BDI, China, offene Märkte, USA, Trump, Digitalisierung

Der APEC-Gipfel Mitte November in Lima sei laut BDI ein erstes Signal gewesen, dass sich die Pazifik-Anrainer mit Ausnahme der USA im Handel mit China zusammenschließen wollen. - Bild: Fotolia

| von Gunnar Knüpffer

Nach Einschätzung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) wird die neue Ausrichtung der US-Handelspolitik dazu führen, dass sich der Schwerpunkt der Weltwirtschaft noch schneller nach Asien verlagert. Der APEC-Gipfel Mitte November in Lima sei ein erstes Signal gewesen, dass sich die Pazifik-Anrainer mit Ausnahme der USA im Handel mit China zusammenschließen wollen. „Auch wir Europäer sollten weiter darauf drängen, dass Märkte in Asien, insbesondere der chinesische, für unsere Firmen und Produkte weiter geöffnet sind“, teilte der BDI auf eine Anfrage der Fachzeitung Produktion mit.

„Es ist besorgniserregend, dass sich Donald Trump in seinen Ankündigungen bisher stark auf Protektionismus und den heimischen Markt konzentriert hat,“ warnte der BDI. Damit ignoriere er die Realität der globalen Wirtschaft im 21. Jahrhundert: Wertschöpfungsketten seien lang und international. Ohne freien Handel seien Wohlstand und Innovation in Gefahr, denn deutsche wie US-amerikanische Hersteller beziehen ihre Zwischenprodukte aus der ganzen Welt.

Der Industrieverband weist auf mögliche Probleme für heimische Unternehmen hin: „Wenn der Zugang zum großen US-Markt schwieriger wird, könnte das deutschen Unternehmen schaden – abhängig davon, welche Art von Handelsschranken die USA hochziehen.“ Auf der anderen Seite könnten die deutschen Unternehmen aber auch von den umfassenden Investitionen in die Infrastruktur, die Trump angekündigt hat, profitieren.

2017 wird es nach Einschätzung des BDI aufgrund von Arbeitstageffekten eine niedrigere Wachstumsrate als 2016 geben, als das Bruttoinlandsprodukt um 1,8 % gegenüber dem Vorjahreswert wuchs. Rechne man die Arbeitstageffekte heraus, dürfte das Wachstumstempo von 2016 gehalten werden.

Robuste Konsumausgaben und weiterhin kräftig expandierende Bauinvestitionen sollen dazu beitragen, dass der moderate Wachstumskurs 2017 fortgesetzt werde. Bei den Ausrüstungsinvestitionen rechnen die Berliner aufgrund einer hohen Kapazitätsauslastung und einer leichten weltwirtschaftlichen Erholung mit einem kleinen Wachstumsschub. In der Summe soll Deutschlands Wirtschaftsleistung deshalb leicht über ihrem Potenzial expandieren.

Beim Thema Digitalisierung habe die deutsche Industrie laut Verband eine gute Ausgangsposition: Das Know-how, das die hiesigen Unternehmen aufgebaut haben, könne man nicht mal so eben aufholen. Das gelte vor allem für den B-to-B-Bereich.

„Hier besetzen nicht Google oder Apple die Schnittstelle zum Kunden, sondern Siemens, Festo oder Trumpf“, äußerte der BDI gegenüber Produktion. Sie würden die Anforderungen und Wünsche der Anwender sehr genau kennen und auch Zugang zu relevanten Daten haben. Wichtig sei es, diese Daten intelligent zu nutzen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Noch mehr digitale Strategien werden nach Ansicht des Bundesverbands benötigt, gerade in den mittelständischen Unternehmen. Auch die Politik müsse mehr Tempo machen, zum Beispiel beim Breitbandausbau. Während in Deutschland monatelang über das Für und Wider von Vectoring debattiert werde, würden Länder wie Südkorea in Windeseile die Voraussetzungen für 5G, das Netz der Zukunft, schaffen.

Der BDI fordert: „Wir brauchen mehr Ergebnisse und neue ehrgeizige Ziele, die weit über die bislang angestrebten 50 Mbit/s hinausgehen. Der deutsche Industriestandort und unsere Gesellschaft drohen sonst den Anschluss gegenüber anderen Nationen zu verlieren.“

Die Industrie-Trends 2017

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