London, Großbritannien, Brexit, Automobilindustrie, Technologie, Bain & Company, Produktion, Zölle

Bei einem Komplettausstieg aus der EU drohen britischen Unternehmen einer Studie von Bain zu Folge schwierige Zeiten. - Bild: Fotolia, conorcrowe

| von Gunnar Knüpffer
Aktualisiert am: 31. Mär. 2017

Der britischen Industrie droht im Fall eines harten Brexit ein Gewinneinbruch von bis zu 30 Prozent. Dieses Szenario bezieht sich auf den Fall, dass Großbritannien sich vollständig aus dem gemeinsamen EU-Binnenmarkt verabschiedet. Dies ist ein Ergebnis einer Studie der Managementberatung Bain & Company, die Produktion vorliegt.

Bei einem Komplettausstieg würden auf EU-Importe und -Exporte Zölle im Rahmen des WTO-Standards je nach Warengruppe von zwei bis 13 Prozent anfallen. Dem Bain-Szenario zufolge würden die Arbeitskosten um rund 10 Prozent steigen und das britische Pfund 20 Prozent an Wert verlieren. Dadurch würden die Nettogewinne der fünf größten britischen Branchen um insgesamt drei Milliarden Pfund zurückgehen. Besonders betroffen wären die Automobilindustrie sowie Technologieunternehmen.

Die Studie kommt jedoch auch zu dem Ergebnis, dass es bei den exportorientierten Pharma- und Flugzeugherstellern zu einer Reduzierung ihrer Supply-Chain-Kosten kommen könnte.

Ein harter Brexit könnte jedoch selbst für Unternehmen innerhalb einer Branche unterschiedliche Auswirkungen haben. So führt Bain als Beispiel zwei britische Zuckerproduzenten an. Der eine könnte seine Kostenposition verbessern, weil für seine Zuckerrohrimporte aus Brasilien die hohen EU-Einfuhrzölle wegfallen. Der andere importiert Zuckerrüben aus der EU und muss künftig Zölle fürchten.

"Abzuwarten, bis sich ein klares Zukunftsbild abzeichnet, ist die riskanteste Option", sagt der Bain-Partner und Autor der Studie, Thomas Kwasniok. Wertvolle Zeit verstreiche, in der sich Wettbewerber Vorteile verschaffen könnten. Umsichtige Unternehmenslenker kalkulierten solche Unwägbarkeiten im Rahmen ihrer Strategie ein und bereiteten sich auf unterschiedliche Szenarien vor.

"Zum einen muss genau analysiert werden, wie sich die möglichen Brexit-Szenarien auf die eigene Lieferfkette auswirken", rät Kwasniok. Zum anderen sollte man Handlungsoptionen entwickeln, um sich bietende Vorteile maximal zu nutzen.

Dabei machten "No Regret"-Maßnahmen wie Kostensenkungsprogramme oder Produktivitätssteigerungen in jedem Szenario Sinn, meint der Berater. Dagegen erforderten "Big Bets" wie Produktionsverlagerungen oder Lieferantenwechsel häufig hohe Investitionen und lohnten sich nicht in jedem Fall. "Deshalb ist es ratsam, einen Lieferanten erst dann zu wechseln, wenn sich ein Scheitern der Verhandlungen mit der EU abzeichnet", sagt Kwasniok. Solange Unsicherheit bestehe, böten beispielsweise langfristige Lieferverträge oder die Qualifizierung alternativer Lieferanten, die bei Bedarf schnell größere Teile des Einkaufsvolumens bedienen können, kostengünstigeren Schutz vor Risiken.

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