Dr.-Ing. Mathias Kammüller, Chief Digital Officer (CDO) der TRUMPF Gruppe

Er ist der Chief Digital Officer (CDO) der Trumpf Gruppe: Dr.-Ing. Mathias Kammüller. - Bild: Trumpf

Im Herbst 2017 hat die Firma Trumpf in Chicago eine Smart Factory eröffnet, bei der von der Beauftragung eines Blechbauteils über die Konstruktion und Herstellung bis zur Auslieferung alle Arbeitsschritte automatisiert und digital vernetzt sind.

„In acht Monaten haben sich das über tausend Kunden aus der ganzen Welt angeschaut“, sagt Dr.-Ing. Mathias Kammüller, Chief Digital Officer (CDO) der Trumpf Gruppe. Auf 5.000 Quadratmetern können die Besucher eine verkettete Blechfertigung mit einem Hochregallager erleben, das die Werkzeugmaschinen in der Halle teils automatisiert mit Material versorgt.

„Die Aufträge laufen digital in die Produktion und alle Maschinen sind direkt mit einem Großlager vernetzt“, so Kammüller.

Überwachung der Fertigung in Echtzeit

Nachdem Kundenanfragen online eintreffen, kalkuliert das System, erstellt Arbeitspläne, plant Materialbestellungen, ordnet die Aufträge den Maschinen zu und macht auch die Versandpapiere und die Rechnung fertig.

„Auf dem Shopfloor selbst arbeiten nur noch wenige Servicekräfte und Logistiker, die sicherstellen, dass die Maschinen funktionieren, beziehungsweise bei Störungen eingreifen und zusätzliche logistische Aufgaben übernehmen, die noch nicht automatisiert sind“, sagt Kammüller.

Die Führungskräfte befinden sich im Control Room, einer Schaltzentrale sechs Meter über der Produktion. Auf großen Displayflächen werden hier in Echtzeit verschiedene Prozesskennzahlen zur Fertigung angezeigt: Wo sich welcher Auftrag und welches Produktionsteil befindet, ob die Maschinen effizient arbeiten.

Die digitale Vernetzung und Automatisierung ermöglicht laut Kammüller eine transparentere Fertigung, die Prozesse würden übersichtlicher und beherrschbarer, Aufgaben seien besser und effizienter planbar, die Fabrik produziere schneller und flexibler.

Digitalisierung für KMU: Wie Fortschritt in der Praxis ankommt!

Wenn es um Digitalisierung geht, scheinen die Konzerne den KMU voraus. Doch wir sind überzeugt: Auch diesmal wird der Mittelstand beweisen, dass er nicht nur mithält, sondern in vielen Details führend sein kann.

Wir laden Sie ein statt von "Industrie 4.0" zu theoretisieren, das Thema mit uns pragmatisch anzugehen - mit Lösungen, die im Alltag echten Mehrwert bieten.

Sichern Sie sich jetzt Ihren Platz auf unserem Jahresevent „Zukunft fertigung“ und bestellen Sie noch heute Ihre Karte auf: www.zukunft-fertigung.de

Auch in Europa sollen Smart Factories entstehen

Die Trumpf Gruppe plant in Zukunft auch in Europa Smart Factories. In Ditzingen betreibt das Unternehmen bereits eine digital vernetzte Blechfertigung, ein paar Kilometer weiter in Gerlingen eine Smart Factory für Stanzwerkzeuge.

„In Ditzingen spielen die Einzelmaschinen noch eine größere Rolle als in Chicago. In Zukunft werden wir auch hier mehr und mehr Prozesse digitalisieren“, so der CDO. Möglichst große Materiallager sollen dann auch in Ditzingen direkt mit den Maschinen verbunden sein und den Materialfluss sicherstellen.

„Das wird aber nie für alle Produktionsteile möglich sein. Es wird auch in Zukunft die automatischen Flurförderfahrzeuge, Automatic Guided Vehicles, kurz AGVs, geben die das Material zu noch nicht direkt angeschlossenen Maschinen bringen“, ist sich Kammüller sicher. Auch in Chicago erledigen AGVs einen Teil des Transports. Sehr wichtig sei dabei, zu wissen, wo in der Fabrik sich die AGVs und Transportwagen, die noch händisch bewegt werden, und vor allem die Werkteile befinden.

„Das realisieren wir in Chicago bereits mit kleinen Indoor-GPS-Sendern, die man auf den Teilen und Transportzeugen unterbringt. So kann man auf fünf Zentimeter genau bestimmen, wo sich was befindet“, sagt Kammüller.

Trumpf CDO Mathias Kammüller
Er ist der digitaler Vordenker von Trumpf: Mathias Kammüller. - Bild: Trumpf

Spezialistentum muss ein Ende haben

Kammüller hat die Euphorie Ende der 1980er Jahre erlebt, als die ersten AGVs in Fabriken unterwegs waren. „Heute sind die fahrerlosen Transportsysteme, aber auch die Maschinen wesentlich zuverlässiger als früher. Außerdem haben wir jetzt eine viel größere Datentransparenz. Bevor eine Maschine ausfällt, übermittelt sie die Information, dass sie überprüft werden muss“, sagt Kammüller.

Die Überprüfung sei dann Sache von wenigen Servicekräften. „Eine komplett menschenleere Fabrik wird es auch in Zukunft nicht geben“, ist sich Kammüller sicher.

Es müsse jedoch den Trend geben, dass das reine Spezialistentum ein Ende hat und der Mitarbeiter sich mit verschiedensten Maschinen auskennt. „Die Maschinen werden den Menschen dabei unterstützen, das Problem zu finden. Es wird möglich sein, dass zwei, drei Servicetechniker fünfzig Maschinen in einer Produktion überprüfen und sicherstellen, dass sie dauerhaft laufen.“