Bauboom

Immerhin das deutsche Baugewerbe boomt. Leider geht der Trend in anderen Industriezweigen derzeit in eine andere Richtung. - (Bild: Pixabay/bridgesward)

Die schlechten Nachrichten für die deutsche Wirtschaft scheinen nicht abzureißen: Börsenschwergewichte wie BASF oder Lufthansa kappen ihre Gewinnprognosen, Tausende Stellen stehen bei Großkonzernen auf der Kippe, Wirtschaftsverbände blicken immer skeptischer in die Zukunft. "Das zweite Halbjahr hat begonnen, und von der allgemein erwarteten Belebung der Konjunktur in Deutschland ist nichts zu sehen", beschreibt Commerzbank-Konjunkturexperte Ralph Solveen die aktuelle Lage.

Die von US-Präsident Donald Trump angeheizten internationalen Handelskonflikte hinterlassen immer deutlichere Spuren. Das trifft die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Der vor allem für Autos oder Maschinen "made in Germany" wichtige chinesische Absatzmarkt schwächelt. Hinzu kommt der Strukturwandel in der Autoindustrie wegen der Elektromobilität. Maschinenbauer und Chemieindustrie beklagen, dass sich Kunden aus der Autobranche mit Bestellungen zurückhalten.

DIW: Bundesregierung sollte Investitionsprogramm beschließen

Marcel Fratzscher
Trotz Risiken sieht Marcel Fratzscher vom DIW keinen Grund zur Panikmache. Die Bundesregierung sollte jedoch auf die derzeitige Lage reagieren. - (Bild: DIW Berlin)

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht trotz der Risiken keinen Grund für Schwarzmalerei: "Wir sollten in Deutschland nicht in Panik über die sich abschwächende wirtschaftliche Entwicklung verfallen. Die Grundlage der deutschen Wirtschaft ist nach wie vor sehr solide."

Am Laufen gehalten wird die deutsche Wirtschaft momentan vor allem vom Bauboom und der Konsumfreude der Verbraucher. Die konjunkturelle Schwäche führe allerdings zur Verunsicherung bei den Menschen, "damit zu weniger Konsum und dadurch wiederum zu weniger Wachstum", erläutert Fratzscher. Die Bundesregierung sollte sich darauf vorbereiten und ein nachhaltiges Investitionsprogramm beschließen, um einen langfristigen Impuls zu setzen.

Nach Einschätzung des Ifo-Konjunkturchefs Timo Wollmershäuser gibt es bereits "erste Anzeichen, dass sich die Industrieschwäche auch auf andere Wirtschaftsbereiche überträgt". So habe sich die Stimmung bei den industrienahen Dienstleistern, etwa in der Logistik, deutlich eingetrübt.

Folgen für die Beschäftigten

Zwar sind die Auftragsbücher vieler Unternehmen noch gut gefüllt. Gehen jedoch keine neuen Bestellungen im nennenswerten Umfang ein, müssen Hersteller ihre Produktion drosseln. Das hat Folgen für die Beschäftigten.

Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts steigt die Zahl der Industrieunternehmen, die mit Kurzarbeit rechnen, oder sie bereits eingeführt haben. Derzeit fahren 3,8 Prozent der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe Kurzarbeit. 8,5 Prozent rechnen mit einer Einführung in den kommenden drei Monaten. Das ist der höchste Wert seit 2013. Kurzarbeit hilft, Fachkräfte in schwierigeren Zeiten zu halten und Entlassungen zu verhindern.

Stellenkürzungen für die nächsten Monate und Jahre haben bereits eine ganze Reihe prominenter Unternehmen angekündigt. So will der US-Autohersteller Ford 5400 Stellen in Deutschland streichen, ThyssenKrupp 4000, BASF 3000 und Siemens 1400. Bei der Deutschen Bank sollen weitweit rund 18 000 Vollzeitjobs verschwinden, in Deutschland dürfte sich der Abbau allerdings in Grenzen halten. Auch wenn die Pläne teilweise unternehmensspezifische Gründe haben, die Sorge wächst.

Ifo-Institut rechnet mit allmählicher Erholung zum Jahresende

"Wenn sich der Beschäftigungsaufbau weiter verlangsamt oder die Arbeitslosigkeit gar zunimmt, steigen die Einkommen der Haushalte nicht mehr so kräftig und sie halten sich bei den Konsumausgaben zurück", erläutert Wollmershäuser. Derzeit rechne das Ifo-Institut aber damit, dass sich die Industrie gegen Ende des Jahres allmählich wieder erhole.

Auch der Präsident der Bundesagentur für Arbeit (BA) Detlef Scheele, sieht eine grundlegend andere Situation als beispielsweise zu Zeiten der internationalen Finanzkrise vor zehn Jahren: "Wir gehen zurzeit davon aus, (...) dass sich diese konjunkturelle Eintrübung über drei, vier Quartale hinzieht und es dann wieder anzieht."

Hoffnung macht Wollmershäuser das kürzlich zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten geschlossene Freihandelsabkommen. "Es setzt ein wichtiges Zeichen gegen die Wirtschaftspolitiken, die über Abschottung, Sanktionen und Androhungen versuchen, die globalisierte Wirtschaftsordnung zu verändern." Zudem wirke die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stützend. "Das dürfte der Baukonjunktur weiter Schwung verleihen."

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