Gebäude von Thysenkrupp, auf dem in der Mitte das Logo des Unternehmens zu sehen ist.

Thyssenkrupp hat einen Sanierungsplan für das Unternehmen vorgestellt. - Bild: Thyssenkrupp

| von Anja Ringel

Thyssenkrupp drückt aufs Gaspedal: Um das kriselnde Unternehmen zu retten, hat CEO Martina Merz jetzt einen neuen Strategieplan vorgestellt. 

Konkret will sich der Konzern von einigen Geschäftsfeldern trennen. So sollen unter anderem für den Anlagenbau, das Edelstahlwerk in Terni (Italien) sowie für den Bereich Federn und Stabilisatoren entweder Partnerschaften oder Käufer gefunden werden. Für die Bereiche Infrastruktur, Grobblech und Battery Solutions prüft das Unternehmen ebenfalls einen Verkauf. Auch Standortschließungen sind im Gespräch. Insgesamt sind rund 20.000 Mitarbeiter von den Sanierungsplänen betroffen. Den Jahresumsatz dieser Bereiche schätzt das Unternehmen auch rund sechs Milliarden Euro.

Die Entscheidungen waren laut Merz angesichts der alles andere als rosigen Ausgangslage des einstigen Stahlriesen schwierig, aber “überfällig”: In die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2020 fiel ein Verlust von 1,3 Milliarden Euro. Dazu kommen Auftrags- und Umsatzrückgänge. Anfang Mai musste das Unternehmen einen KfW-Sofortkredit von einer Milliarde Euro beantragen.

CEO Martina Merz
CEO Martina Merz hat den neuen Strategieplan für Thyssenkrupp vorgestellt. - Bild: Thyssenkrupp

Dank der neuen Strategie soll der Konzern nun aus der Krise herauskommen. Das Ziel ist laut Unternehmen eine „leistungsstarke ‚Group of Companies‘ mit einem schlanken Führungsmodell und einem klar strukturierten Portfolio.“

Wie geht es mit dem Stahlbereich weiter?

Die Zukunft des einstigen Vorzeigebereichs “Stahl” ist dagegen weiter ungewiss. Momentan wird geprüft, ob das Geschäftsfeld weiter ein eigenständiger Bereich bleiben oder ob eine Partnerschaft mit einem Wettbewerber eingegangen werden soll. „Gespräche finden mit Kenntnis des Aufsichtsrats bereits statt“, teilte Thyssenkrupp mit. Auch eine Abgabe der Mehrheit an der Stahlsparte ist laut Merz denkbar. „Es gibt keine Denkverbote“, sagte die Konzernchefin nach Angaben der Deutschen Presseagentur.

Durch die Coronakrise kommt es bei Stahl derzeit verstärkt zu Überkapazitäten in Europa. Deshalb nehme die Notwendigkeit einer Konsolidierung weiter zu, teilte das Unternehmen mit. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Stahlbereichs zu sichern, hatte Thyssenkrupp zuletzt die „Stahl-Strategie 20-30“ beschlossen. Dazu zählen unter anderem der Abbau von 3.000 Arbeitsplätzen sowie Investitionen in Höhe von 800 Millionen Euro in den kommenden sechs Jahren. Die Umsetzung der Strategie soll auch bei einer Partnerschaft fortgeführt werden, hieß es.

 

Auf Partnersuche für den Marineschiffbau

Ähnlich sieht die Situation für den Marineschiffbau aus. Auch hier führt der Konzern derzeit Gespräche mit potenziellen Partnern. Aber auch ein Verbleib im Unternehmen sei denkbar. „Um die Arbeitsplätze und Werftstandorte zu sichern, ist die Schaffung eines starken Marinekonzerns sinnvoll. Thyssenkrupp ist deshalb offen für Lösungen, die Marine Systems langfristig in eine noch stärkere Position bringen“, sagt Oliver Burkhard, Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Thyssenkrupp AG mit Ressortverantwortung für Marine Systems. Dafür gebe es nationale und europäische Optionen.

Die Nachrichteagentur Reuters hat vergangene Woche aus internen Kreisen erfahren, dass das Essener Unternehmen mit dem italienischen Konkurrenten Fincantieri Gespräche über eine mögliche Partnerschaft führt.

Diese Bereiche werden vom Unternehmen weitergeführt

In Eigenregie weitergeführt werden sollen dagegen das Automobilzulieferergeschäft, der Werkstoffhandel sowie Industriekomponenten. „Thyssenkrupp wird kleiner, aber stärker aus dem Umbau hervorgehen“, sagte CEO Merz. Ziel der neuen Strategie soll dabei die Leistungsfähigkeit aller Geschäfte sein, erklärte das Unternehmen.

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„Das Prinzip ‚Performance first‘ gilt unverändert weiter und ist jetzt wichtiger denn je“, ergänzte Finanzvorstand Dr. Klaus Keysberg. Nach dem Abschluss des Aufzuggeschäfts komme es darauf an, die Profitabilität der verbleibenden Geschäfte so zu stärken, sodass Thyssenkrupp ohne diese Sparte einen nachhaltig positiven Cashflow erwirtschaften kann.

Wie berichtet, verkauft der Industriekonzern seine Aufzugsparte für 17,2 Milliarden Euro an ein Konsortium von Finanzinvestoren. Den Erlös will Thyssenkrupp nach eigener Aussage zunächst dazu nutzen, Finanzschulden zurückzuzahlen. Ein Teil des Erlöses soll für die Entwicklung der verbleibenden Geschäfte eingesetzt werden.

Die IG Metall steht hinter den Plänen

Rückendeckung für die Sanierungspläne kommt von der IG Metall. Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Thyssenkrupp, sagte: „Die Arbeitnehmerseite trägt eine Neuordnung des Konzerns Thyssenkrupp mit, die sich auf die Werkstoff- und Industriegütergeschäfte konzentriert.“

Bei Stahl und Marine Systems erwarte man, dass neben einem eigenständigen Weg auch Konsolidierungsoptionen unter der Federführung von Thyssenkrupp geprüft werden. Eine Holding, „die sich als Laienspieler in verschiedensten Märkten tummelt und beim industriellen Kerngeschäft Stahl nur noch als Juniorpartner“, lehnt Kerner ab.

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