Leere Geldbörse

Über leere Geldbeutel müssen sich die Topmanager der DAX-Unternehmen trotz rückläufiger Gehälter aber wohl nicht beschweren: Im Schnitt verdienen sie immer noch 6 Millionen Euro im Jahr.

| von Simon Dempf

Die Chefs der 30 größten Konzerne in Deutschland haben im vergangenen Jahr weniger verdient. Die Gehälter seien um zwei Prozent gesunken im Vergleich zu 2017, heißt es in einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

Damit lagen die Gehälter der Dax-Chefs im Jahr 2018 bei rund 6 Millionen Euro im Median. Der Median ist ein Mittelwert, der Ausreißern ein geringeres Gewicht gibt als der einfache Durchschnitt. Die Chefs der Unternehmen, die im MDax notiert sind, mussten sich mit sieben Prozent weniger Gehalt zufrieden geben.

Die Vorstandsvorsitzenden der SDax-Unternehmen bekamen ein Prozent weniger. Nur die Konzernlenker der Tec-Dax-Unternehmen konnten sich über mehr freuen, mit einem Aufschlag von zwei Prozent. Allerdings hängt dies auch mit der neuen Zusammensetzung der Indizes zusammen. So ist jetzt unter anderem die Deutsche Telekom als Schwergewicht im TecDax notiert.

In den vorherigen Jahren waren die Gehälter dank einer anhaltend starken Konjunktur gestiegen. 2018 habe die sich abschwächende Wirtschaft die Geschäftsentwicklung erstmals signifikant beeinflusst. Das zeige sich auch an der Vergütung, heißt es in der Studie. PwC hat die Gehälter von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern der vier großen Indizes untersucht.

Warum die tatsächliche Vergütung höher ist

Negativ entwickelten sich allerdings nur die sogenannten gewährten Gehälter. Die tatsächlich ausgezahlten Vergütungen der deutschen Topmanager seien sogar um 11 Prozent gestiegen. Das liege auch daran, dass teilweise variable Teile der Vergütungen erst viel später ausgezahlt würden, erklärten die Macher der Studie bei der Vorstellung am Dienstagabend in Frankfurt.

Außerdem macht die Studie einen Unterschied zwischen Konzernchefs und den übrigen Vorstandsmitgliedern. Bei letzteren sieht es etwas anders aus. Die Vorstandsmitglieder der Dax- und TecDax-Unternehmen konnten sich über höhere vereinbarte Gehälter freuen. Kaum verändert waren die Vergütungen im SDax, nur im MDax sanken sie für alle Vorstandsmitglieder.

Die Macher der Studie betonen, dass es sich um Mittelwerte handele und sich einzelne Branchen stark unterscheiden könnten. Insgesamt sei allerdings ein klarer Zusammenhang zwischen dem Marktwert des Unternehmens und der Vorstandsvergütung zu erkennen. Auch Umsatz und Mitarbeiterzahl seien entscheidend, allerdings in den meisten Fällen in untergeordnetem Maße.

Mindestlöhne in der EU: So groß sind die Unterschiede

Ein Unterschied wie Tag und Nacht: Die gesetzlichen Brutto-Mindestlöhne pro Monat in diesen 22 EU-Ländern variieren enorm. Zwischen dem Gehalt des letzten und des ersten Platzes liegen Welten. Oder um es in Zahlen auszudrücken: 1.738 Euro. Zum Ländervergleich!

Wie setzen sich die Gehälter zusammen?

Zusätzlich untersucht die Studie, wie sich die Gehälter von Deutschlands Spitzenmanagern zusammensetzen. Dabei ist durch alle Indizes zu beobachten, dass der feste Teil der Vergütung zwischen 40 und 50 Prozent liegt. Der Rest sei variabel.

Bei Aufsichtsräten zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab: Die Gesamtgehälter der Vorsitzenden sanken im vergangenen Jahr mehrheitlich, die der übrigen Mitglieder stiegen. Die Vergütung eines Aufsichtsratsvorsitzenden eines Dax-Unternehmens betrug demnach im Median 325 000 Euro.

Die gestiegene Vergütung der Aufsichtsräte rührt laut Studie vor allem aus den gestiegenen Anforderungen an die Position. Aufsichtsräte stünden immer mehr im Fokus der Aktionäre und damit einhergehend die Erfüllung ihrer Kontrollpflichten. Die Rekrutierung gestalte sich zudem ebenfalls immer schwieriger. Aufgabespektrum und Expertise erweiterten sich stetig.