Die Skyline von Jakarta, Hauptstadt Indonesiens, bei Nacht.

Indonesien ist das diesjährige Gastland der Hannover Messe. Auf dem Bild ist die Hauptstadt Jakarta zu sehen. - Bild: Pixabay

| von Anja Ringel

Jedes Jahr stellt sich auf der Hannover Messe ein Gastland vor und steht damit besonders im Mittelpunkt. Nach Polen, Mexiko und Schweden heißt das diesjährige Gastland Indonesien.

Allgemeine Informationen: So viele Einwohner hat Indonesien

Die Republik Indonesien ist mit rund 17.500 Inseln auf einer Fläche von 1,9 Millionen Quadratkilometern der größte Inselstaat der Welt. Zu den bekanntesten zählen Java und Sumatra. 2019 lebten knapp 271 Millionen Menschen in Indonesien. Tendenz steigend. Die Germany-Trade-and-Invest-Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing (GTAI) geht davon aus, dass die Einwohnerzahl bis 2024 auf knapp 285 Millionen und 2029 auf rund 297 Millionen Menschen steigen wird. Die Bevölkerung Indonesiens ist relativ jung: 43 Prozent der Einwohner ist unter 24 Jahren alt.

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Die Hauptstadt ist Jakarta. In der Metropolregion leben rund 30 Millionen Menschen.

Indonesien ist Gründungsmitglied des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN). Die Republik ist außerdem Teil der Vereinten Nationen und gehört dem Internationalen Währungsfonds und G20-Staaten an. Deutschland hat 1952 diplomatische Beziehungen zu dem Land aufgenommen.

Das ist die wirtschaftliche Situation des Landes

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Indonesiens betrug 2018 laut GTAI 1.022 Milliarden US-Dollar. 2019 waren es 1.112 Milliarden US-Dollar. Für 2020 geht die Gesellschaft von 1.205 Milliarden US-Dollar aus. Die Arbeitslosenquote beträgt rund fünf Prozent. Das Land verfügt über folgende mineralische Rohstoffe in nennenswerter Größe: Silber, Gold, Kohle, Kupfer, Bauxit, Nickel, Erdgas, Zinn, Erdöl.

Die wichtigsten Wirtschaftssektoren sind nach Einschätzung der Informationsplattform Asia Funds Manager Dienstleistungen, Landwirtschaft und Industrie. 2018 haben rund 1,3 Millionen Menschen in Indonesien einen Hochschulabschluss gemacht – davon knapp acht Prozent im Bereich Ingenieurwissenschaften.

Der Inselstaat hat im vergangenen Jahr 9,5 Prozent weniger Waren importiert als im Vorjahr. Das ist das zweite Außenhandelsdefizit in Folge. Die Einfuhren betrugen 170,7 Milliarden US-Dollar. 2018 waren es noch 188,7 Milliarden. Das berichtet GTAI mit Vereis auf das Handelsministerium.

Die Republik hat ambitionierte Ziele: Sie möchte bereits ab 2020 die größte digitale Volkswirtschaft Süostasiens werden, schreibt die Hannover Messe in einer Pressemitteilung. Helfen soll dabei die Initiative „Making Indonesia 4.0“, die unter anderem die Modernisierung der indonesischen Industrie fördert. Themen sind dabei unter anderem künstliche Intelligenz, Robotik und 3D-Druck. 

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Indonesien

2017 flossen zwischen Deutschland und Indonesien Waren im Wert von mehr als sechs Milliarden US-Dollar. Die deutschen Einfuhren betrugen im ersten Halbjahr 2019 knapp zwei Milliarden Euro, bei den Ausfuhren waren es 1,3 Milliarden Euro.

Mehr als 250 deutsche Unternehmen machen Geschäfte mit der Republik. Dazu zählen laut Hannover Messe unter anderem Festo, Daimler, BMW und Siemens. Im Februar feierte Mercedes Benz Indonesien sein 50-jähriges Bestehen.

Die deutschen Einfuhrgüter aus Indonesien waren 2018 unter anderem Textilien/Bekleidung (17,5 Prozent), Schuhe (14,2 Prozent), Elektronik (10,9 Prozent) und Rohstoffe (außer Brennstoffe, 6,3 Prozent).

Nach Indonesien wurden von Deutschland aus mit 28,1 Prozent hauptsächlich Maschinen geliefert, gefolgt von chemischen Erzeugnissen (19,1 Prozent).

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Handel: Das sind die Probleme

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) kritisiert, dass der indonesische Markt wenig transparent sei. Investitionsvorhaben werden oft durch administrative oder sonstige Rahmenbedingungen – wie beispielsweise Mängel in der Infrastruktur – negativ beeinflusst, so der Verband.

Klaus Friedrich, Indonesien-Experte des VDMA, sagt, für Unternehmen sei es wichtig, lokale Vertreter zu haben, die mit den örtlichen Verhältnissen vertraut seien. Um eine strukturierte Markenbearbeitung zu gewährleisten, ist eine Betreuung vor Ort nötig, schreibt der VDMA weiter. Dies sei für Unternehmen, die kein Regionalbüro zum Beispiel in Singapur oder in Thailand haben, kaum zu realisieren.

 

Seit einigen Jahren gibt es zudem verstärkt Meldungen über Visa-Probleme. So haben Unternehmen dem VDMA berichtet, dass ihre Kunden teilweise Schwierigkeiten hatten, die entsprechenden Arbeitsgenehmigungen zu erhalten.

Das soll sich nun ändern. Im Februar hat das indonesische Parlament einen Gesetzentwurf vorgelegt, der einfachere Arbeitsgenehmigungen für Ausländer vorsieht. Das berichtet GTAI. Dadurch könnte Indonesien verstärkt von ausländischen Direktinvestitionen profitieren. Der Gesetzentwurf muss jedoch noch ratifiziert werden.

Der deutsche Maschinenbau in Indonesien

Obwohl Maschinen das Hauptexportgut sind, haben Maschinenbauer der Bundesrepublik vergleichsweise wenige lokale Niederlassungen in Indonesien, berichtet der VDMA. In der Exportstatistik des Maschinenbaus rangiere die Republik seit 2015 zwischen den Plätzen 40 und 43, so der VDMA. Das jährliche Exportvolumen für Maschinen und Anlagen aus Deutschland lag in dem Zeitraum zwischen 700 und 800 Millionen Euro.

Der VDMA hat jedoch festgestellt, dass die Anzahl von Niederlassungen oder Tochtergesellschaften deutscher Maschinen- und Anlagenbauer deutlich niedriger ist als in Thailand, Malaysia oder Vietnam. „Dies kann unmöglich wirtschaftliche Gründe haben, da die anderen Märkte kleiner sind als Indonesien“, sagt Indonesien-Experte Friedrich. „Entweder sind die Rahmenbedingungen für eigene Niederlassungen in Indonesien schwieriger, oder die Unternehmen wollen aus geschäftspolitischen Gründen kein eigenes direktes Engagement vor Ort eingehen“, erklärt er.

Experte Friedrich erklärt in einer Mitteilung, dass Indonesien deutlich mehr Maschinen und Anlagen importiere als andere Märkte der gleichen Größenordnung. Er schätzt, dass das dortige jährliche Volumen für deutsche Maschinenexporte zwischen 1 und 1,5 Milliarden Euro liegt.

Marktführer im indonesischen Maschinenmarkt ist laut VDMA China mit rund 32 Prozent gefolgt von Japan mit rund 19 Prozent. Deutschland ist mit rund sechs Prozent aller importierten Maschinen der größte europäische Maschinenlieferant. Wichtige Fachzweige sind dabei unter anderem Fördertechnik und Nahrungsmittel- sowie Verpackungsmaschinen.

H.E. Thomas Trikasih Lembong, Vorsitzender des BKPM (Indonesian Investment Coordinating Board) präsentiert das Logo Indonesiens für die Hannover Messe. Neben ihm steht Camilla Mellander, Leiterin der Behörde für Trade Promotion, Nation Branding and CSR des schwedischen Außenministeriums und zeigt das Logo Schwedens für die Hannover Messe.
Das Partnerland-Logo Indonesiens päsentierte H.E. Thomas Trikasih Lembong, Vorsitzender des BKPM (Indonesian Investment Coordinating Board) im April 2019. Mit dabei war auch eine Vertreterin des vorherigen Partnerlandes Schweden: Camilla Mellander, Leiterin der Behörde für Trade Promotion, Nation Branding and CSR des schwedischen Außenministeriums. - Bild: Deutsche Messe

Indonesien als Gastland bei der Hannover Messe

„Mit Indonesien und Deutschland kommen zwei bedeutende Länder aus zwei Schlüssel-Regionen dieser Welt zusammen: Europa und Südostasien“, sagt Arif Havas Oegroseno, Botschafter der Republik Indonesien in der Bundesrepublik Deutschland laut Hannover Messe.

Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Messe AG erklärte auf einer Pressekonferenz, dass indonesische Unternehmen auf der Hannover Messe Zugang zu mehr als 200.000 Fachbesuchern und rund 6.000 Ausstellern bekommen. Das sei eine große Chance, um Geschäftskontakte zu knüpfen und globale Netzwerke auszuweiten.

Die Hannover Messe findet vom 20. bis 24. April 2020 statt. Die Verantwortlichen wollen Mitte März noch einmal beraten, wie die Messe mit den Auswirkungen des Coronavirus umgeht. Welche Messen abgesagt wurden, lesen Sie hier.

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