Jürgen mangelberger

Ist überzeugt, dass Menschen wichtiger sind als Maschinen: Jürgen Mangelberger. - Bild: Hoffmann

Herr Mangelberger, wie sieht Ihr Shopfloor in den nächsten zehn Jahren aus?

In der Regel wird beim Shopfloor der Zukunft an den Grad der Automatisierung gedacht, nicht an den Grad der Neigungen der Mitarbeiter. Wir haben derzeit einen Automatisierungsgrad von 90 Prozent erreicht. In den nächsten Jahren werden wir diesen Automatisierungsgrad bewusst auf 70 Prozent zurückfahren. Unser Grund: Man kann viel automatisieren, aber Maschinen sind nicht innovativ. Die eigentlichen Optimierungen werden noch von den Menschen gesehen und angestoßen. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass Prozesse, die bereits automatisiert sind, kaum in Frage gestellt werden.

Bei der Vorbereitung auf die Produktion der Zukunft denken wir so: Was könnte bewirken, dass wir morgen nicht mehr produzieren können? Da steht angesichts des demografischen Wandels  ganz oben die Überlegung: Was wäre, wenn morgen keiner mehr bei uns arbeiten will? Zugleich stellt sich die Frage, wie der Wettbewerb mit Unternehmen aus Billiglohnländern aussehen kann, die staatlich subventioniert werden. Wir haben für uns rechtzeitig einen Aktionsplan entwickelt, wie wir reagieren, wenn zum Beispiel diese Firmen selbst  ihre Energie geschenkt bekommen. Nachhaltigkeit und energieneutrale Gebäude sind hier eine sehr wichtige Antwort.

Welche Rolle spielt der Mensch dann noch in zehn Jahren?

Es ist wichtig, dass Menschen gern zur Arbeit gehen und es Spaß macht. Der Mitarbeiter schätzt es, wenn er selbst noch etwas entscheiden und mit anderen zusammenarbeiten kann. Automatisierung und KI rationalisieren aber auch diese Aspekte weg. Deshalb müssen wir überlegen, wo wir aufhören, Menschen einzuschränken, selbst wenn wir das über eine KI könnten. Wir haben mit künstlicher Intelligenz zum Beispiel bei der Projektplanung experimentiert: Das System kannte die durchschnittlichen  Planungszeiten unserer  Projekte und hat unter anderem während der heißen Phasen Anrufe für die Projektleiter gezielt umgeleitet, damit die  Planungsziele erreicht werden und die Kundenzufriedenheit noch weiter steigt  Menschen werden mit einer KI teilweise zu Sklaven. Was sollen unsere Kinder einmal machen, wenn sie nicht Sklave oder aber Chef werden? Wir im bayrischen Mittelstand haben die Verantwortung, diese Frage zu beantworten.

Sie sagen, der Fachkräftemangel wird sich als Problem zuspitzen?

Wenn wir heute einen Elektriker ausschreiben, dann haben wir in vier Monaten zwei Bewerbungen. Bei einem Wirtschaftsingenieur sind es ungleich mehr Bewerbungen in zwei Wochen. Für uns stellt sich die Frage: Warum will jeder studieren, wenn es extrem wenige Handwerker gibt? Der typische Elektroinstallateur geht praktisch mit dem Gehalt nach Haus, das er verdienen möchte, und er ist nicht ersetzbar. Unser Konzept, dass Arbeit Spaß machen soll und die Arbeitszeit flexibel gestaltet werden kann, gibt uns – obwohl wir ein mittelständisches  Unternehmen sind – einen Wettbewerbsvorteil. Das sehen wir auch an den hohen Zahlen an Ausbildungsbewerbern. Diesen Ansatz wollen wir erweitern, indem sich ein HR-Mitarbeiter darum kümmert, zu erkunden, welche Neigungen und Talente ein Mensch hat, um ihn am bestmöglichen Platz einzusetzen.

Digitalisierung für KMU: Wie Fortschritt in der Praxis ankommt!

Wenn es um Digitalisierung geht, scheinen die Konzerne den KMU voraus. Doch wir sind überzeugt: Auch diesmal wird der Mittelstand beweisen, dass er nicht nur mithält, sondern in vielen Details führend sein kann.

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Stichwort Logistik: Wie gestaltet sich der Materialfluss in zehn Jahren?

In der Produktion dirigiert bereits die Maschine, wann sie welches Material braucht. Wir haben hier auch auf Externe gesetzt, die die Maschinen am Wochenende befüllen. Wenn man Digitalisierung mit flexiblen Arbeitszeiten zusammenbringt, entstehen ganz neue Dynamiken: Wir haben eine App für den Dialog zwischen Mensch und Maschine, in der man eingeben kann, wann man wie viel Zeit hat, sei es auch nur eine halbe Stunde. Wenn die Maschine anfragt, dann zuerst bei den Mitarbeitern – seitdem brauchen wir kaum noch externe Helfer. Wir haben eine Kernarbeitszeit, in der ein Mitarbeiter zu 70 Prozent ausgelastet ist. Die restlichen 30 Prozent kann er sich einteilen, abhängig vom Liefertermin der Anlagen. Ich gehe davon aus, dass die Logistik der Zukunft durch deutlich höhere Flexibilität gekennzeichnet sein wird. Im Hinblick auf unsere Umweltziele und  der Lage unseres Standortes hätten wird es auch gern, wenn wir in Zukunft über e-Mobilität  liefern und uns beliefert lassen könnten. Bisher passiert da bei den Logistikdienstleistern noch nicht viel. Ich denke, das wird sich in einigen Jahren ändern, wenn autonome LKW mit Elektroantrieb straßentauglich werden.

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