Raketenstart Ariane 5

MT Aerospace ist einer der Zulieferer für die Ariane 5. - Bild: Ariane Group

„Ohne Augsburg und MT Aerospace kommt keiner zum Mars“, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder vor rund einem Monat. Damals hatte das schwäbische Unternehmen eine neue Partnerschaft mit Boeing verkündet (Mehr dazu lesen Sie hier). Doch wer ist MT Aerospace eigentlich?

Das Unternehmen war zunächst ein Teil von MAN: 1969 wurde dort die Abteilung „MAN Neue Technologie“ gegründet – als Zentralbereich für Forschung und Entwicklung. 2005 übernahmen dann die OHB Technology und Apollo Capital Partners 100 Prozent der MAN-Technologie Aktien. MT Aerospace entstand.

Schon zu Beginn ist die Firma mit den Ariane-Raketen verbunden. Bereits 1971 hat sich MT Aerospace an dem Raumfahrtprojekt Europa beteiligt, aus dem dann die Ariane-Raketen hervorgingen. Weitere Projekte folgten. So übernahm das Unternehmen zum Beispiel 1996 die Ariane-Tankfertigung von der Daimler-Benz Aerospace. Ebenfalls seit 1996 ist die „Ariane 5“ im Einsatz. Im Laufe der Jahre erhält MT Aerospace immer mehr Ariane-Großaufträge.

Probleme mit „Ariane 6“

Das Nachfolgermodell „Ariane 6“ ist dagegen noch nicht so vielversprechend. Ursprünglich sollte die Rakete 2020 starten. Doch wegen der Pandemie verzögerten sich die Arbeiten. Die Folge: Der Start wurde mehrfach verschoben und soll nun Mitte 2022 stattfinden.

Und das hat natürlich auch Konsequenzen für MT Aerospace. Im Mai wurde bekannt, dass das Unternehmen rund 110 Stellen streichen wird. Der Grund: Man rechne mehrere Jahre mit niedrigen Produktionszahlen. Laut ‚Süddeutsche Zeitung‘ soll die Hälfte durch natürliche Fluktuation und Altersteilzeit abgebaut werden und rund 50 Stellen mittels betriebsbedingter Kündigung und Sozialplan.

MT Aerospace-Chef Hans Steiniger sagte der ‚Süddeutschen Zeitung‘, er geht davon aus, dass seine Firma in den nächsten zwei, drei Jahren jeweils nur Tanks und Boosterstrukturen für höchstens vier Ariane-Raketen bauen wird. Die ursprüngliche Planung sah mittelfristig elf Raketen pro Jahr vor. Sechs Raketen pro Jahr ist die Untergrenze, um wirtschaftlich produzieren zu können. Doch damit rechnet das Unternehmen erst ab 2025.

Wasserstoff als weiteres Geschäftsfeld

Es müssen also Alternativen her. Mit Überbrückungshilfen – die deutschen Zulieferer des Ariane-Projekts erhalten knapp 100 Millionen Euro von Bundesregierung und der Weltraumagentur Esa – will MT Aerospace hochqualifizierte Jobs von Ingenieuren sichern. Denn das Unternehmen will auch in anderen Geschäftsfeldern erfolgreich sein.

Das war auch schon früher so: Seit Ende der 80er-Jahre liefert MT Aerospace Trinkwassertanks für den Airbus A320. Fünf Jahre später wurde schon der 1.000. Wassertank produziert. Das Unternehmen beschäftige sich seit 30 Jahren mit Wasserstofftanks, erklärte Ulrich Scheib, Vorstand Programme, gegenüber PRODUKTION. Hier sieht das Unternehmen unter anderem bei Tankstellensystemen, elektrischem Fliegen und elektrischen Antrieben im Luftraum Potenziale.

Im Juni hat sich ein Wasserstofftank für den Raketenantrieb im Test bewährt: MT Aerospace hat nach eigener Aussage mit einer Testkampagne einen wichtigen Meilenstein bei der angestrebten Entwicklung einer CFK-Oberstufe für eine zukünftige europäische Trägerrakete erreicht. Im Projekt Comet der ESA ließ das Unternehmen ihren aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) gefertigten Prototyp eines Hochleistungstanks für Raketentriebwerke testen.

3D-Druck und Raumfahrt: Das sind die Ziele

Der 3D-Druck ist für MT Aerospace laut Scheib ebenfalls ein erfolgsversprechendes Geschäftsmodell. In Augsburg werden schon die ersten Bauteile gefertigt. Erste Prototypen sollen Ende des Jahres fertig sein. In diesem Zusammenhang hat MT Aerospace auch von der Esa den Auftrag erhalten, technische Standards für additive Fertigungsverfahren in der Raumfahrt zu setzen. Der Auftrag hat ein Volumen von elf Millionen Euro.

Ziel ist laut Unternehmen der Aufbau eines standardisierten additiven Fertigungsprozesses, der vom Materialeingang bis hin zum fertigen Bauteil für die Luft- und Raumfahrt zertifiziert ist. „Additive Manufacturing ermöglicht es uns, noch tiefer in Themen wie Gewichts-, Baugruppen- oder Kostenreduktion einzusteigen – allesamt aktuelle Anforderungen aus der Raumfahrt. Etablierte Fertigungsverfahren werden durch AM-Fertigungsverfahren ergänzt, zusammen ermöglichen sie dann große Schritte in Richtung Zukunft!“, erklärt Markus Axtner, der das Thema Additive Fertigung bei der MT Aerospace AG verantwortet, in einer Pressemitteilung.

Welche Einsatzmöglichkeiten es für die additive Fertigung noch gibt, erfahren Sie im Podcast Industry Insights. Gast ist Andreas Langfeld, Europa-Chef des 3D-Druckherstellers Stratasys:

Die Folge finden Sie auch hier: Podigee I Spotify I Apple Podcasts.

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