Auf einem Parkplatz stehen reihenweise Autos nebeneinander. Im Hintergrund geht die Sonne unter.

Viele Händler haben aufgrund des Shutdowns einen hohen Lagerbestand. Bild: Adobe Stock/Emelianov Evgenii

| von Anja Ringel

In kleinen Schritten kehrt in Deutschland wieder Normalität zurück. Immer mehr Geschäfte dürfen demnächst wieder öffnen – darunter auch die Kfz-Händler. Gleichzeitig fahren viele Autobauer ihre Produktion wieder hoch, unter anderem Volkswagen und Audi. Autoexperte Stefan Bratzel hat nun auf einer Pressekonferenz erklärt, warum diese Schritte für die Branche so wichtig sind.  Bratzel ist Direktor des Center of Automotive Management (CAM).

In Deutschland sind die Autoverkäufe von Januar bis März um 20 Prozent zurückgegangen. Im April rechnet Bratzel mit einem Rückgang von 60 bis 80 Prozent. Das Problem: Die Monate März bis Juni sind normalerweise die besten Monate für den Automobilverkauf. „Jetzt sieht es so aus, als ob diese Monate besonders belastet sind“, sagte der Autoexperte.

Um seine errechnete Prognose von 2,9 Millionen verkauften Neuwagen in diesem Jahr zu erreichen, müssten ab Mai jeden Monat 260.000 bis 270.000 Autos verkauft werden, so der Leiter des CAM. Das wäre dann immer noch ein Minus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Coronakrise: Warum die Nachfrage sinken wird

Fahrzeugverkäufe sind für die Autobauer wichtig, sagte Bratzel. Der Grund: Durch den Shutdown ist der Lagerbestand bei den Händlern hoch. Dieser muss abgebaut werden, damit die neu produzierten Autos abgenommen werden können. Bratzel rechnet deshalb mit einer Rezession. Kurzarbeit und steigende Arbeitslosigkeit werden den Kauf von teuren Gütern wie Autos zudem nicht befeuern, so der Experte. Er geht deshalb in den nächsten Wochen von einer deutlichen Kaufzurückhaltung aus.

Auf der anderen Seite werden die Händler Bratzel zufolge einen hohen Verkaufsdruck durch die Autobauer haben. Denn diese wollen Abnehmer für ihre neuen Autos. „Kurzfristig wird es deshalb Rabattaktionen geben“, erklärte er.

Langfristig rechnet der Autoexperte mit einer steigenden Insolvenzrate und mehr Übernahmen. Große Automobilhändler werden seiner Meinung nach von der Krise profitieren.

Lieferanten: Vor allem mittelständische Unternehmen sind betroffen

Zusätzlich wird es auch auf der Angebotsseite zu Problemen kommen: Das Hochfahren der Produktion werde nicht einfach, sagte Bratzel. Dazu zählt auch das Hochfahren der gesamten Lieferkette inklusive aller Lieferanten. Denn die Zahl der Lieferanten, die kurz vor einer Insolvenz stehen, steigt. Davon betroffen sind vor allem kleine und mittelständische Unternehmen.

Zudem werden die neuen Abstandsregeln zu einem verlangsamten Ablauf und dadurch zu höheren Kosten führen, ist sich Bratzel sicher.

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Möglichkeiten für die Zeit nach Corona

Der Direktor des CAM sieht in der Coronakrise aber auch positive Aspekte. Zum Beispiel werde es Neustrukturierungen im Vertrieb geben und die Digitalisierung werde immer wichtiger. Auch Mobilitätsdienstleistungen wie Auto-Abos mit kurzfristigen Kündigungsfristen werden verstärkt in den Vordergrund rücken. Bratzel forderte zudem stärkere Kaufanreize für Elektroautos und eventuell eine Aufstockung der Umweltprämie. Denn: „Es darf nun nicht passieren, dass die Coronakrise und die Klimakrise gegeneinander ausgespielt werden.“ Die Krise sollte auch als Chance genutzt werden, so Bratzel.

Die Wiederbelebung der Autobranche spielt auch eine große Rolle im 10-Punkte-Plan des Wirtschaftsunternehmens Prognos. Die Experten beschreiben darin Schritte, um aus dem Lockdown hervorzugehen. Zwei Punkte dabei: Die Öffnung von Produktion oder Nachfrage in Bereichen, in denen nicht viele Menschen aufeinandertreffen – zum Beispiel große Flächen von Autohändler.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist für die Experten die Wiederbelebung wichtiger Knotenpunkte in der Wirtschaft. Dazu zählen sie auch Industriebranchen in der Mitte der Wertschöpfungskette, wie die Automobilindustrie.