Vier Mitarbeiter stehen um einen Tisch herum und diskutieren

Das Hightech‐Forum fordert ein Umdenken in Richtung einer offenen Wissens‐ und Innovationskultur- Symbolbild: Adobe Stock/Gorodenkoff

| von Anja Ringel

Das Hightech‐Forum hat am Mittwoch (14.10.) ein neues Impulspapier zum Thema „Offene  Wissenschaft und Innovation“ veröffentlicht. Das Gremium fordert die Politik auf, mit einer Nationalen  Agenda Anreize für mehr Offenheit zu setzen. Nur so können Wissen und Innovationen für die  Bewältigung der großen Herausforderungen unserer Zeit nutzbar gemacht werden und neue  Geschäftsmodelle entstehen. Nicht zuletzt die Covid-19‐Pandemie zeige, wie entscheidend der rasche Zugang zu Daten in Verbindung mit internationaler und offener FuE‐Zusammenarbeit für die Gesellschaft sei.

In seinem Papier betont das Hightech‐Forum die Chancen einer strategischen Öffnung für das deutsche Innovationssystem: Die Datenschätze der Wissenschaft, der Unternehmen und öffentlichen  Verwaltung müssen noch besser als bisher zum Wohle der Gesellschaft genutzt werden. Forschung und  Innovation können zudem gewinnen, wenn unterschiedliche Wissensgeber beteiligt werden – von der  Forschungsfrage und Bedarfsermittlung bis zur Geschäftsmodellentwicklung.

Dies erfordert einen  Kulturwandel auf allen Seiten. Im Wissenschaftssystem müssen die Einbindung der Gesellschaft und  das frühzeitige Teilen von Daten stärker gefördert und belohnt werden als bisher. Unternehmen und  Forschungsinstitutionen aus Deutschland schließen sich bereits internationalen Initiativen an, die  erfolgreiche Open Science‐Ansätze nutzen. Sie sollten aktiver werden und strategische Projekte und  Kooperationen aus Deutschland heraus starten. Das Beratungsgremium empfiehlt zudem, dass der  Staat in seiner Rolle als Daten‐ und Wissensproduzent als Vorbild vorangeht.

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Öffentliche Daten müssen zugänglich gemacht werden

Nicht nur indem er öffentliche Daten rechtskonform für die Forschung und Gesellschaft zugänglich macht, etwa als Teil der Forschungsförderung, sondern indem er die notwendigen Rahmenbedingungen und  Infrastrukturen schafft. Hierzu gehören die Weiterentwicklung einer agilen Forschungsförderung, der Aufbau von Datenplattformen und Standards, sowie Rechtssicherheit für das Teilen und Nutzen von Daten.

„Wir sind erst am Beginn des Weges zu mehr Offenheit. Verschwiegenheit war lange eine Tugend, sei  es in Unternehmen oder in der Forschung – wir lernen erst jetzt, was es zu gewinnen gibt“, sagt Prof. Dr. Dr. Andreas Barner, Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und  Sprecher des Thementeams „Offene Wissenschaft und Innovation“ im Hightech‐Forum.

Die Mitglieder des Hightech-Forums mit Ministerin Anja Karliczek auf der zweiten Sitzung am 5. Juni 2019.
Die Mitglieder des Hightech-Forums mit Ministerin Anja Karliczek auf der zweiten Sitzung am 5. Juni 2019. Bild: BMBF/Hans-Joachim Rickel

Er erklärt weiter: „Wir brauchen einen Kulturwandel: Wir müssen auf eine neue Art Wissenschaft betreiben und die Chancen  begreifen, die es mit sich bringt, Daten zu teilen, etwa in den Bereichen Nachhaltigkeit, Gesundheit  oder Mobilität. Dazu ist es wichtig, eine offene und agile Förderstruktur zu etablieren, aber auch neue  Anreizmechanismen und Stellenprofile in der Wissenschaft sind notwendig.“

Die Empfehlungen des Hightech‐Forums werden am 28. Oktober in der Runde der Staatssekretäre aller Bundesressorts zur Hightech‐Strategie 2025 vorgestellt.  Das Hightech‐Forum lädt ausdrücklich zur Kommentierung des Impulspapiers ein.

Federführende Autoren des Impulspapiers sind die Hightech‐Forum‐Mitglieder Prof. Dr. Dr. Andreas Barner, Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft e.V., Prof. Dr. Katharina Hölzle, Leiterin des Fachgebiets IT‐Entrepreneurship am Hasso‐Plattner‐Institut für Digital Engineering gGmbH (Universität Potsdam), Prof. Dr. Hanna Krasnova, Professorin am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Social Media und Data Science, an der Universität Potsdam, und Prof. Johannes Vogel, Ph.D., Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin. 

Das ist das Hightech-Forum

Das Hightech‐Forum ist das zentrale Beratungsgremium der Bundesregierung zur Umsetzung der Hightech‐Strategie 2025. Seine Aufgabe ist es, die Forschungspolitik der Bundesregierung mit konkreten Umsetzungs‐ und Handlungsempfehlungen zu begleiten. Es veröffentlicht fortlaufend Impulspapiere zu den Schwerpunktthemen 3,5‐Prozent‐Ziel, Offene Wissenschaft und Innovation, Soziale Innovationen, Agilität des Innovationssystems, Innovation und Qualifikation, Nachhaltigkeit im Innovationssystem, Zukunft der Wertschöpfung sowie Biologie und Digitalisierung.

Das Hightech‐Forum setzt sich aus 21 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen. Den Vorsitz teilen sich Christian Luft, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, und Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer‐Gesellschaft. Das Hightech‐Forum tagt drei bis vier Mal pro Jahr. Der Beratungsauftrag ist zeitlich an die aktuelle Legislaturperiode gekoppelt.

Quelle: Hightech‐Forum 

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