| von Claus Wilk

Der neue VDMA-Präsident Carl Martin Welcker nimmt im Gespräch mit dem Chefredakteur der Fachzeitung Produktion, Claus Wilk, Stellung zu acht Themen, die ihn umtreiben, bewegen und die ihm wichtig sind.

Politik - Demokratie von unschätzbarem Wert

"Der Wert einer demokratisch legitimierten Politik ist unschätzbar hoch. Daher ist es im Interesse von allen gesellschaftlichen Akteuren, dass Politik diskurs-, entscheidungs- und umsetzungsstark ist. Wichtig für uns Mittelständler ist, dass Bürokratie und Regularien uns nicht noch mehr Zusatzarbeit machen werden.

Denn jeder Mitarbeiter, der sich um eine neue Vorschrift kümmern muss, kann nicht an anderer Stelle für unternehmerische Aktivitäten eingesetzt werden, die den Erfolg des Unternehmens sicherstellen. Leider wird von der Politik immer mehr in den Markt eingegriffen, viel häufiger als früher."

Maschinenbau - die Möglichmacher-Industrie

"Der Maschinenbau in Deutschland ist bärenstark. Wir sind größter industrieller Arbeitgeber und Rückgrat der deutschen Industrie. Der Maschinenbau ist stark mittelständisch geprägt, am Standort Deutschland verwurzelt und mit seinen Produkten in der Welt zu Hause.

Unsere Industrie steht im Zentrum der Entwicklung, wenn es um die Technologien der Zukunft geht und wir ermöglichen den Anwendern, neue Technologien in ihre Produktion zu integrieren. Kurzum: Der Maschinen- und Anlagenbau ist die Möglichmacher-Industrie schlechthin."

Mittelständischer Familienunternehmer

"Ich bin gerne mittelständischer Familienunternehmer. Die Aufgabe eines Unternehmers ist die Führung, Entwicklung und Stärkung seines Unternehmens. Als Unternehmer habe ich die Möglichkeit etwas zu gestalten. In meinem Fall heißt das: Wir fertigen bei Schütte Schleifmaschinen und Mehrspindeldrehautomaten, die zu den besten der Welt zählen."

Familie als Fundament

"Meine Familie ist mein Fundament. Meine Frau ist Amerikanerin, aber wir leben in Köln und hier sind auch meine beiden Kinder groß geworden. Ob sie einmal ins Unternehmen einsteigen wollen, das überlasse ich ihnen. Aber auch meine beiden Schwestern haben Kinder und ich hoffe doch, dass die Familie das Unternehmen auch nach mir weiterführen wird."

TTIP - Freihandelsabkommen unverzichtbar für Maschinenbau

"Die zunehmende Abschottung von Märkten wird uns leider immer mehr beschäftigen. Freihandelsabkommen sind gerade für uns Maschinenbauer jedoch unverzichtbar. Die USA sind für den Maschinenbau der wichtigste Auslandsmarkt und wir sollten weiter am Erfolg von TTIP arbeiten – auch wenn wir dafür einige Kompromisse eingehen müssen. Ceta kann ein gutes Vorbild für die Ausgestaltung sein. Ich glaube nicht, dass TTIP bereits 'tot' ist – ganz im Gegenteil."

Europa - Gemeinsamkeiten stärken

"Als Europäer sind wir privilegiert. Denn Europa bedeutet ein faszinierendes Zusammenkommen von Menschen mit verschiedenen Kulturen in Ländern mit wunderbaren Landschaften. Europa steht zudem für eine grundsätzliche Wertegemeinschaft, hier wurde viel erreicht.

Europa steht jedoch auch vor der Herausforderung, sich selbst durch Regularien und zunehmende Partikularinteresse der Mitgliedsstaaten nicht zu blockieren. Insgesamt sollten wir in Europa die Gemeinsamkeiten stärken und uns nicht von Populisten auseinanderdividieren lassen."

Industrie 4.0 - arbeitsintensiv und spannend

"Die Digitalisierung hat unser Leben in vielen Bereichen bereits nachhaltig verändert und dieser Wandel setzt sich fort. Mit Blick auf die Produktion gilt das ebenso. Industrie 4.0 ist ein schrittweiser Prozess, der Gestaltung verlangt und der sehr individuell verläuft. Es gibt nicht die eine Blaupause. Das macht Industrie 4.0 zu einem arbeitsintensiven und zugleich sehr spannenden Thema.

Der Maschinen- und Anlagenbau hat dabei eine besondere Rolle: er ist Anbieter und Anwender von 4.0-Technlogien und er sitzt an der Quelle der Produktionsdaten. Damit steht der Maschinenbau im Zentrum der
Industrie 4.0-Entwicklung."

Hobbys - Kraftquelle Natur, Inspirationsquelle Kunst

"Ich bin gerne in der Natur und kann mich für zahlreiche Wassersportarten begeistern. Mich interessiert Geschichte im Allgemeinen, sowie gutes Handwerk und Kunst. Meine Lieblingskünstler kommen aus der Künstlergruppe „Blauer Reiter“. Die Werke sind aber heutzutage meist unbezahlbar und so finde ich exzellente zeitgenössische Künstler an Kunsthochschulen, in Galerien oder bei Kunstmessen. Kunstwerke müssen mich ansprechen, sie müssen handwerklich gut gemacht sein oder eine gesellschaftspolitische Aussage machen. Abstrakte moderne Kunst gefällt mir nur selten."

Vita Carl Martin Welcker

  • Geboren am 5. August 1960 in Köln
  • Ausbildung zum Maschinenschlosser, Studium Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Berlin.
  • Berufliche Stationen im Maschinenbau, in Deutschland und den USA
  • Seit Ende 2010 Vizepräsident des VDMA
  • Von 2004 bis 2010 Vorstandsvorsitzender des Fachbereichs Werkzeugmaschinen und Fertigungssysteme im VDMA
  • Geschäftsführender Gesellschafter der Alfred H. Schütte GmbH & Co. KG seit 1993 in vierter Generation