Deutscher Kampfhubschrauber fliegt über Landschaft

In den kommenden Jahren soll die Bundeswehr neu ausgerüstet werden. Im Bild der Unterstützungshubschrauber (UH) Tiger - die von der Bundeswehr genutzte Version des gleichnamigen Kampfhubschraubers von Airbus Helicopters (ehemals Eurocopter). (Bild: filmbildfabrik - stock.adobe.com)

Milliarden für die Rüstung: Als Reaktion auf den Ukraine-Krieg und die Drohungen von Russlands Präsident Wladimir Putin gegen den Westen hat die Bundesregierung ein einmaliges "Sondervermögen" von 100 Milliarden Euro und eine deutliche Aufstockung der jährlichen Verteidigungsausgaben beschlossen. Nötig sei eine "große nationale Kraftanstrengung", erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz Ende Februar.

Viele Industriekonzerne sehen in den Investitionen auch eine Chance für ihr Geschäft. Armin Papperger, Chef von Rheinmetall, geht zum Beispiel davon aus, dass ein Unternehmen bis zu 3.000 neue Mitarbeitende einstellen wird, um die neuen Bundeswehr-Aufträge abzuarbeiten. Den ersten Auftrag für mehrere tausend neue Helme hat der Rüstungskonzern bereits erhalten.

Auch der Kleinwaffen-Hersteller Heckler & Koch, der Rüstungselektronik-Konzern Hensoldt und der Flugkörper-Fabrikant Diehl stellen sich auf mehr Geschäft ein. Der Panzerfaust-Hersteller Dynamit Nobel Defence dürfte laut DPA ebenfalls viele Aufträge bekommen.

2020 haben 55.535 Menschen in der deutschen Rüstungsindustrie gearbeitet und einen Umsatz von 11,2 Milliarden Euro erwirtschaftet. Fünf Jahre vorher waren etwas mehr Menschen in der Branche beschäftigt und zwar 56.598. Der Umsatz lag 2015 bei knapp 1,7 Milliarden Euro.

Wie viele Beschäftigte arbeiten in den verschiedenen Bereichen der Rüstungsindustrie? Und wie hoch war der jeweilige Umsatz? In der Bildergalerie erfahren Sie es:

Top 4 der größten Rüstungsunternehmen in Deutschland

Bisher hat die Rüstungsindustrie eine eher untergeordnete Rolle in der deutschen Wirtschaft gespielt: 2015 erwirtschaftete Deutschland ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Höhe von 3.026,6 Milliarden Euro. Davon sind knapp acht Milliarden Euro auf die Rüstungsindustrie entfallen. Somit haben Rüstungsgüter einen Anteil von 0,26 Prozent am gesamten BIP ausgemacht.

Im vergangenen Jahr investierte die Bundesrepublik rund 47 Milliarden Euro in die Verteidigung. Allerdings entfielen nur 18,5 Prozent für neue Ausrüstung und 3,5 Prozent für Forschung und Entwicklung. Der größte Teil (41 Prozent) wurde laut IWD für Personalausgaben und Versorgungansprüchen ausgegeben.

Schaut man sich die Umsätze der Unternehmen im Rüstungsbereich an, ist Airbus der mit Abstand größte Rüstungskonzern in Deutschland (Stand: 2020). Rheinmetall landet auf Platz 2, gefolgt von KNDS und Hensoldt.

Die genauen Umsätze und die Rüstungsanteile an den Gesamtumsätzen erfahren Sie in der Grafik:

Mehr zu den größten deutschen Rüstungsunternehmen erfahren Sie hier.

Die Rüstungssparte von Airbus - Airbus Defence & Space investiert derzeit unter anderem in die Digitalisierung. Im Podcast Industry Insights erklärt Christina Reuter, Head of Digital Design, Manufacturing and Services at Operations, Ziel sei es, die digitale Infrastruktur so miteinander zu vernetzen, dass am Ende alles miteinander verknüpft sei. Die Zusammenarbeit solle künftig funktionsübergreifend mit Engineering, Services etc. ablaufen, sodass der Konzern am Ende seine Kunden schneller mit Produkten und Lösungen bedienen könne, aber auch intern effizienter werde, so Reuter.

Im Podcast erklärt sie außerdem, wie weit Airbus dabei schon ist:

Weltweit gesehen dominieren die USA die Branche. Da ist es wenig verwunderlich, dass auch ein US-Konzern das größte Rüstungsunternehmen der Welt ist. Um welchen Konzern es sich handelt und wer die weltweiten Top 10 sind, lesen Sie hier.

Rüstungsexporte: Dieses Land liegt auf Platz 1

Exporte sind für die deutschen Unternehmen sehr wichtig. Im vergangenen Jahr wurden Rüstungsexporte für rund neun Milliarden Euro genehmigt - ein neuer Rekordwert. 2020 lag der Wert noch bei 5,8 Milliarden Euro.

Das mit Abstand größte Abnehmerland war 2021 Ägypten. In das Land gingen Ausfuhren im Wert von 4,3 Milliarden Euro. Ägypten hat damit Ungarn von Platz 1 abgelöst.

Viele deutsche Exporte gingen im vergangenen Jahr auch an die USA, die Niederlande, Singapur, Australien, Großbritannien und Südkorea.

Die Top 3 der vergangenen fünf Jahre und den Anteil am Export sehen Sie in der Grafik:

Rüstungsexportgesetz: Industrie befürchtet Nachteile

Wer in diesem Jahr auf der Liste der Exportländer ganz oben steht, bleibt abzuwarten. Denn die Ampel-Koalition hat sich vorgenommen, die Rüstungsexporte in sogenannte Drittstaaten außerhalb von EU und Nato einzuschränken. Um das besser kontrollieren zu können, will sie ein Rüstungsexportgesetz auf den Weg bringen. Die deutsche Rüstungsindustrie befürchtet deshalb deutliche Wettbewerbsnachteile.

Die durch die geplanten Einschränkungen entstehenden Lücken würden dann von anderen europäischen Ländern geschlossen und die Chancen deutscher Unternehmen auf Beteiligung an europäischen Rüstungsprojekten geschmälert, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, Hans Christoph Atzpodien, der Deutschen Presse-Agentur Anfang des Jahres.

Deutsche Rüstungsgüter sind also im Ausland begehrt. Wer die wichtigsten Käufer sind, erfahren Sie in diesem Artikel: "In diese Länder gingen deutsche Rüstungsexporte"

Die Industrie freut sich derweil über Kurssteigerungen an der Börse: Mit 178 Euro notierte zum Beispiel die Aktie von Rheinmetall im März auf einem neuen Rekordhoch.

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