Auf verschiedenen Containern sind die Länderflaggen abgebildet, darunter die von Taiwan. Auf einem anderen Container steht Covid-19.

Taiwan ist bisher gut durch die Coronakrise gekommen. - Bild: Adobe Stock/Lightboxx

| von Anja Ringel

„Während die Welt unvorbereitet war, hat Taiwan das Virus alleine bekämpft“ – ein Statement, dass zu Beginn eines Videos des Taiwan External Trade Development Councils (Taitra) aufploppt. Im Hintergrund sind Bilder von Ärzten in Schutzanzügen zu sehen, Reisende, die überprüft werden, Regierungskonferenzen und eine Maskenproduktion. Keine Frage: Taiwan ist stolz auf sein Krisenmanagement in der Coronakrise.

Von den 23 Millionen Einwohnern haben sich nicht einmal 500 mit Covid-19 infiziert, nur sieben sind an dem neuen Virus gestorben. Und das obwohl Taiwan ein Nachbarstaat zu China ist, nur rund 1.000 Kilometer von Wuhan entfernt liegt und tausende Taiwaner in der Volksrepublik arbeiten. ‚Die Zeit‘ nennt den Inselstaat einen „Leuchtturm“ in der Coronakrise. 

„Taiwan hat die Krise aus medizinischer Sicht hervorragend in den Griff bekommen“, sagt auch Alexander Hirschle, Direktor für Taiwan und den Philippinen beim Germany Trade and Invest (GTAI). Das Maßnahmenpaket sei immer wieder angepasst worden. Dazu zählen unter anderem Maske tragen und Quarantäne-Regeln.

Taiwan habe schon Ende 2019 Einlasskontrollen von Reisenden aus Wuhan veranlasst, erinnert sich Axel Limberg, Chief Representative und Executive Director des Deutschen Wirtschaftsbüro Taipei, die offizielle Repräsentanz deutscher Unternehmen auf dem Inselstaat, in einem gemeinsamen Webinar mit Hirschle. Später seien die Grenzen ganz geschlossen worden, auch jetzt sei Einreisen nur sehr schwierig.

Rekordarbeitslosigkeit wegen Corona-Pandemie

Aber: Das tägliche Leben sei nicht sichtbar eingeschränkt worden, sagt Limberg. Der Alltag sei größtenteils normal weitergelaufen, meint auch Hirschle. Dennoch seien die Shoppingcenter gähnend leer gewesen, erst seit Juni füllen sich die Geschäfte und Restaurants wieder.

Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Wirtschaft. Die Arbeitslosigkeit sei auf ein Rekordhoch von 4,6 Prozent gestiegen, berichtet Hirschle. Der private Konsum sei um rund ein Prozent gesunken.

Einen Lockdown und Werksschließungen gab es aber nicht – obwohl laut Hirschle die Befürchtung bestand, dass die Lieferketten beeinträchtigt werden. Immerhin kommen mehr als 40 Prozent der Vorprodukte für Elektronik aus China. Zu Beginn habe es auch einige Engpässe gegeben, zum Beispiel im Halbleiterbereich und bei Filtermaterialen, so Hirschle.

Taiwan ist krisenerprobt

Die taiwanischen Firmen reagierten jedoch schnell und haben die eigene Produktion hochgefahren, um die Engpässe zu kompensieren. Denn es war nicht die erste Krise, die sie bewältigen mussten. 2003/2004 musste das Land die Sars-Krise bewältigen. Seitdem hat sich Taiwan auf künftige Ausnahmesituationen vorbereitet und unter anderem Katastrophenpläne erstellt. Als im Februar dann die Maskenversorgung eng wurde, unterstützte die Regierung laut ‚Zeit‘ Unternehmen finanziell, die ihre Produktionslinien umstellten.

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Eine weitere Maßnahme: Taiwan hat frühzeitig Hightech-Kapitalgüter aus Europa vorbestellt, um zu auch dort keine Engpässe zu haben. Das Land habe vorausgesehen, dass die Coronakrise nicht nur Asien betreffen werde, sagt Hirschle.

Mittlerweile gebe es bei den Lieferungen aus China keine größeren Störungen mehr, berichtet der GATI-Direktor. Und: Durch das umsichtige Krisenmanagement konnte die Halbleiterproduktion während der Krise sogar um 24 Prozent nach oben geschraubt werden, berichtet Hirschle.

Außenhandel entwickelt sich stabil

Taiwan konnte noch in einem anderen Bereich punkten – dem Außenhandel. Davon hängen immerhin mehr als 50 Prozent der Konjunktur ab. Während die Exporte weltweit eingebrochen seien, haben sich die taiwanischen Ausfuhren laut Hirschle im ersten Halbjahr stabil entwickelt. „Das ist ein gigantischer Erfolg in dieser Krise“, sagt der Experte. 

Während – wie in vielen Ländern auch – die Exporte zum Beispiel im Bereich Textilien und Transport eingebrochen sind, konnte Taiwan seine Ausfuhren bei Elektronikkomponenten und Informations- und Kommunikationstechnik steigern und so das Ergebnis halten. Das zeige, dass die Wirtschaft sehr flexibel sei und auf Nachfrage reagieren könne, erklärt Hirschle. „Von einer Rezension ist hier aktuell nicht die Rede.“

All dieses Wissen und Kompetenzen will das Land nun nutzen, um mehr ausländische Firmen nach Taiwan zu locken. Der Inselstaat wolle sich als neue Drehscheibe in Supply chains etablieren, erklärt der Experte. Außerdem wolle man sich aus der großen Abhängigkeit zu China befreien und auf andere Regionen und Länder wie Südostasien und Indien konzentrieren.

Zweite Welle der Investitionen?

Nachdem das Land vergangenes Jahr mit einem Regierungsprogramm taiwanische Unternehmen, die in China angesiedelt waren, wieder nach Taiwan gelockt hat, hofft es nun auf eine zweite Welle der Investitionen von ausländischen Unternehmen. Das Programm sei ein „riesiger Erfolg“ gewesen, berichtet Hirschle. Jetzt wolle man sich unter anderem bei den Firmen anbieten, die aufgrund der Krise ihre Lieferketten diversifizieren wollen.

Für Hirschle bietet Taiwan „ein gutes Paket“. Dazu zählen unter anderem

  • Moderate Löhne
  • Hochqualifizierte Arbeitsplätze
  • Relativ niedrige Betriebskosten im regionalen Vergleich
  • Eine effiziente Infrastruktur
  • Eine hohe Lebensqualität und Sicherheit

Taitra, die von der Regierung unterstützte gemeinnützige Handelsförderungsorganisation, will außerdem anderen Ländern helfen und über das taiwanische Krisenmanagement informieren. Deshalb wurde eine Seite eingerichtet, auf der alle Maßnahmen der Politik und des Gesundheitswesens nachgelesen werden können. Außerdem wird erklärt, wie sich die Industrie an der Bekämpfung des Virus beteiligt hat. (Hier geht es zur Seite)

Das zeigt die Organisation auch in dem Imagevideo. „Together we can win the battle and return to the wonderful life“ heißt es da und am Ende ziehen alle Menschen ihre Maske ab.

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