Vor dem Werk in Schweinfurt wehen zwei weiße und eine grüne Fahne, auf denen jeweils "Schaeffler" steht.

Schaeffler zieht seine Prognose für 2020 zurück. Das Bild zeigt den Standort in Schweinfurt. - Bild: Schaeffler

| von Anja Ringel

Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler setzt aufgrund der Coronavirus-Pandemie die Prognose für 2020 aus. Wegen der sich weltweit ausweitenden Corona-Krise sei es derzeit nicht möglich, den weiteren Verlauf und die wirtschaftlichen Folgen verlässlich abzuschätzen, teilte das Unternehmen am Dienstag (24.3.) im fränkischen Herzogenaurach mit. Der Vorstand werde eine neue Prognose abgeben, sobald dies möglich ist, hieß es.

Am Kapitalmarkt sorgten die Nachrichten zunächst kaum für Bewegung. Die Schaeffler-Vorzugsaktie lag am Mittag weitgehend unverändert rund fünf Prozent im Plus. Im laufenden Jahr haben die Papiere im Zuge der grassierenden Panik an den Märkten jedoch bereits über 45 Prozent verloren, in den zurückliegenden drei Jahren sieht es mit einem Minus von fast 70 Prozent noch finsterer aus.

Wegen Coronavirus: Schaeffler sagt Hauptversammlung ab

Ursprünglich wollte Schaeffler am Dienstag seine Strategie und Mittelfristziele bis 2024 kommunizieren. Doch davon hatte das Unternehmen wegen der sich verschärfenden Krise und der damit verbundenen Unsicherheit Abstand genommen.

Erst vor wenigen Tagen hatte Schaeffler mitgeteilt, dass der Konzern wegen der Folgen des neuartigen Coronavirus seine Produktion im Autogeschäft kappt und mit einem Maßnahmenpaket gegen die Krise vorgehen will, darunter Kurzarbeit, Schließtage und Betriebsferien. Auch seine eigentlich für den 17. April in Nürnberg geplante Hauptversammlung hatte Schaeffler wegen der Coronavirus-Pandemie auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Der Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter und der Erhalt der Lieferketten stehe im Mittelpunkt, so das Unternehmen.

"Die Corona-Krise trifft uns wie die gesamte Wirtschaft", sagte Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld. Er zeigte sich ungeachtet aller Probleme aber zuversichtlich, dass der Konzern die Krise meistern werde.

Corona-Krise kommt zu einer denkbar schlechten Zeit

Bislang hatte der Spezialist für Getriebe, Kupplungen und Wälzlager beim Umsatz 2020 einen währungsbereinigten Rückgang von bis zu zwei Prozent erwartet. Bestenfalls dürften die Erlöse das Vorjahresniveau erreichen, hieß es noch vor zwei Wochen. Von den Erlösen sollten im laufenden Jahr 6,5 bis 7,5 Prozent als bereinigter Gewinn vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) übrig bleiben. Das wäre deutlich weniger gewesen als im Vorjahr. Da war die Marge bereits um 1,6 Prozentpunkte auf 8,1 Prozent zurückgegangen.

Schaeffler leidet wie etliche weitere Zulieferer unter der anhaltend mauen Autokonjunktur, die Corona-Krise kommt daher zu einer denkbar schlechten Zeit. Das Unternehmen ist noch vergleichsweise stark vom klassischen Verbrennungsmotor abhängig, der Schwenk hin zur Elektromobilität ist recht groß.