Maschinenbau-Gipfel Klima Kopf Haeusgen

Ein viel diskutiertes Thema auf dem Maschinenbau-Gipfel: die nötige Transformation für mehr Klimaschutz. - Bild: Anna McMaster

Auf die Frage, ob schon alle Technologien für Nachhaltigkeit vorhanden sind, sagt Dr. Brigitte Knopf Generalsekretärin beim Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC): "Bei der Umstellung auf Kreislaufwirtschaft da wird es neue Erfindungen geben müssen. Vor allem müssen wir aber die richtigen Rahmenbedingen schaffen, damit nachhaltige Technologie auf die Straße kommt: Da ist CO2-Preis das richtige Instrument." Zugleich sei es wichtig, die Umstellung in Teilen zu subventionieren, auch bei Demonstrationsanlagen sollte etwas getan werden.

Zumindest ist man optimistisch, dass die nächste Regierung den Handlungsbedarf begreift. „Wenn Sie mit Frau Baerbock über Wasserstoffwirtschaft reden, sollten Sie genau Bescheid wissen“, lobte Karl Haeusgen das oft große Wissen von Fachpolitikern. Man ist sich einig in der Runde: Die Ziele und ein verbindliches Zielgerüst sind nicht das Problem, sondern die Definition der Korridore, die zu den Zielen führen. Sie sollten nicht zu kleinteilig definiert werden, meint der VDMA-Präsident.

Alles Wichtige zum Maschinenbau-Gipfel 2021

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Natürlich war auch inhaltlich viel los, es wurde über Politik diskutiert und über die aktuellsten Themen der Branche. Hier ein paar Empfehlungen zum Nachlesen.

Aus der Politik:

Zu den Fokusthemen:

Wer lieber hören statt lesen mag, dem sei unser Podcast Industry Insights empfohlen. In einer Sonderfolge zum Gipfel haben Julia Dusold und Anja Ringel mit VDMA-Präsident Karl Haeusgen gesprochen. Und zwar darüber, was die Branche momentan bewegt - von Lieferengpässen, über die Erwartungen an die Politik, hin zu Nachhaltigkeit. Hören Sie rein!

Fehlende politische Entscheidungen bremsen Weg zur Klimaneutralität

„Ob wir wirklich Klimaneutralität bis 2045 schaffen, das weiß ich nicht“, sagt Knopf. Man stehe vor sehr großen Herausforderungen. Bis 2030 solle jedoch der Umschwung geschafft werden, auch wenn „einige Ziele in den nächsten Jahren gerissen werden“. Zum Beispiel müssten in manchen Bereichen noch politische Entscheidungen getroffen werden. „Infrastrukturfragen haben einen langen Zeitvorlauf, damit müssen wir schnell anfangen“, sagt Knopf auch. Unklarheit gebe es noch bei der Frage, ob es fossil basierten Wasserstoff als Brücke geben muss. Haeusgen ist sich jedoch sicher: „Es muss in den nächsten Jahren auch neue wasserstofffähige Gaskraftwerke und blauen Wasserstoff als Brücke geben, das ist mittlerweile auch bei der Politik angekommen“.

Der Verbandspräsident sieht aber Diskussionsbedarf, weil es einen Trade-off zwischen schnellen Klimamaßnahmen und demokratischem Diskurs geben wird. „Wir erwarten von der Bundesregierung jetzt einen klaren Kurs zum Beispiel bei Wasserstoff. Das führt dazu, dass der demokratische Diskurs verkürzt wird“.

Stahlindustrie: So läuft der Wandel zur Klimaneutralität

Dr. Hans-Jörn Weddige, Konzernkoordinator Energie-, Klima- und Umweltpolitik bei ThyssenKrupp, berichtete über die Herausforderungen in der klassischen integrierten Stahlerzeugung. Für mehr als zwei Prozent des deutschen Treibhausausstoßes ist Thyssenkrupp Steel verantwortlich. Das Unternehmen hat mehrere Herangehensweisen an die Nachhaltigkeit identifiziert, die eine Lösung gibt es nicht.

Dazu gehört weniger Stahleinsatz, wie es im Leichtbau der Fall ist, oder das Nutzen anderer Eisenquellen wie Schrott. Hier liegen die Recycling-Raten aber nur bei 37 Prozent. Auch das Auffangen und Einlagern von CO2-Emissionen ist Thema. Ein ganz wichtiger Teil wird auch das Thema Wasserstoff sein. Mit einer Tonne Wasserstoff sollen bis zu 26 Tonnen CO2 eingespart werden können. Man will am Anfang der Erzeugungskette ansetzen und perspektivisch Kokereien und Hochöfen nicht mehr betreiben, stattdessen Reduktionsanlagen, die künftig mit 100 Prozent Wasserstoffe betrieben werden sollen. Bis 2045 soll die Klimaneutralität erreicht werden. Wenn die gesamte Flotte von vier Hochöfen am Standort Duisburg ersetzt ist, könnte das 20 Millionen Tonnen CO₂ sparen.

Doch ohne Anschub-Subventionen wird das aus Sicht des Unternehmens nicht gehen. „Diese Transformation kriegen wir ohne den Staat einfach nicht hin“, meint Weddige. Er gibt zu bedenken: Klimaschutz sei ein öffentliches Gut, deshalb sei es nicht  ganz abwegig, dass der Staat dafür bezahlt. Weddige meint: „Nur gemeinsam als Volkswirtschaft und Gesellschaft werden wir den Weg schaffen. 2045 ist ambitioniert, aber machbar!“

Kreislaufwirtschaft ist die Lösung in der Chemie

Bei Covestro hat man als Antwort auf die Nachhaltigkeitsforderung das Thema Kreislaufwirtschaft etabliert, berichtet Dr. Klaus Schäfer, Chief Technology Officer und Mitglied des Vorstands der Covestro AG. „Dieser Lebensstil ‚produzieren, konsumieren, wegwerfen‘ ist nicht nachhaltig und muss notwendig zu einem Ende kommen“, so Schäfer. Damit Kunststoffe nicht weiter verbrannt oder im schlechtesten Fall ins Meer gekippt werden, müssten die Kunststoffe zurückgenommen werden.

Deshalb will das Chemie-Unternehmen Zirkularität in seiner gesamten Kette implementieren. Der Weg dahin führt über die Elektrifzierung. Ein echtes Problem sieht Schäfer in der insgesamt steigenden Nachfrage nach grüner Energie. Mit den Themen Elektrifizierung und Recycling werde der Bedarf von einer Million Tonnen Wasserstoff heute in den nächsten Jahren auf sieben Millionen Tonnen anwachsen. „Wesentliches Thema sind deshalb Importe. Ich bin überzeugt, dass Importe über Derivate besonders wichtig sind“, so Schäfer. So gebe es bei Ammoniak beispielsweise bereits eine bessere Infrastruktur als bei Wasserstoff.

„Wir müssen die CO2-Footprints von allen Eingangsprodukten kennen, um die Werte auf der Eingangsseite zu Null zu treiben. Wichtig ist für uns das Label, das an einer Tonne Wasserstoff dranhängt – wie viele CO2-Emissionen sind damit verbunden? Damit kann man dann weiterrechnen“, erklärt Klaus Schäfer. In den letzten 20 Jahren habe man den spezifischen Energieverbrauch immerhin halbiert.

Aus Sicht der Chemieindustrie sind neben dem Ausbau der Erneuerbaren vor allem vereinfachte Genehmigungsverfahren und stabile Rahmenbedingungen rund um erneuerbare Energien entscheidend. „Das, was wir vor der Brust haben, wird einen enormen Umbau von Anlagen und Neubau von Anlagen bedeuten. Dafür brauchen wir auch schnelle Genehmigungsverfahren“, sagt Klaus Schäfer. Auch faire Marktbedingungen seien wichtig: Bei 40 Euro pro Megawattstunde würden viele Dinge zum Selbstläufer werden, darüber hinaus werde es allerdings im globale Wettlauf mit Firmen schwierig, die weiter mit Kohle und Gas arbeiten.

Nachhaltigkeit im Maschinenbau: So unterstützt Siemens die Branche

Bis 2030 will Siemens im eigenen Betrieb klimaneutral durch die Umstellung auf hundert Prozent grünen Strom in 2023 werden. Dr. Jochen Eickholt, Mitglied des Vorstands der Siemens Energy AG zufolge geht man bei Siemens trotz fehlender Rahmenbedingungen in Vorleistung. Dazu gehören großtechnische Anlagen wie Elektrolyeure und neue Produkte wie Gasturbinen mit Wasserstoffbeimischung von bis zu 75 Prozent. Zudem arbeitet man an wasserstofffähigen Gaskraftwerken. „Um die Intermitancy von Erneuerbaren und Trends wie ‚raus  aus Kohle und raus aus Gas‘ zu kompensieren, sind H2-ready Gaskraftwerke als Brückentechnologie unabdingbar“, stellt Eickholt fest. Auch er fordert einen massiven und schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien.

Auch aus Sicht von Siemens liegt der Knackpunkt in der Infrastruktur. „Bei Turbinen ist der Betrieb mit Wasserstoff nicht so viel anders, wichtig ist, dass die ganze Infrastruktur dafür ausgelegt sein muss“, meint Eickholt. Deutschland habe dabei noch nicht das Tempo, das es braucht. Noch sei beispielsweise der Einsatz von nachhaltigen Wasserstoffturbinen nicht rentabel. Die Befreiung von der EEG-Umlage und die Erhöhung der CO2-Preise seien hier wichtige Treiber.

Automotive Branche wird ebenfalls grüner

Über nachhaltige Produkte aus nachhaltiger Produktion bei Mercedes-Benz erzählte Michael Frieß, Standortverantwortlicher und Leiter Produktion im Mercedes-Benz Werk Bremen. In den letzen Monaten sei man bei Electro-only im Fahrzeugbereich angekommen. Im Truck-Bereich wird es sowohl Wasserstoff als auch Electro geben.

Statt 2032 will man nun schon 2030 vollelektrisch werden und bis 2025 sollen Kunden für jedes Modell eine vollelektrische Alternative wählen können. Insgesamt ist eine Kapazität von mehr als 200 Gigawattstunden nötig und Batteriezellen könnten ein rares Gut werden. Deshalb stieg der Autobauer mit einem Drittel an der Batteriezellenproduktion der ACC Automotive Cells Company ein, die bis Ende des Jahrzehnts eine Kapazität von 120 GW/h in Europa erreichen will. Die weltweiten Produktionsstandorte sind ab 2022 CO2-neutral. „Mittlerweile haben 90 Prozent unserer Zulieferer Verträge abgeschlossen, dass die sie uns bis 2030 klimaneutral beliefern“, so Frieß.

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