Ausstellerbereich beim Drei-Länder-Maschinenbau-Kongress war schnell gut besucht. - Bild: Produktion

    Auch der Ausstellerbereich beim Drei-Länder-Maschinenbau-Kongress war schnell gut besucht. - Bild: Produktion

  • Letztes Briefing: Orgateam mit VDMA, Swissmem Metalltechnischer Industrie und Fachzeitung Produktion mit Moderatorin Eva Pölzl (3.v.l.). - Bild: Produktion

    Letztes Briefing: Orgateam mit VDMA, Swissmem Metalltechnischer Industrie und Fachzeitung Produktion mit Moderatorin Eva Pölzl (3.v.l.). - Bild: Produktion

  • Schnell waren allerorten im Ausstellerbereich Fachgespräche im Gange. - Bild: Produktion

    Schnell waren allerorten im Ausstellerbereich Fachgespräche im Gange. - Bild: Produktion

  • Moderatorin Eva Pölzl eröffnete den Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Scheinast

    Moderatorin Eva Pölzl eröffnete den Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Scheinast

  • VDMA-Präsident Carl Martin Welcker war der erste Redner auf dem Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

    VDMA-Präsident Carl Martin Welcker war der erste Redner auf dem Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

  • Swissmem-Direktor Peter Dietrich sieht die DACH-Region gut für die Digitalisierung gerüstet. - Bild: Produktion

    Swissmem-Direktor Peter Dietrich sieht die DACH-Region gut für die Digitalisierung gerüstet. - Bild: Produktion

  • Für den Obmann der Metalltechnischen Industrie, Mag. Christian Knill, ist der Maschinenbau die Schlüsselbranche der Digitalisierung." - Bild: produktion

    Für den Obmann der Metalltechnischen Industrie, Mag. Christian Knill, ist der Maschinenbau die Schlüsselbranche der Digitalisierung." - Bild: produktion

  • Thomas Sattelberger, ehemaliger Vorstand bei der Deutschen Telekom, der Continental AG und der Lufthansa, sprach zum Thema "Schränkt Industrie 4.0 uns ein?" - und redete dem Auditorium ordentlich ins Gewissen, wofür er immer wieder Szenenapplaus erntete. - Bild: Produktion

    Thomas Sattelberger, ehemaliger Vorstand bei der Deutschen Telekom, der Continental AG und der Lufthansa, sprach zum Thema "Schränkt Industrie 4.0 uns ein?" - und redete dem Auditorium ordentlich ins Gewissen, wofür er immer wieder Szenenapplaus erntete. - Bild: Produktion