Ein Schiff wird in einer Werft fertiggestellt

Den deutschen Werften ging es bis zur Corona-Krise sehr gut - jetzt sind die Auftragsbücher leer. - Bild: Adobe Stock/ Günni80

Die Corona-Krise hat bei den Werften weltweit und auch in Deutschland zu einem drastischen Rückgang der Produktion geführt. Nach Angaben des Branchendienstes Clarkson wurden im ersten Halbjahr weltweit 22 Prozent weniger Schiffe abgeliefert, in Deutschland sogar 28 Prozent, teilte der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) in Hamburg mit. Darin spiegele sich wider, dass viele Werften zeitweise stillstanden und die Produktion heruntergefahren wurde. Die Arbeitszeiten der Belegschaften wurden stark reduziert, Werksferien ausgedehnt und Überstunden abgebaut.

Die Corona-Krise überraschte die deutschen Werften, als die Auftragsbücher so gut gefüllt waren wie noch nie. "Bislang wurden noch keine Aufträge storniert", sagte VSM-Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken der Deutschen Presse-Agentur. Das sei sowohl für die Auftraggeber als auch für die Werften teuer und unbeliebt. Beide Seiten versuchten jedoch, die vorhandenen Aufträge zu strecken und geplante Ablieferungen zu verschieben. Da sich damit auch Zahlungen verzögern, kommen auf die Betriebe zusätzliche Finanzprobleme zu.

Wie sieht die Zukunft aus?

"Wirklich dramatisch ist aber der Ausblick nach vorn", sagte Lüken. Seit dem Beginn der Corona-Krise wurden weltweit kaum noch Aufträge für neue Schiffe vergeben, weder für Fracht- noch für Passagierschiffe. "Die Reeder warten ab, wie sich die Lage beim Konsum, bei der Produktion und beim Frachtvolumen entwickeln und verschieben geplante Bestellungen erst einmal auf die Zukunft", sagte Lüken.

Die deutschen Werften, die vor allem Kreuzfahrtschiffe, Fähren, Luxusjachten und Spezialschiffe bauen, seien von dem Auftragsrückgang besonders stark betroffen. Die Auftragsflut der vergangenen Jahre, als sich die deutschen und europäischen Werften weit besser als der Weltmarkt entwickelten, ist zu einem Rinnsal geworden.

 

"Zu tun gäbe es aber genug", sagte der Hauptgeschäftsführer. In vielen Marktsegmenten seien notwendige Investitionen unterblieben und müssten neue Schiffe gebaut werden, die dann auch wirtschaftlicher und klimafreundlicher wären. Als Beispiele nannte Lüken die Flotte der griechischen Fährschiffe, die bei Sicherheitstests regelmäßig durchfalle und nur noch mit Ausnahmegenehmigungen unterwegs sein dürfe. Auch die meisten Binnenschiffe in Deutschland seien schon seit 60 Jahren in Fahrt.

Damit die Reedereien investieren könnten, müssten sie staatliche Unterstützung erhalten. "Es gibt Bedarf, aber keinen Markt", sagte Lüken. Die deutschen Werften hoffen auf die milliardenschweren europäischen und deutschen Corona-Programme, mit denen auch klimafreundliche Maßnahmen gefördert werden sollen. In der ersten Phase der Pandemie habe die deutsche Politik große Leistungen vollbracht. Der zweite Teil, die strukturelle Anpassung, werde noch schwieriger, sagte Lüken.

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