Person am Bahnsteig rollte einen Koffer in Ukraine-Farben hinter sich her

Viele Menschen aus der Ukraine fliehen vor dem Krieg in andere europäische Länder. (Bild: volurol - stock.adobe.com)

Millionen Menschen sind schon aus der Ukraine geflüchtet, Hunderttausende davon nach Deutschland. Nun rückt die Frage in den Fokus, wie die Integration – auch in den Arbeitsmarkt – gelingen kann. Dazu gibt es bereits unterschiedliche Ansätze und Ideen.

„Wir haben es wahrscheinlich mit der größten Fluchtbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg zu tun“, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil diese Woche nach einem Spitzengespräch, unter anderem mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Kammern. Er erklärte, ukrainische Geflüchtete erhalten mit ihrem Aufenthaltstitel auch einen sofortigen Zugang zum Arbeitsmarkt. Er erklärte aber auch: „Wir sehen die Menschen, die zu uns kommen, nicht in erster Linie als Arbeitskraft, sondern als schutzbedürftige Menschen.“

Es müssten nun mehr Sprachkurse angeboten werden genauso wie Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Ein weiteres Anliegen des Bundesarbeitsministers ist die Erfassung der Qualifikationen. Rund die Hälfte der Ukrainerinnen und Ukrainer hätten auch eine akademische Ausbildung, sagte er laut DPA. Doch die Berufe seien nicht identisch mit denen in Deutschland. Entsprechend Ausgebildete sollten nicht als Hilfskräfte arbeiten müssen, sondern passende Stellen in Deutschland finden.

Um die Qualifikationen anerkennen zu können, seien weitere Gespräche mit der Bundesbildungsministerin, der Kultusministerkonferenz und der Konferenz der Landesarbeitsministerinnen und -minister vereinbart. Heil beschrieb dies als komplizierten Prozess, der nun aber schnell vorangetrieben werden solle. Ziel sei es, dass Flüchtlinge aus der Ukraine schnell gute Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland finden können.

Ukraine-Krieg: Alle wichtigen Informationen für die Industrie

Flaggen von der Ukraine und Russland
(Bild: jd-photodesign - stock.adobe.com)

Der Ukraine-Krieg hat die Welt verändert und hat auch Auswirkungen auf die deutsche Industrie und Wirtschaft. Hier finden Sie weitere Informationen:

 

Jobplattformen für ukrainische Geflüchtete

Auch von Seiten der Verbände gibt es schon Aktionen. So hat zum Beispiel die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) die Initiative „Sprungbrett into work für geflüchtete Menschen aus der Ukraine“ gestartet. „Unser Ziel ist die gesellschaftliche Teilhabe der geflüchteten Menschen aus der Ukraine. Integraler Bestandteil ist dabei die Arbeitsmarktintegration“, sagte VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt auf einer Pressekonferenz.

Das neue Projekt knüpft an die Initiative „Integration durch Ausbildung und Arbeit“ an, die laut Verband von 2015 bis Ende 2019 rund 283.000 Geflüchteten einen Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsplatz vermitteln konnte. Auf der Website der Initiative gibt es nicht nur Informationen zu Sprachkursen und Informationen für Unternehmen, sondern auch unterschiedliche Stellenangebote für Geflüchtete. So sucht zum Beispiel BMW Fachkräfte für die Instandhaltung, Lackierung, Fertigung und Steuerungstechnik. Die Webseite ist in deutscher und ukrainischer Sprache aufrufbar.

Ein weiteres Element der Initiative ist das breite Angebot an Deutsch-Sprachkursen, die vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft digital, hybrid und vor Ort umgesetzt werden. Daneben wird das Kompetenzermittlungsverfahren KoJACK auf Ukrainisch angeboten, das die beruflichen Kompetenzen der Bewerber frühzeitig feststellt. Eine Taskforce unterstütze ukrainische Bewerberinnen und Bewerber, Unternehmen und Verbände bei der konkreten Integration in Arbeit, erklärte Brossardt.

Die Integration der ukrainischen Kriegsflüchtlinge sei für die Wirtschaft eine Herzensangelegenheit. „Die Geflüchteten, die länger bei uns bleiben wollen oder müssen, müssen sich eine neue Existenz aufbauen. Der Weg in die Gesellschaft führt über die Integration in den Arbeitsmarkt“, sagte er.

Ost-Ausschuss initiiert Job-Börse

Der Ost-Ausschuss hat ein Job-Portal zur Vermittlung ukrainischer Flüchtlinge in temporäre Beschäftigung initiiert. Die Job-Börse bietet laut Ost-Ausschuss derzeit über 100 Stellen von knapp 80 Unternehmen an. Über 100 Ukrainerinnen und Ukrainer haben sich als arbeitssuchend gemeldet.

Ebenfalls eine Stellenvermittlung ist „Job Aid Ukraine“. Dort können Unternehmen aus ganz Europa Stellenangebote für Geflüchtete aus der Ukraine einstellen. Die Jobbörse ist kostenlos und soll den Geflüchteten eine Perspektive vermitteln, sagt Christian Weis, Kölner Unternehmer, Chef eines regionalen Wirtschaftsportals und einer der Gründer der Plattform gegenüber ‚T-Online‘. Die Website ist sowohl auf Ukrainisch als auch auf Englisch verfügbar. Mitte März gab es auf dem Portal bereits mehr als 4.700 Stellenanzeigen. Rund 17.000 Menschen haben dort schon nach Jobs geschaut.

Eine weitere Initiative ist „Alliance 4 Ukraine“. Das Bündnis besteht aus Organisationen, Stiftungen, staatlichen Institutionen und Unternehmen. Erklärtes Ziel ist es, „ein Ökosystem an ineinandergreifenden Lösungen für die Bedarfe von Menschen auf der Flucht zu schaffen“. Dazu zählen unter anderem Jobvermittlung, Rechtsberatung und eine Buddy-Begleitung. Mitglieder des Bündnisses sind unter anderem SAP, die BMW Foundation und der Start-up-Verband.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger erklärte nach dem Spitzentreffen in Berlin: „Um schnell und unbürokratisch helfen zu können, braucht es vor allem ein pragmatisches und effizientes Vorgehen.“ Die Arbeitgeber stünden bereit, ihren Beitrag zur Integration in den Arbeitsmarkt und in Ausbildung zu leisten. „Was vor uns liegt, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen müssen.“

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