VDW Heinz-Jürgen Prokop

Setzt auf China als Wachstumsmotor, der den gesamten Asean-Raum und Taiwan mitzieht: Dr. Heinz-Jürgen Prokop, VDW-Vorsitzender. - Bild: Trumpf

| von Gabriel Pankow

Produktion: "Die Übernahme der US-Präsidentschaft durch Donald Trump steht kurz bevor. Mit welchen Konsequenzen rechnen Sie für Ihre Branche?"

Donald Trumps Wahlsieg hat auf der ganzen Welt Verunsicherung ausgelöst. Das gilt auch für die deutsche Wirtschaft und unsere Unternehmen. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass Trumps Machtantritt weltweit Wachstum kostet. Dies hat Einfluss auf Investitionen, Konsumverhalten und die Stimmungslage in den Märkten und somit auf den Welthandel. Hiervon bleibt die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie nicht unberührt. In diesem Kontext verfolge ich mit Sorge die protektionistischen Tendenzen in Trumps Wirtschaftspolitik. Dieser Trend ist jedoch nicht nur in den USA spürbar, sondern zeigt sich mittlerweile auf dem gesamten Weltmarkt. In bin jedoch davon überzeugt, dass auf lange Sicht gesehen die Amerikaner – allen voran Donald Trump selbst – sich auf die Vorzüge des Freihandels rückbesinnen werden. Allen negativen Unkrufen zum Trotz, kann die Präsidentschaft Trumps positive Effekte mit sich bringen. So bleibt beispielsweise abzuwarten, welchen Auftragsboom das durch Trump angekündigte Investitionsprogramm in Höhe von einer Billion Dollar auch für unsere Unternehmen auslösen kann.

Produktion: "Welche Märkte stehen für Ihre Branche 2017 im Fokus?"

Der internationale Weltwerkzeugmaschinenverbrauch soll weiter wachsen. Unser Prognosepartner Oxford Economics erwartet für das kommende Jahr ein Wachstum von über 4 Prozent. Insbesondere die südeuropäischen Länder haben nach der Finanz- und Wirtschaftskrise Nachholbedarf, den es auf breiter Basis von unseren Unternehmen zu bedienen gilt. Die Verbrauchsentwicklung in Asien und Amerika soll sich 2017 nach einem Rückgang im laufenden Jahr erholen. Insbesondere China steht somit im kommenden Jahr für uns maßgeblich im Fokus. Das Land stabilisiert sich wirtschaftlich weiter und zieht damit den gesamten Asean-Raum und Taiwan mit. Wir gehen davon aus, dass die deutschen Hersteller von dieser Gesamtentwicklung klar profitieren können.

Produktion: "Wie gut ist Ihre Branche in Sachen Digitalisierung unterwegs? Sind Ihre Produkte und Prozesse zukunftsfähig?"

Viele unserer Unternehmen haben beim Thema Industrie 4.0 und der Digitalisierung der Produktion gute Vorarbeit geleistet. Die bisher erreichten Leistungen können sich sehen lassen. Was wir nun brauchen sind Standards und weitere Lösungen, die uns helfen, unsere Maschinen noch besser zu verstehen. Zumindest die größeren Anbieter sind bereits Industrie-4.0-ready. Nun gilt es, die noch fehlenden Mosaikstücke zusammenzuführen und dabei auch die Steuerung der Produktionsprozesse genauer unter die Lupe zu nehmen. Bisher haben wir dies ausschließlich IT-Anbietern überlassen. Das muss sich ändern. Für unsere Unternehmen sollte es ein Primärziel sein, vor allem im Bereich der IT eigene Expertise aufzubauen, um so auch weiterhin im globalen Markt zukunftsfähig zu bleiben und unsere Vorreiterrolle kontinuierlich auszubauen. Überdies findet 2017 die EMO Hannover als weltweit bedeutendstes Innovationsschaufenster für die Produktionstechnik im eigenen Land statt. Wir als die EMO-Macher gehen davon aus, dass die Messe auch in dieser Hinsicht wichtige Impulse für die Realisierung des vielbesprochenen Konzepts Industrie 4.0 geben wird.

Die Industrie-Trends 2017