| von Karoline Kopp
Tesla Model S
Das Tesla Model S von innen: Über ein riesiges Touch-Display kann der Fahrer die Fahrzeugfunktionen steuern. - Bild: Steve Jurvetson

Zum dritten schließlich ändert sich rund um den Globus langsam aber beständig die Einstellung von immer mehr Menschen zum Individualverkehr: Nicht mehr der Besitz eines eigenen Autos ist erstrebenswert, vielmehr wird die eigene Mobilität durch verschiedene Komponenten sichergestellt, etwa Car-Sharing.

"Die Digitalisierung wird die traditionelle Wertschöpfungskette in der Automobilindustrie ebenso tiefgreifend verändern wie die interne Organisation der Unternehmen und die Qualifikation der Mitarbeiter", sagt Juergen Reiner, Partner und Automobilexperte bei Oliver Wyman.

Waren es bis vor kurzem nur zwei Akteure – die Hersteller und die Zulieferer –, die an der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie teilhatten, wird es künftig fünf Unternehmenstypen mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen geben. Sie reichen von Anbietern für Connected-Life-Lösungen, die über die größte Nähe zum Endverbraucher verfügen, bis hin zu reinen B2B-Zulieferern.

Wenn die etablierten Hersteller in dieser veränderten Industrie-Struktur auch in Zukunft ihre Führungsposition behaupten wollen, müssen sie, so die Oliver Wyman-Experten, sich digitalisieren, Partnerschaften mit digitalen Unternehmen eingehen, agiler werden und ihre Kunden besser verstehen.

Der Weg dorthin indes wird holprig sein. Denn es prallen zwei Welten aufeinander: Digitale Unternehmen denken groß, starten aber klein. Sie testen sehr schnell Prototypen, lernen zügig und adaptieren entsprechend ihre Lösungen, um so schnell wie möglich eine so große Reichweite wie möglich zu generieren.

Echte Probleme des Alltags lösen

Bisher standen die Automobilhersteller für das genaue Gegenteil. Der Lebenszyklus eines Modells beträgt im Schnitt rund sieben Jahre. "Die traditionellen Autobauer werden sich grundlegend wandeln müssen, um in der neuen Welt erfolgreich zu sein“, sagt Reiner. "Statt nur Autos zu verkaufen, müssen sie echte Probleme des Alltags lösen". Dazu zählt etwa, dass Menschen schneller ans Ziel kommen, problemlos einen Parkplatz finden und umweltfreundlicher reisen.

"Bis heute fehlt es traditionellen Automobilherstellern an digitaler Expertise, um den neuen, dynamischen Herausforderern Paroli bieten zu können", sagt Bentenrieder.

"Viele haben noch nicht entschieden, wie ihr Unternehmen in der digitalen Zukunft positioniert sein soll. Es ist allerdings höchste Zeit, dass sie die Weichen für eine klare Positionierung stellen – angesichts der neuen Akteure, die mit großen Ambitionen, herausragenden digitalen Fähigkeiten und beachtlicher finanzieller Stärke sich anschicken, den weltweiten Automobilmarkt zu erobern."

Die leistungsstärksten Automobilkonzerne der Welt

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