Jürgen Mews zog im Bericht des Betriebsrats eine ernüchternde Halbjahresbilanz für den Standort.

Jürgen Mews zog im Bericht des Betriebsrats eine ernüchternde Halbjahresbilanz für den Standort. - Bild: Audi

„Wir brauchen einen Akutplan zur Verbesserung der Auslastung und einen mittelfristigen Fahrplan für die Zukunft“, betonte Jürgen Mews in der vollbesetzten Versammlungshalle. Die Auslastung im Werk Neckarsulm stagniere das dritte Jahr in Folge bei etwas mehr als 60 Prozent. Trotz neuer Modelle in den Kernbaureihen A6, A7 und A8. „Entgegen der Zusicherung des Audi-Vorstands hat sich binnen eines Jahres keine Verbesserung der Situation abgezeichnet“, erklärte Mews. 

Vielmehr habe die Unternehmensleitung ihre gemachte Zusage über zwei volumenstarke E-Modelle in Neckarsulm im Rahmen der Werkbelegungen noch einmal in Frage gestellt. Zudem fehlten Nachfolgeprodukte für die aktuellen Modelle und Zukunftsprojekte für die Technische Entwicklung. „Das ist keine Basis, um in konstruktive Verhandlungen über die Zukunft des Unternehmens zu treten“, betonte Mews. „Der Vorstand muss seine Zusagen einhalten und endlich einen klaren Weg für die deutschen Standorte aufzeigen.“

Die vage Perspektive verunsichere die Belegschaft zunehmend. Klarheit bestehe derzeit nur darin, dass Neckarsulm weder am SUV-Absatzboom noch an der Elektrostrategie gebührenden Anteil habe. „Deshalb gilt: Solange wir nicht erkennen können, wie Neckarsulm bis ins Jahr 2030 gut aufgestellt werden soll, wird es mit uns keine Verhandlungen über Audi.Zukunft und geplante Sparmaßnahmen geben“, verdeutlichte Mews die Position des Betriebsrats.

Osterloh stärkt Neckarsulmer-Werkern den Rücken

Im Talk verwies der Konzernbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh seinerseits auf das Erfolgsrezept für die jüngst abgeschlossene Roadmap Digitale Transformation bei Volkswagen. Dazu gehörten eine langfristige Beschäftigungssicherung bis 2029, sozialverträgliche Altersteilzeitangebote, hochwertige Qualifizierungsprogramme und Zukunftsarbeitsplätze für die Transformation, nachhaltige Ausbildungs-konzepte und nicht zuletzt eine verlässliche Planung für die Auslastung. „Denn nur, wenn die Auslastung stimmt, holen wir auch die Produktivitätsziele. Mit diesen Inhalten setzen wir die Transformation so konsequent fort wie kein anderer Wettbewerber. Und ich bin mir sicher: Auch die Mannschaft bei Audi zieht mit, wenn die Bedingungen stimmen“, so Osterloh.

Die aktuelle vom Vorstand verschuldete Situation der Ungewissheit habe die Belegschaft nicht verdient. „Neckarsulm ist ein starker und traditionsreicher Standort und die Kolleginnen und Kollegen hier sind top ausgebildet und motiviert. Wir als Konzernfamilie bei Volkswagen lassen unsere Standorte nicht auseinanderdividieren. Deswegen sage ich ganz klar: Der Vorstand muss hier endlich mal seine Karten auf den Tisch legen“, sagt Osterloh.

Schot präsentiert neue Strategie

Vorstandsvorsitzender Bram Schot präsentierte den Mitarbeitern „Konsequent Audi“, die neue Strategie, die er Ende Mai auf der Hauptversammlung in Neckarsulm den Aktionären vorgestellt hatte: „Die Autobranche steht an einem Wendepunkt. Die Weichen für die Zukunft werden in den nächsten Monaten gestellt. Unsere Strategie sichert eure Zukunft.“ 

Um die neue Strategie umzusetzen, brauche es Investitionen, so Audi-Finanzvorstand Alexander Seitz – 40 Milliarden Euro bis 2023, davon 15 Milliarden Euro in Innovationsfelder. Mit dem Audi Transformationsplan spiele man jetzt schon Geld für Zukunftsthemen frei.

Seitz sprach während der Betriebsversammlung Klartext: „Unsere aktuelle Kapazitätsplanung ist nicht wirtschaftlich. Audi braucht einen Befreiungsschlag.“ Gemeinsam mit dem Betriebsrat werde man deshalb über die beste Lösung für den Standort Neckarsulm sprechen und verhandeln. „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, Neckarsulm wettbewerbsfähig aufzustellen, den Standort zu stärken und ihn wetterfest zu machen.“ 

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