Laserexperimente

Zwar nicht so bunt wie in "Star Wars", aber unter Umständen genauso zerstörerisch: Laserwaffen, an denen die Rüstungsindustrie derzeit arbeitet. - Bild: Pixabay/Wikilmages

Seinen Sohn musste Rheinmetalls Laserwaffen-Chef enttäuschen. "Der hat mir gesagt, 'Papa, mach es wie bei Star Wars und mach die Laserstrahlen rot und grün  - dann weiß man, wer die Guten sind und wer die Bösen'", erinnert sich Alexander Graf, Leiter Programmmanagement Directed Energy. Doch Rheinmetalls Laserstrahlen sind aufgrund des gewählten Wellenlängenbereichs unsichtbar. Die Wirkung hingegen ist nicht nur sichtbar, sondern verheerend: Durch enorme Hitze fangen Drohnen an zu brennen oder Stahlträger schmelzen.

Der Konzern setzt stärker auf Laserwaffen als zuvor, wie einige globale Konkurrenten auch. Unlängst konnte Rheinmetall einen Erfolg melden: Der Düsseldorfer Konzern entwickelt gemeinsam mit seinem Konkurrenten MBDA aus dem bayerischen Schrobenhausen einen Hochenergie-Lasereffektor für die Marine, bis 2021 soll so ein Gerät auf einem Schiff installiert und erprobt werden. Läuft es gut, kann ein Auftrag für einen Prototypen erfolgen. Über das finanzielle Volumen des Demonstrator-Auftrags machen die Parteien keine Angaben.

Großes militärisches Potenzial

Zu dem Schiffslaser könnte noch eine Waffe für den Landeinsatz hinzukommen: Rheinmetall gab Gespräche zwischen den deutschen und niederländischen Behörden bekannt, um einen Technologiedemonstrator fürs Heer bis spätestens 2023 zu bauen. Auf industrieller Seite sind unter anderem Rheinmetall und MBDA Deutschland mit von der Partie.

Laserwaffen wird schon seit langem großes militärisches Potenzial beigemessen: Auch Staaten wie die USA, China, Großbritannien, die Türkei und Indien setzen auf ihre Entwicklung. Doch alles in allem führen diese Waffen noch ein Schattendasein. So wertet der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) Laser zwar als "wesentliche Zukunftstechnologie", weist aber darauf hin, dass "hier noch ein erheblicher Forschungs- und Entwicklungsaufwand erforderlich ist".

"Laserstrahlen sind präzise, geräuschlos und durch ihren Einsatz werden Kollateralschäden vermieden."

- Alexander Graf, Leiter Programmmanagement Directed Energy bei Rheinmetall

Rheinmetaller Graf ist überzeugt von der Technologie. "Laserstrahlen sind präzise, geräuschlos und durch ihren Einsatz werden Kollateralschäden vermieden", sagt der Ex-Kommandant eines Minenjagdboots, der im niedersächsischen Unterlüß arbeitet. Dort erprobt Rheinmetall auf 54 Quadratkilometern unter anderem Panzer.

2000 Menschen sind dort tätig. Nur rund 20 davon arbeiten in einem Laserzentrum, das in einem unscheinbaren Bungalow untergebracht ist. Davor ist ein großer dunkelgrüner Kasten zu sehen - ein Sanitätsmodul samt 10-Kilowatt-Laser, das auf den Transportpanzer Boxer aufgesetzt und damit mobil wird.

Das Gerät hat schon einige Jahre auf dem Buckel, eine neue Version ist bald am Start. Die Liste der Tests ist lang: 2012 wurde nach eigenen Angaben ein Stahlträger aus 1000 Metern Entfernung zerschmolzen, später wurden Drohnen über der Ostsee und in den Alpen vom Himmel geholt. "Laser sind derzeit vor allem für den Einsatz gegen kleinere Drohnen geeignet", sagt Graf.

Das Wetter hat großen Einfluss auf die Laserstrahlen

Das Prinzip: Der Laserstrahl - bestehend aus Photonen, also Licht - trifft auf eine Oberfläche, die sich schnell erhitzt. Knackpunkt hierbei ist das sogenannte Tracking: Der Laserstrahl muss am selben Punkt bleiben, damit dort sehr schnell viel Wärme entstehen kann. Jahrelang erprobte Rheinmetalls Team auf einer zwei Kilometer langen Teststrecke, wie sich das Wetter auf die Laserstrahlen auswirkt.

Laserwaffen im Militär? Experten sind skeptisch. "Seit Jahrzehnten setzen Staaten wie die USA auf die Entwicklung von Laserwaffen, aber vorangegangen ist es kaum", sagt der Rüstungsexperte Marcel Dickow von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Wirkung von gerichteter Strahlung sei je nach Material und Umgebung sehr schwer vorherzusagen.

"Anders als in den Hochglanzprospekten der Rüstungskonzerne angegeben ist eine effiziente militärische Anwendung noch nicht absehbar", sagt er. Nicht nur die Installation und Verlegung der großen Geräte wäre aufwendig, sondern auch das Training der Soldaten. Der Lasereinsatz sei zudem sehr wetterabhängig - bei Regen oder Nebel sei so ein Infrarot-Laser, je nach benutzter Wellenlänge, praktisch unbrauchbar.

"Seit Jahrzehnten setzen Staaten wie die USA auf die Entwicklung von Laserwaffen, aber vorangegangen ist es kaum."

- Marcel Dickow, Rüstungsexperte von der Stiftung Wissenschaft und Politik

Was passiert, wenn der Laserstrahl danebengeht?

Die Laserchefin von MBDA Deutschland, Doris Laarmann, sieht das anders - sie betont Fortschritte in der Technologie. "Wir haben im vergangenen Jahrzehnt viel Erfahrungen gesammelt, aus denen wir die richtigen Schlüsse gezogen haben." Die Energiefrage sei vor allem bei der Marine unproblematisch, schließlich verfügten die Schiffe über große Motoren an Bord und damit über genug Strom.

Was ist mit Kollateralschäden - was wäre, wenn der Laserstrahl doch danebengeht und Menschen dahinter trifft, etwa an Bord einer vorbeifliegenden Passagiermaschine? Klar ist: Die Wirkung könnte katastrophal sein - Menschen könnten erblinden. MBDA-Entwicklerin Laarmann und ihr Rheinmetall-Kollege Graf beteuern, dass so ein Szenario so gut wie ausgeschlossen sei. Denn: Verliert der Laser seinen Track - also seinen Zielpunkt - erlösche er automatisch.

Die Marine sieht den anstehenden Demonstrator-Einsatz auf einem ihrer Schiffe positiv. "Hochenergielaser haben sehr viele Vorteile - sie sind sehr präzise und man kann ihre Wirkung skalieren, etwa um den Motor eines feindlichen Schnellboots auszuschalten", sagt Fregattenkapitän Klaus Bohnenstengel.

Das sei bei Artilleriegeschossen anders, die im Ziel stets mit voller Wucht detonierten. Und wie geht es weiter? Zunächst müsse man Laser-Erfahrungen zur See sammeln. Bohnenstengel rechnet damit, dass ein erstes Seriensystem eines Hochenergielasers ab Mitte des nächsten Jahrzehnts operativ in der Marine eingesetzt werden kann.

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