Galaxy Note 7 Samsung

Mit dem Galaxy Note 7 wollte Samsung eigentlich dem iPhone 7 von US-Wettbewerber Apple die Stirn bieten. Jetzt wird es komplett vom Markt genommen. Bild: Samsung

| von Karoline Kopp

Immer dünner, immer leichter, immer mehr Power: Eigentlich sollte das Samsung Galaxy Note 7 dem iPhone 7 von US-Konkurrent Apple die Butter vom Brot nehmen. Nachdem jedoch mehrere der rund 850 Euro teuren Premium-Smartphones wegen brennender Akkus in Flammen aufgegangen sind, stampfen die Koreaner das Flaggschiffmodell wieder ein.

Das Modell wird komplett vom Markt genommen. Was genau passiert ist, weiß man nicht. Denn die Informationspolitik des patriarchisch geführten Familienkonzerns ist sehr zurückhaltend. Zwar wird der Produktrückruf hoch effizient abgewickelt, aber Aussagen zu den technischen Hintergründen oder zu der Zahl der in einzelnen Ländern betroffenen Geräte gibt es nicht.

Es bleibt die Frage: Wo liegt eigentlich Samsungs Problem? Sind es Fehler in der Entwicklung, der Produktion oder in der Testphase? "Konkret wissen das nur und hoffentlich die Experten bei Samsung", sagt Professor Werner Tillmetz, Vorstandsmitglied am Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und Leiter des Geschäftsbereichs Elektrochemische Energietechnologien.

Nach Ansicht des Experten ist es zu allererst wichtig, sich die Fakten bewusst zu machen. "Die Fehlerrate liegt bei weniger als einem Fehler pro einer Million Handys – da hilft Testen beispielsweise nicht viel weiter. Jedes Quartal werden weltweit fast 500 Millionen Handys verkauft; vom Marktführer Samsung kommen davon 100 Millionen."

Dabei sei der Wettbewerb knallhart – da genüge ein Blick auf die Ausstiege von Nokia und Black Berry. "Die Nutzer wollen ständig online sein und fordern komplexe Programme. Das führt zu immer mehr Energiebedarf und gleichzeitig darf das Handy nicht dicker und schwerer werden. Für die genannten Stückzahlen müssen die Produktionsgeschwindigkeiten extrem hoch sein – etwa 10 Akkus pro Minute."

"Ich trage mein Handy weiter in der Hosentasche"

Unterdessen werden die Komponenten beim Ausreizen der Technologie immer kleiner und anfälliger. "Das alles zusammengenommen bedeutet, dass man immer näher an die Grenzen des Machbaren kommt, und es scheint, dass Samsung da Grenzen überschritten hat", erläutert Tillmetz.

Lithium-Ionen-Akkus selbst, die schon wegen brennender Elektro­sportwagen von Tesla und überhitzter Sony-Laptops in die Schlagzeilen geraten waren, hält der ZSW-Experte aber für eine sichere Technologie. "Generell sind Lithium-Ionen-Akkus sicher, wenn sie professionell hergestellt wurden und vorschriftsmäßig genutzt werden. Ich trage mein Handy mit Li-Ionen-Akku nach wie vor in der Hosentasche."

Das Ende des Galaxy Note 7 dürfte Samsung 4 Mrd Dollar kosten, schätzen Analysten. Das würde die Mobil-Gewinne eines gesamten Quartals zunichte machen. Der Konzern will die Krise damit ein für alle Mal beenden, bevor sie über das Galaxy Note 7 hinaus noch weiteren Image-Schaden anrichtet.

"Samsung muss jetzt schnell sein und sein Marken-Image schützen", sagt Mark Newman, Aktienanalyst bei Bernstein. Samsung solle sogar in Erwägung ziehen, die Galaxy-Note-Serie komplett ad acta zu legen.

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