Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA

Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA. - Bild: VDMA

Produktion: Herr Brodtmann, der deutsche Maschinen- und Anlagenbau schaut gespannt auf das Setting für den kommenden, den 10. Maschinenbau-Gipfel. Was brennt der Branche am heftigsten unter den Nägeln?

Thilo Brodtmann: "Der Maschinen- und Anlagenbau erfreut sich einer insgesamt starken Position, das zeigt sich beeindruckend am Umsatz von 226 Milliarden Euro im Jahr 2017 sowie einer Produktionsprognose von real plus 5 Prozent für das laufende Jahr. Zugleich sind die Herausforderungen groß und die Breite an Themen mit Handlungsbedarf ist enorm:
Global betrachtet beschäftigt uns besonders die akute Gefahr von Protek­tionismus und Handelsbarrieren. Denn für den Maschinenbau als exportstarke Industrie sind offene Grenzen unverzichtbar, daran sind unmittelbar auch Arbeitsplätze und Wohlstand geknüpft.

Mit Blick auf Deutschland und die EU treibt uns das Thema der zunehmenden Bürokratisierung um. Die Verhältnismäßigkeit von Aufwand und Nutzen ist häufig nicht mehr gegeben, und das trifft insbesondere die kleineren und mittelständischen Unternehmen. Bestes Beispiel hierfür ist die Entsenderichtlinie. Aus technologischer Perspektive steht die Digitalisierung oben auf der Agenda. Dem Maschinen- und Anlagenbau kommt dabei eine wichtige Rolle zu, denn unsere Industrie steht bei Thema Indus­trie 4.0 als Anbieter und Anwender der Technologien um Zentrum der Entwicklung. Damit verbunden ist häufig auch ein Wandel von Geschäftsmodellen und der Unternehmensorganisation."

  • Danobat Werkzeugmaschinen

    Platz 15: Danobat | Die spanische Danobat Gruppe, zu der beispielsweise Bimatec Soraluce und Danobat Overbeck gehören, konnte 2018 einen Umsatz von 261 Millionen Euro erwirtschaften und landet damit auf Platz 15. - Bild: Danobat

  • Diskus Werke Maschine

    Platz 14: DVS Technology | Mit 264 Millionen Euro Umsatz erreicht die Diskus Werke AG, die am Markt unter der Dachmarke DVS Technology agiert auf Platz 14. - Bild: DVS Technology

  • Mikron Werkzeugmaschine

    Platz 13: Mikron | Mikron konnte den Umsatz 2018 um 29,3 Prozent auf 282 Millionen Euro steigern und wandert so von Platz 14 auf Platz 13. - Bild: Mikron

  • GF Werkzeugmaschine

    Platz 12: GF Machining Solutions | Unverändert auf Platz 12 ist die Werkzeugmaschinensparte des Georg Fischer Konzerns. GF Milling erzielte 2018 einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro, die GF Machining Solutions insgesamt brachte es auf rund 973 Millionen Euro. - Bild: GF Machining Solutions

  • Starrag LX051 Werkzeugmaschine

    Platz 11: Starrag | Starrag erzielte mit 348 Millionen Euro den zweithöchsten Umsatz in der Geschichte der Gruppe. Trotzdem rutscht das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr um eine Stelle nach unten, auf Platz 11. - Bild: Starrag

  • Schwäbische Werkzeugmaschinen SW 322i

    Platz 10: Schwäbische Werkzeugmaschinen | Schwäbische Werkzeugmaschinen hat es im Ranking 2018 in die Top 10 geschafft. Der Gruppen-Umsatz betrug 400 Millionen Euro. - Bild: Schwäbische Werkzeugmaschinen

  • Niles Simmons Werkzeugmaschine

    Platz 9: Niles Simmons | Niles Simmons Hegenscheidt bleibt auf Platz 9. Der Umsatz wuchs dennoch um 7,9 Prozent auf 410 Millionen Euro. - Bild: Niles Simmons

  • Hermle Werkzeugmaschine

    Platz 8: Hermle | Mit 453 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2018 sichert sich Hermle Platz 8.- Bild: Hermle

  • Chiron Werkzeugmaschine mit Palettenlager

    Platz 7: Chiron | Auch Chiron verbleibt wie im Vorjahr auf Platz 7. Der Umsatz stieg um 6,9 Prozent auf 498 Millionen Euro. - Bild: Chiron

  • Heller HF 5500 Werkzeugmaschine

    Platz 6: Heller | Der Umsatz von Heller ging um 3,2 Prozent zurück und das Unternehmen rutscht von Platz 5 auf Platz 6 mit 558 Millionen Euro Umsatz. - Bild: Heller

  • Index B500 Werkzeugmaschine

    Platz 5: Index | In die Top 5 geschafft hat es in diesem Jahr der Esslinger WZM-Hersteller Index, mit einer Umsatzsteigerung von über 22 Prozent auf 575 Millionen Euro. - Bild: Index

  • Emag VL 1 Twin Werkzeugmaschinen

    Platz 4: Emag | Mit 673 Millionen Euro Umsatz kann Emag den vierten Platz im Ranking verteidigen. - Bild: Emag

  • United Grinding Werkzeugmaschinen

    Platz 3: United Grinding | Mit einem ungefähren Umsatz von 700 Millionen Euro (die Gruppe veröffentlicht keine genauen Zahlen) liegt die United Grinding Group aus der Schweiz auf Platz 3 des Rankings. - Bild: United Grinding

  • Grob G350 access Werkzeugmaschine

    Platz 2: Grob | Der zweitgrößte Hersteller zerspanender Werkzeugmaschinen ist Grob aus Mindelheim. Das Unternehmen erreichte 2018 einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Dies liegt 2,6 % unter dem Vorjahreswert. - Bild: Grob

  • DMG Mori Werkzeugmaschine mit Servicetechniker

    Platz 1: DMG Mori | Unangefochten auf Platz 1 ist auch in diesem Jahr die DMG Mori AG mit über 2,6 Milliarden Umsatz, was 13 Prozent mehr sind als im Vorjahr. - Bild: DMG Mori

Produktion: Thema Europa - Wie wichtig ist eine starke EU für den exportorientierten Maschinen- und Anlagenbau und wie werden sich die Beziehungen zu Großbritannien zukünftig gestalten?

Brodtmann: "Europa ist wichtig und ein starkes Europa noch wichtiger! Für den Maschinen- und Anlagenbau sind die EU-Partnerländer bedeutsame Absatzmärkte, und die VDMA-Volkswirte gehen davon aus, dass die Lieferungen in diese Länder weiter zulegen.

Der Brexit hingegen wird deutliche Spuren bei den Investitionen auf der Insel hinterlassen, das bedeutet perspektivisch einen Rückgang des Geschäfts mit Großbritannien. Insgesamt wird der Brexit die Beziehungen der EU-Partnerländer zu Großbritannien auf eine Probe stellen. Denn es geht nicht nur um Mehrkosten und zusätzliche Bürokratie, es drohen auch neue technische Handelshemmnisse durch unterschiedliche Regulierung. Insgesamt eine für alle Beteiligten nachteilige Entwicklung, von gesellschaftspolitischen Aspekten einmal ganz abgesehen…"

Produktion: "In technologischer Hinsicht muss sich die Branche mit einer sich ändernden Mobilität, aber auch mit Ableitungen aus der Klimapolitik beschäftigen. Wie werden diese Themen den Maschinen- und Anlagenbau verändern?

Brodtmann: "Die Relevanz des Maschinen- und Anlagenbaus bei diesen Themen ist hoch. Denn technologische Lösungen sind für den Wandel in der Mobilität und im Energie- und Umweltbereich essentiell. Um diese Rolle als Lösungsgeber erfüllen zu können, brauchen wir bestmögliche Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung sowie den grundsätzlichen Ansatz von Technologieoffenheit. Die beste Technik muss sich durchsetzen können, nicht politische Meinungen.

Klar ist auch, dass die Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau den Wandel nicht nur technologisch mitgestalten, sondern auch miterleben und sich ebenfalls umstellen müssen. Denn Mobilität, Logistik und Energie sind die wichtigen Bausteine des industriellen Alltags."

Produktion: Auch die Zukunft der Arbeit lässt dem Maschinen- und Anlagenbau keine Ruhe, der Fachkräftemangel ist teils deutlich spürbar. Wird das die erfolgsgewöhnte Branche ausbremsen?

Brodtmann: "Der Mensch steht im Maschinen- und Anlagenbau im Mittelpunkt, von seinen Fähigkeiten und Qualifikationen leben technologische Innovation, Lösungskompetenz und das tägliche ‚doing‘. Vor diesem Hintergrund muss der steigende Fachkräftemangel wirksam bekämpft werden, es darf dabei keine Zeit verloren werden. Die Ausbildungsquote im deutschen Maschinen- und Anlagenbau liegt seit 15 Jahren höher als 6 Prozent und damit über dem Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes von rund 5 Prozent.

Trotz enormer Anstrengungen gelingt es den Maschinenbauunternehmen jedoch nicht, alle Ausbildungsplätze zu besetzen. Hier droht eine Wachstumsbremse. Es braucht daher in Deutschland eine Investitions- und Modernisierungsoffensive insbesondere für Berufsschulen, die innerhalb der Bildungspolitik allzu oft personell und materiell stiefmütterlich behandelt werden. Denn die duale Ausbildung ist das wichtigste Instrument, um den Fachkräftebedarf langfristig zu decken. Dieses Modell darf nicht leerlaufen."

Produktion: Wie wichtig ist es Ihnen als Hauptgeschäftsführer des größten deutschen Branchenverbandes, dass Deutschlands Maschinenbauer in Berlin Flagge zeigen und die Gelegenheit zur politischen Einflussnahme auch nutzen?

Brodtmann: "Der Maschinen- und Anlagenbau ist mit 1,35 Millionen Erwerbstätigen im Inland der größte industrielle Arbeitgeber im Land, er ist das industrielle Rückgrat. Daher ist es wichtig, unsere Positionen und unsere Expertisen mit einer deutlich wahrnehmbaren Stimme in der Bundespolitik zu platzieren. Für den VDMA ist die ständige Präsenz in Berlin daher sehr wichtig.

Der Maschinenbau-Gipfel ist in diesem Zusammenhang ein besonderes Highlight unter unseren zahlreichen Aktivitäten in der Hauptstadt. Er ist die große Bühne des Maschinen- und Anlagenbaus und diese Bühne wird von Politik, Medien und unserem Netzwerk sehr stark wahrgenommen. Ich freue mich deshalb auf die zehnte Auflage des Maschinenbau-Gipfels in diesem Oktober!"