Agilität EY Advanced Manufacturing

Mit Agilität zu Advanced Manufacturing. - Bild: Adobe Stock/WrightStudio

Immer dynamischere Märkte, kürzere Produktlebenszyklen, Disruption durch vor Kurzem noch völlig unbekannte Konkurrenten: Die Geschwindigkeit des Wandels erreicht auch in produzierenden Unternehmen nie gekannte neue Dimensionen. Herausforderungen gibt es überall, seien sie nun wirtschaftlich, regulatorisch, geopolitisch oder technologisch. Unternehmen müssen Lösungen für hohe Fixkosten und fehlende Fachkräfte finden, während gleichzeitig die generelle Volatilität vieler Märkte weltweit dafür sorgt, dass Kosten steigen und Lieferketten instabiler werden.

In immer mehr produzierenden Unternehmen kommen deshalb alle Aspekte der Geschäftstätigkeit auf den Prüfstand: Portfolios, Geschäftsmodelle, Supply Chain, Kapital- und Kostenstrukturen. Und auch das Schlagwort „Agilität“ hält längst nicht mehr nur in Start-ups aus dem Silicon Valley Einzug, sondern prägt auch die Abläufe vieler Firmen im Advanced Manufacturing. Wem es heute auf Basis einer umfangreichen Analyse gelingt, sich für die Zukunft widerstandsfähiger aufzustellen, der wird dem nächsten Abschwung erfolgreich trotzen.

Zukunftssicher dank flexibler Kapitalstruktur

Angesichts der immensen Bedeutung der Produktionstätigkeit vieler Unternehmen erscheint die Optimierung bzw. Flexibilisierung der Kapitalstruktur auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Wahl zum Erreichen größerer Agilität.

Dabei bieten sich hier – trotz jahrelanger Konsolidierung einiger Teilbereiche – gerade für Unternehmen aus der Chemie-, Industrie-, Luft- und Raumfahrt sowie der Verteidigungsindustrie große Chancen. Sie haben nach wie vor ihr Kapital langfristig allokiert und haben dadurch häufiger Schwierigkeiten, auf aktuelle Herausforderungen oder eine Konjunkturabschwächung schnell zu reagieren.

Viele Unternehmen beherrschen bereits kurzfristige Maßnahmen im Betriebskapitalmanagement, darunter beispielsweise das lückenlose und zeitnahe Eintreiben von Außenständen, eine umfangreiche Bestandsreduzierung oder Zahlungszielverlängerungen für Zulieferer. Daneben ist aber die konsequente Fokussierung der unternehmerischen Tätigkeit auf die Themen Betriebskapital und Kapitalallokation unverzichtbar, um den nächsten Abschwung so gut wie möglich zu meistern.

Global Capital Confidence Barometer zeigt: Wachstum soll durch kluge M&A-Deals entstehen

Weltweit entdecken immer mehr Unternehmen Fusionen und Zukäufe als Weg zu mehr Wachstum und größerer Zukunftsfähigkeit.

Das ist das Ergebnis des 20. Global Capital Confidence Barometer von EY, für das rund 2.900 Führungskräfte befragt wurden. Eine Erkenntnis: 59 Prozent aller Befragten erwarten Übernahme-Deals als schnellen Weg zur Umstrukturierung des eigenen Portfolios innerhalb der nächsten zwölf Monate.

Die Studie ist auf Deutsch hier aufbereitet und steht auf Englisch als pdf zum Download bereit.

Auf der Kostenseite gibt es mehrere wichtige Hebel: gemeinsam mit dem Personal Mitarbeiterflexibilität entwickeln, Unternehmensimmobilien genau unter die Lupe nehmen, oder neue Technologien sowie Möglichkeiten zur Automatisierung einsetzen, um so Kapital freizusetzen, das in langfristige Wachstumsinitiativen fließt – einschließlich der Fabrik der Zukunft. Um die eigene Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, müssen Businessmodelle neu bewertet, Kapital besser ausgeschöpft und Lieferketten flexibler gestaltet werden.

In der Praxis heißt das unter anderem auch, dass Unternehmen lernen müssen, frühzeitig ihre Verrechnungspreise proaktiv zu steuern, um schneller auf neue Rahmenbedingungen reagieren zu können. Dem Liquiditätsmanagement kommt dabei oft eine größere Bedeutung als bisher zu. Dabei sollten auch steuerliche Aspekte entsprechend berücksichtigt werden. Durch Änderungen in der Wertschöpfungskette ist aber beispielsweise auch die Übertragung immaterieller Wirtschaftsgüter oder ganzer Funktionsbereiche zu steuerlich günstigeren Zeitpunkten möglich.

Zum Autor

Dr. Thomas Lütkemeier

Business Development Leader Industrielle Produktion, EY

Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft GmbH

Kontakt: thomas.luetkemeier@de.ey.com

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Langfristig Kosten senken durch Investitionen in neue Technologien

Unternehmen, die akut mit einer Bedrohung oder mit disruptivem Wandel rechnen, können außerdem umgehend Maßnahmen zum Senken ihrer Kosten einleiten – häufig bringen diese aber drastische Veränderungen mit sich. Steht mehr Zeit zur Verfügung, sollten strategischer abgewogene Schritte eingeleitet werden. Das heißt, nicht nur kurzfristig können Kosten gesenkt werden, z.B. durch Mitarbeiterabbau oder Ausgabenstopp. Kluge Investitionen in neue Technologien können auch langfristig für niedrigere Ausgaben sorgen.

Großes Potential birgt für Unternehmen im Advanced Manufacturing beispielsweise der Einsatz von smarten Sensoren. Sie prägen die vernetzte Produktion und liefern längst nicht mehr nur reine Fertigungsdaten, sondern verändern die Geschäftsmodelle vieler Unternehmen. Neue Dienstleistungen erweitern das eigene Portfolio, aber auch Mitarbeiterprofile verändern sich durch die zusätzlichen Anforderungen in der IT sowie in den operativen Prozessen. Smarte Sensoren und Künstliche Intelligenz (KI) können in der Fabrik beispielsweise Service-Prozesse optimieren und den Betrieb von Maschinen und Anlagen effizienter gestalten.  

Als weitere Technologie verkürzt und beschleunigt darüber hinaus der 3D-Druck die Wertschöpfung an passenden Stellen und erlaubt zum Teil neue Anwendungen.

In Summe entsteht so ein breites Portfolio an Maßnahmen, das produzierende Unternehmen agiler handeln lässt. Neue Technologien bieten dabei Potenziale, die noch vor wenigen Jahren unmöglich waren.

Diese Länder führen beim Einsatz von smarten Sensoren

EY hat in einer Studie untersucht, in welchen Ländern Unternehmen smarte Sensoren schon heute besonders ausgiebig einsetzen. Die USA und zunehmend auch China gelten weltweit als taktangebend, wenn es darum geht, die Potenziale von Industrie 4.0 zu nutzen.

Japan und Südkorea folgen und auch die Schweiz zählt zur weltweiten Spitzengruppe. Dort fällt besonders die Führungsrolle bei den Digitaltechnologien für mehr Produktionseffizienz auf. Deutschland und Österreich liegen bei der Implementierung von Industrie 4.0 noch knapp über dem Durchschnitt der Europäischen Union.

Wichtige Erkenntnisse gibt es zusammengefasst hier. Die komplette Studie ist auf Englisch auch als pdf verfügbar.

3D-Druck für eine agile Fertigung: Deutschland fällt bei der Anwendung von 3D-Druckern zurück

3D-Druck in der Fertigung bietet für produzierende Unternehmen großes Potenzial: Sie können sich individueller auf ihre Abnehmer einstellen, sparen Transport- und Lagerkosten und bauen ihr Angebot insgesamt aus. Eine Befragung von EY zeigt jedoch, dass deutsche Unternehmen ihren Wettbewerbsvorsprung beim Einsatz von 3D-Druckern einbüßen. Bei der letzten Erhebung 2016 haben 24 Prozent aller weltweit befragten Unternehmen angegeben, 3D-Drucker im Unternehmen zu nutzen – Deutschland lag mit 37 Prozent deutlich über dem Durchschnitt.  

Inzwischen hat sich dieses Verhältnis gedreht: Weltweit setzen 65 Prozent aller Unternehmen 3D-Drucker ein, in Deutschland sind es leicht unterdurchschnittliche 63 Prozent. Weltweite Vorreiter sind nun asiatische Länder, allen voran Südkorea mit 81 Prozent und China mit 78 Prozent.

Für die auf Englisch erschienene Studie hat EY dieses Mal insgesamt 900 Unternehmen in ausgewählten Ländern befragt, davon 222 in Deutschland. Es gibt eine deutschsprachige Zusammenfassung.