Fünf Beschäftigte stehen nebeneinander in einem Konferenzraum

Neue Mitarbeitende sollen den Unternehmen weiterhelfen. (Bild: Jacob Lund - stock.adobe.com)

Vor gar nicht langer Zeit fragte Herr Pankow, der Redaktionsleiter Digital der PRODUKTION, ob wir noch einen CEO benötigen. Ich habe ihm damals widersprochen und eher auf die notwendigen Fähigkeiten hingewiesen. Aktuell ist in den Nachrichten, dass die europäische Industrie massive Probleme bei der Beschaffung von Chips hat, während Tesla aktuell einen Verkaufsrekord nach dem anderen bricht. Als einer der Gründe wurde genannt, dass Tesla zu Beginn der Pandemie die Liefermengen nicht gedrosselt hat. Wie konnte das passieren, was ist da wirklich „schief“ gelaufen? Aus unseren Projekten kann ich bestätigen, dass in unserem Verhalten eine der Ursachen für diese Situation liegen. Das dramatische ist, diese Situation gab es schon einmal. 2008/2009 wurden auch die Liefermengen und Kapazitäten gedrosselt und im Anschluss hatte man keine Teile und Mitarbeiter um die Nachfrage zu bedienen.

Aber zurück zu der Ursache für dieses Verhalten. Wir denken falsch! Wir verbinden mit der klassischen Beschreibung Kunde – Lieferanten Verhältnis eine König-und-Knecht-Beziehung. Entschuldigen Sie die drastische Beschreibung, aber wenn Sie ehrlich sind, auf Augenhöhe sehen wir die beiden nicht.

Mitarbeitende müssen Zusammenhänge verstehen

Aktuell sehen wir deutlich die wirklichen Verhältnisse. Die Chip-Hersteller freuen sich sogar, wenn die Industriekunden reduzieren. Umso mehr können sie an ihre Lieblingskunden liefern. Computer, Smartphone, Spielekonsolen etc., klare Strukturen, hohe Stückzahlen, wenig Sonderwünsche. Dagegen ordert unsere Industrie viele Spezifikationen und wenig Stückzahlen. Und die Nachfrage ist riesig! Wer Kinder hat und auf eine PS5 wartet weiß das.

Aber warum neue Köpfe? Wir brauchen Mitarbeitende, die diese Zusammenhänge verstehen und aus dem König Verständnis herauskommen. Wir benötigen mehr Partnerschaftliche Zusammenarbeit in allen Bereichen und je mehr wir Innovationen benötigen umso dringender.

SAP hat im neuen ERP S4Hana einen wichtigen und richtigen Schritt vollzogen. Es gibt keine Kunden und Lieferanten mehr. Es gibt nur noch Partner mit unterschiedlichen Rollen. Ein erster Schritt, den wir jetzt in den Köpfen nachvollziehen müssen.

Unternehmen sind Partner in einem Netzwerk

Alle Unternehmen sind Partner in einem Netzwerk, jeder leistet seinen Anteil und jeder muss erfolgreich sein. Das muss man aushandeln, da gehören Preise und Lieferzeiten hinzu. Aber eben viel mehr. Da kommt Flexibilität, Partnerrolle im Netzwerk, Innovationsfähigkeit, Nachhaltigkeit und noch viele weitere Qualitäten hinzu. Leider ist dieses Denken nicht sehr ausgeprägt, auch nicht im täglichen Leben. Ein Volk, welches die Discounter geboren hat, tut sich schwer mit anderen Kriterien als dem Preis. Darüber darf man kritisch nachdenken.

Um es gleich vorwegzunehmen, wir brauchen keine neuen Köpfe, aber neue Ideen zur Zusammenarbeit in unseren Leistungsnetzwerken. Wenn wir genau mit dieser Sicht anfangen, dass alle Unternehmen Partner in einem Leistungsnetzwerk sind, welches sich gemeinsam ausrichtet an dem Erfolg der Nutzer, dann kommen wir weiter. Auch jeder von uns als „Endnutzer“ sollte seine Haltung als Kunde überdenken. Billig ist hier nicht alles. Bekomme ich nachhaltige Lösungen? Ist jemand zur Stelle wenn es Probleme gibt? Darf ich ausprobieren? Warum nicht ein Tauschgeschäft? Es gibt viele weitere Ideen, die einen Gedanken wert sind bevor wir uns für den „billigsten“ entscheiden.

So wie es aussieht, hat das auch die Politik verstanden. Auf jeden Fall scheint sich ein Partnernetzwerk für die nächsten vier Jahre zu bilden, welches die Probleme angehen will, trotz unterschiedlicher Interessen. Vielleicht ist das eine Blaupause für die Zusammenarbeit in den zukünftigen Beschaffungsnetzwerken. Wir können es beobachten.

Das ist unser Kolumnist Kai-Olaf Dammenhain

Kai-Olaf Dammenhain
(Bild: Dammenhain)
  • Geschäftsführer beNIMBL GmbH – Digital Advisory Techedge Group
  • 60 Jahre alt, Maschinenbau studiert in München mit Fokus R&D und Produktion
  • Über 30 Jahre Berufserfahrung in der Industrie und Beratung
  • Lehraufträge an Fachhochschule und DHBW, TUM Alumni und Mitglied TUM Mentoring Program

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