Frau, die mit Laptop am Strand arbeitet

Viele Beschäftigte haben einen gesetzliches Recht auf Bildungsurlaub. Das kann zum Beispiel ein Sprachkurs sein. (Bild: Максим Ирха - stock.adobe.com)

Neues Jahr, neues Glück. Oder in der Arbeitswelt: Neue Urlaubsplanung. Haben Sie Ihre freien Tage schon eingetragen? Und kommt dabei Bildungsurlaub vor? Falls Sie nicht wissen, was das ist: Keine Sorge. „Bildungsurlaub ist ein absoluter Geheimtipp“, sagt Lara Körber, Co-Founderin und CEO von Bildungsurlauber.de. Sie erklärt: „In Deutschland haben 27 Millionen Arbeitnehmer:innen Anspruch auf Bildungsurlaub, aber nur rund zwei Prozent nutzen das Angebot.“ Auch Körber selbst hat noch keinen Bildungsurlaub genommen. „Ich habe zehn Jahre gearbeitet und von meinem Recht auf Weiterbildung nichts gewusst“, erzählt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Weil sie aber so viel Potenzial in dem Angebot sieht, hat sie das Start-up Bildungsurlauber.de gegründet. Es ist die erste bundesweite Buchungs- und Aufklärungsplattform für gesetzlichen Bildungsurlaub.

Doch wer hat Anspruch und was verbirgt sich überhaupt hinter dem Angebot? PRODUKTION beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist eigentlich Bildungsurlaub?

„Bildungsurlaub ist eine Chance zur Weiterbildung für mündige Arbeitnehmer:innen“, so Körber. Beschäftigte haben einen Anspruch auf fünf bis zehn Tage bezahlten Extraurlaub, den sie für zertifizierte Bildungsurlaube nutzen können. Konkret heißt das: Der Arbeitgeber gibt dem Beschäftigten frei, dieser muss die Fortbildung aber selbst bezahlen.

Es sei dabei nicht so, dass der Bildungsurlaub zwingend berufsnah sein muss, erklärt Körber. So können Mitarbeitende zum Beispiel auch einen Gesundheitskurs machen wie Yoga, einen Sprachkurs oder Seminare zu Themen wie Umweltschutz, Politik oder Burnout-Prävention besuchen.

Wichtig dabei: Da Bildungsurlaub gesetzlich verankert ist, müssen Arbeitgeber diesen genehmigen. Es gebe nur wenige Ausnahmen, sagt Körber. Zum Beispiel, wenn zum geplanten Zeitpunkt schon ein anderer Mitarbeitender Urlaub hat. Dann dürfe der Bildungsurlaub aber nicht verboten, sondern müsse verschoben werden.

Gibt es in allen Bundesländern Bildungsurlaub?

Nein, in Bayern und in Sachsen ist das Recht auf Bildungsurlaub nicht gesetzlich verankert.

Es gibt aber auch Ausnahmen: Bildungsurlauber.de hat eine Umfrage unter 14 Dax-Konzernen zum Thema Bildungsurlaub gemacht. Aus der Industrie waren unter anderem Continental, Siemens Energy und Volkswagen vertreten. Das Ergebnis: Die Hälfte der befragten Unternehmen genehmigt ihren Mitarbeitenden in Bayern und Sachsen ebenfalls Bildungsurlaub. „Immer mehr Unternehmen erkennen den Mehrwert von Bildungsurlaub – es lohnt sich also immer zu fragen“, rät Körber.

Von Conti bis VW: Weitere Fakten aus der Umfrage

  • 86 Prozent der Unternehmen klären ihre Mitarbeitenden nach eigener Aussage aktiv über ihr Recht auf Bildungsurlaub auf – zum Beispiel über das Intranet.
  • Bei Volkswagen haben 51 bis 60 Prozent der Belegschaft mindestens einmal Bildungsurlaub wahrgenommen.
  • Continental versteht Bildungsurlaub als Weiterbildungsmöglichkeit parallel zur firmeninternen Auswahl und erklärt gegenüber Bildungsurlauber.de: „Wir konzentrieren uns nicht nur auf ein Angebot, sondern bieten unseren Mitarbeitern viele Möglichkeiten und entsprechende Zeit an. Damit können sie die für sie passenden Optionen flexibel wählen.“

Für Unternehmen bedeutet Bildungsurlaub in erster Linie, dass die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter einige Tage nicht arbeiten wird. Warum profitieren Unternehmen trotzdem davon?

„Bildungsurlaub muss man als Investition in die eigenen Beschäftigten sehen“, sagt die Expertin. Natürlich sei der Mitarbeitende einige Tage nicht da, aber bei der Rückkehr ergeben sich für das Unternehmen dann viele Vorteile. Rückenschmerzen und psychische Erkrankungen wie Burnout waren 2020 beispielsweise für über 30 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage aller DAK-Versicherten verantwortlich, so Körber. Ein Anti-Burnout-Seminar während des Bildungsurlaubs könne da helfen, um langfristig gesund und motiviert in die Arbeit zu kommen und weniger Krankheitstage zu haben.

Ein weiterer Vorteil laut Körber: Die teilweise hohe Mitarbeiterfluktuation könne durch Bildungsurlaub durchbrochen werden. Denn Bildungsurlaub bedeute auch Wertschätzung für den Mitarbeitenden. Körber empfiehlt deshalb, das Angebot proaktiv als Teil der Firmenkultur zu kommunizieren.

Aber was ist, wenn alle Mitarbeitenden Bildungsurlaub nehmen wollen und gleichzeitig weg sind?

Diese Sorge müssen Chefs nicht haben. Es gebe eine gesetzliche Deckelung, wie viele Mitarbeitenden pro Jahr einen Bildungsurlaub nehmen dürfen, so Körber. Die Prozentzahl ist je nach Bundesland unterschiedlich.

Podcast: Andreas Langfeld (Stratasys) erklärt, wie man gute Mitarbeitende hält

Ich will einen Bildungsurlaub beantragen. Wie funktioniert das genau? Was muss ich beachten?

Zunächst muss man natürlich erst einmal recherchieren, ob man und für wie viele Tage man Anspruch auf Bildungsurlaub hat. Eine Anlaufstelle dafür ist Körbers Start-up Bildungsurlauber.de. Dort findet man auch unterschiedliche Kurse, die man als Bildungsurlaub im eigenen Bundesland beantragen kann.

Wenn man sich für ein Angebot entschieden hat, reicht man den Antrag auf Bildungsurlaub bei seinem Arbeitgeber ein. Dabei gelten je nach Bundesland unterschiedliche Fristen für die Beantragung. Je nach Bundesland kann das zwei Monate vorher sein. „Man sollte sich also frühzeitig damit auseinandersetzen, um alles in Ruhe organisieren zu können“, rät Körber.

Es sei außerdem immer gut, den anstehenden Bildungsurlaub und seinen Nutzen mit seinem Team zu besprechen. Dies sei wichtig, um in der Firmenkultur zu verinnerlichen, dass Weiterbildung Spaß machen darf und etwas ist, was man einander gönnt, so Körber.

Bildungsurlaub und Corona: Klappt das?

Außerhalb der Lockdowns sei Bildungsurlaub immer möglich gewesen, erklärt Körber. Viele Bundesländer hätten zudem auch Online-Bildungsurlaube möglich gemacht.

Ist Bildungsurlaub teuer?

Es kommt darauf an, was man sich aussucht. Es gebe zum Beispiel auch Bildungsurlaubsangebote in Volkshochschulen. Diese seien dann günstiger, sagt Körber. Es sei zum Beispiel auch möglich, nach dem Urlaub auf Fuerteventura noch eine Woche dranzuhängen und vor Ort einen Spanisch-Sprachkurs zu machen. Denn: „Weiterbildung darf Spaß machen und jedem Bildungsurlaub liegt ein didaktisches Konzept zugrunde, dass seinen beruflichen Mehrwert garantiert“, so Körber. Leistung würde noch viel zu oft über das Absitzen von Zeit bemessen, dabei vergessen wir das Aufrechterhalten der Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden.

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