Bei Thyssenkrupp kehrt auch nach der Stahlfusion mit Tata keine Ruhe ein.

Bei Thyssenkrupp kehrt auch nach der Stahlfusion mit Tata keine Ruhe ein. - Bild: Thyssenkrupp

| von Stefan Weinzierl

Der voraussichtliche Abgang von Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger alarmiert die Arbeitnehmer. Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath warnte vor einer Zerschlagung und einem Ausverkauf des Industriekonzerns. Er sehe die Gefahr, dass der Rest des Mischkonzerns von Finanzinvestoren zerschlagen werde, sagte Segerath der Deutschen Presse-Agentur. Der IG-Metall-Vertreter gehört dem Aufsichtsrat von Thyssenkrupp an, der an diesem Freitag über die Bitte Hiesingers über Auflösung seines Mandats als Vorstandschef entscheiden will.

Die IG Metall bedauerte den angekündigten Rücktritt von Hiesinger. "Auch wenn wir in der Sache oft unterschiedlicher Meinung waren - Herr Hiesinger ist ein integrer Mensch", sagte Detlef Wetzel, früherer IG-Metall-Chef und stellvertretender Aufsichtsratschef von Thyssenkrupp Steel, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Freitag). Er bedauere, dass Hiesinger den Konzern verlassen wolle.

IG Metall und Hiesinger hatten lange um die Ausgliederung der Stahlsparte in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem indischen Tata-Konzern gerungen. Nachdem Hiesinger die Fusion nach zweijährigen Verhandlungen Ende vergangener Woche mit Tata besiegelt hatte, kündigte er am Donnerstagabend überraschend seinen Rückzug an.

Hiesinger bat den Aufsichtsrat um Gespräche, "die zur einvernehmlichen Auflösung seines Mandats als Vorsitzender des Vorstands der Thyssenkrupp AG führen sollen", wie der Dax-Konzern in Essen mitteilte. Hiesinger erklärte, er "gehe diesen Schritt bewusst, um eine grundsätzliche Diskussion im Aufsichtsrat über die Zukunft von Thyssenkrupp zu ermöglichen".

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Hiesinger war im Zuge der Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata zuletzt immer wieder unter Druck geraten, weil Anteilseigner wie der US-Hedgefonds Elliott oder Cevian Capital aus Schweden mehr Tempo bei dem seit langem angekündigten Umbau des Ruhrkonzerns gefordert hatten. Einzelne Investoren wie der als aktivistisch geltende US-Investor Paul Singer und sein Hedgefonds Elliott hatten den Thyssenkrupp-Chef scharf attackiert.

Für Hiesinger, der seit sieben Jahren an der Spitze von Thyssenkrupp steht, war die Vereinbarung mit Tata ein lang erwarteter Befreiungsschlag. Die Stahlfusion soll den Weg für einen Konzernumbau ebnen. Die Strategie dafür soll bis Mitte Juli vorgelegt werden.

Die beiden Konkurrenten schließen sich vor dem Hintergrund von weltweiten Überkapazitäten beim Stahl zusammen und gründen den zweitgrößten Stahlkonzern Europas. Thyssenkrupp und Tata sollen zunächst mit je 50 Prozent an dem fusionierten Stahlkonzern mit etwa 17 Milliarden Euro Umsatz und rund 48 000 Beschäftigten beteiligt sein. Das Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen Thyssenkrupp Tata Steel B.V. soll seinen Sitz in den Niederlanden haben.

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