Der Schiffbau (im Bild der Einsatzversorger "Bonn" bei einer Probefahrt) macht Thyssenkrupp Probleme.

Der Schiffbau (im Bild der Einsatzversorger "Bonn" bei einer Probefahrt) macht Thyssenkrupp Probleme. - Bild: Thyssenkrupp

| von Stefan Weinzierl

Thyssenkrupp will nun mit einem Umbau des Bereichs sowie Einsparungen gegensteuern. Die Aktie verlor am Mittwochmorgen zum Auftakt mehr als zwei Prozent. "Der neue Ausblick ist ein Desaster", kommentierte ein Händler in einer ersten Reaktion.

Für das laufende Jahr rechnet Thyssenkrupp nun mit einem bereinigten Ebit von rund 1,8 Milliarden Euro, nach 1,72 Milliarden Euro im Vorjahr, und damit am unteren Ende der zuvor gesetzten Spanne. Bislang hatte sich der Konzern eine Bandbreite von 1,8 bis 2 Milliarden Euro gesetzt. Für den Anlagen- und Schiffbau erwartet das Unternehmen im dritten Quartal einen bereinigten operativen Verlust (Ebit) von rund 220 Millionen Euro. Auch der Umsatz der Sparte werde geringer ausfallen als gedacht.

Das liegt an höheren Kosten für ein Marineprojekt in der Türkei, einer Zementanlage in Saudi-Arabien sowie einem Bioheizkraftwerk in Australien, berichtete Thyssenkrupp. Aber auch ohne die Belastungen werde die Sparte im dritten Quartal einen Verlust in einem niedrigen zweistelligen Millionenbereich verzeichnen, hieß es. Denn generell hält die Nachfrageschwäche bei Großprojekten an, was sich in einem geringeren Auftragseingang niederschlägt. Zudem dauert es immer länger, bis solche Projekte auch wirklich realisiert werden. Der neue Vorstandsvorsitzende Guido Kerkhoff, der das Amt vor kurzem übergangsweise nach dem abrupten Rücktritt von Herbert Hiesinger übernommen hatte, will nun mit einem Umbau gegensteuern.

Die Aufstellung im Anlagenbau müsse an diese veränderten Marktbedingungen angepasst werden, erklärte Kerkhoff. Denn Thyssenkrupp hatte ursprünglich auf ein Wachstum bei Großprojekten vor allem im Chemie- und Zementanlagenbau gesetzt. Doch gerade dort habe sich die Zahl der Projekte zuletzt verringert. Der Zementmarkt zum Beispiel leidet derzeit unter Überkapazitäten. Thyssenkrupp will sich daher künftig verstärkt auf kleinere Projekte und das renditeträchtigere Servicegeschäft konzentrieren. Zudem sollen die Kosten gesenkt und die Komplexität des Bereichs verringert werden.

Die Probleme im Anlagenbau wirken sich auch negativ auf die Barmittel aus. Bei dieser bei Analysten besonders im Fokus stehenden Kennziffer geht Thyssenkrupp nicht mehr von einer positiven Entwicklung aus, sondern von einem Abfluss. Der Jahresüberschuss des Konzerns soll dennoch weiter signifikant besser als das Vorjahresergebnis von 271 Millionen Euro ausfallen. Die Zahlen für das dritte Quartal will Thyssenkrupp am 9. August veröffentlichen. Dann will Kerkhoff neue mittelfristige Perspektiven für die verschiedenen Geschäftsbereiche vorlegen.

Thyssenkrupp steht unter Druck. Der anhaltende Konflikt mit Großaktionär Cevian sowie Uneinigkeit im Aufsichtsrat und die weitere Strategie hatten zuletzt eine Führungskrise ausgelöst. Chef Hiesinger sowie Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Lehner warfen daraufhin das Handtuch. Nachfolger gibt es bislang nicht. Cevian-Mitgründer Lars Förberg forderte zuletzt wiederholt mehr Freiraum für einzelne Sparten nach dem Vorbild von Siemens <DE0007236101>. Damit würden Börsengänge einzelner Bereiche oder Teilverkäufe einfacher. Fortschritte im Konzernumbau gingen ihm zu langsam. Zudem stimmte Cevian gegen die Fusion der Stahlsparte mit dem europäischen Geschäft von Tata Steel, weil er die Bedingungen für Thyssenkrupp zu nachteilig beurteilte.

Im Mai war zudem der Hedgefonds Elliott des US-Milliardärs Paul Singer bei Thyssenkrupp eingestiegen und drängte ebenfalls auf einen raschen Umbau - von einer Zerschlagung will der Finanzinvestor hingegen nichts wissen. Das bekräftigte Elliot-Fondsmanager Franck Tuil jetzt nochmals in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" (Mittwoch). Zur Weiterentwicklung der Strategie könnte die Veräußerung kleinerer Unternehmensteile gehören, aber sicherlich keine Zerschlagung, sagte er.