Zwei Männer mit Mundschutz arbeiten in einem Büro.

Drei Viertel der Start-ups sind durch die momentane Krise beeinträchtigt. - Bild: Adobe Stock/loreanto

| von Anja Ringel

Wird Corona zum Start-up-Killer? Diese Frage haben wir Ende März gestellt (zum Artikel geht es hier). Neun von zehn Start-ups waren damals durch Corona in ihrer Geschäftstätigkeit beeinträchtigt. Der Start-up-Verband hatte deshalb Alarm geschlagen, forderte Hilfen von der Politik. Jetzt – ein halbes Jahr später – gab es ein Lob für die Bundesregierung.

Es sei in der Start-up-Szene genauso abgelaufen, wie wahrscheinlich überall in der Gesellschaft, sagte David Hanf, stellvertretender Präsident des Bundesverbands Deutsche Start-ups jetzt auf einer Veranstaltung. In den ersten Wochen habe es viele Dramen gegeben, die Lage habe sich dann aber ein bisschen entspannt. Es sei bemerkenswert gewesen, wie schnell der Start-up-Szene zugehört wurde, erinnerte sich Hanf.

Wie die Situation angegangen wurde sei deshalb gut gewesen. Nicht ganz so gut habe die Umsetzung geklappt. Als Beispiel nannte Hanf Matching Fonds – also Fonds, bei denen der Staat noch die Hälfte dazugibt, wenn ein Investor vorangeht. In den Niederlanden und England habe man gestaunt, wie schnell es die Ankündigung im April dazu gab. Bis die Fonds jedoch live gegangen sind hat es noch bis August gedauert. Hanf zeigte Verständnis, dass es länger dauern kann – die Start-ups hätten sich das jedoch schneller gewünscht.

Das sind die Herausforderungen für die Start-ups

Insgesamt seien jedoch viele gut durch die Krise gekommen, bei einigen Unternehmen sei die Lage aber auch angespannt. Konkret heißt das: Drei Viertel der Start-ups sind aufgrund der momentanen Krise beeinträchtigt. 13 Prozent berichten von einer positiven Entwicklung. Die Zahlen gehen aus dem neuesten Start-up-Monitor hervor, der kürzlich veröffentlicht wurde. 

Aktuelle Herausforderungen sind für die jungen Firmen dabei Kundengewinnung (68 Prozent), Kapitalbeschaffung (43 Prozent) und Cashflow/Liquidität (32 Prozent). Dennoch planen 90 Prozent der Start-ups mit Neueinstellungen. Aber: Im Durchschnitt wollen die Firmen sechs neue Mitglieder einstellen. Vor einem Jahr waren es noch acht.

„Deutsche Start-ups werden immer mehr zum Jobmotor der deutschen Wirtschaft“, sagte Jannis Gilde, Projektleiter Research beim Start-up-Verband. In Berlin gebe es inzwischen 80.000 Arbeitsplätze durch Start-ups. Damit der Trend anhält, will die Politik weitere Maßnahmen beschließen. Das machten Vertreter der Union, SPD, FDP und der Grünen auf einer Veranstaltung des Start-up-Verbands deutlich.

Die komplette Veranstaltung können Sie hier nachschauen:

 

Zukunftsfonds soll zu mehr Kapital führen

Helfen soll vor allem der Zukunftsfonds. Der soll neues Kapital bereitstellen, indem institutionelle Anleger wie Versicherungen, Krankenkassen und Stifter investieren. Der Staat solle dabei das Risiko durch den Fonds reduzieren, erklärte Nadine Schön, Bundestagsabgeordnete der CDU/CSU. Beispiele wie in Dänemark zeigen, dass diese profitabel seien. Dafür will die Bundesregierung zehn Milliarden Euro bereitstellen. Der Zukunftsfonds solle auch dazu beitragen, dass langfristig mehr Geld im Umlauf sein soll, sagte Hanf.  

Weitere Themen, die die Start-ups von der Politik fordern, zeigt folgende Grafik:

Die Grafik zeigt welche Forderungen die Start-ups an die Bundesregierung haben.
Diese Forderungen haben die Start-ups an die Bundesregierung. - Grafik: Anja Ringel; Quelle: Deutscher Start-up-Monitor

Darauf gingen auch die Bundestagsabgeordneten ein. So sagte Schön, dass die Verwaltung digitaler werden muss. Bettina Stark-Watzinger (FDP) erklärte, die Digitalisierung im Staat könne nur in Zusammenarbeit mit Start-ups geschafft werden. Diese müssten außerdem an den Ausschreibungen beteiligt werden. Ein weiterer Punkt: Der Mittelstand sei das Juwel Deutschlands und der müsse mit den Start-ups zusammengebracht werden.

Dr. Jens Zimmermann von der SPD-Bundestagsfraktion sagte, es müsse vor allem die ganze Breite der Start-ups betrachtet werden und nicht nur eine bestimmte Branche. Es sei außerdem wichtig, das Finanzierungsumfeld zu verbessern. Für den Grünen-Politiker Dieter Janecek ist es ebenfalls essenziell, weiteres Kapital zu mobilisieren und einen geschlossenen ökologischen Rahmen für die Wirtschaft zu schaffen.

Die Zukunft der Start-ups könnte Innovation und Nachhaltigkeit heißen, erklärt die Pwc, die am Start-up-Monitor beteiligt war. 43 Prozent der befragten Unternehmen bescheinigen der Technologie einen klaren Einfluss auf ihr Geschäftsmodell.

Gleichzeitig spielen umweltspezifische und soziale Motive bei Start-up-Gründungen eine immer wichtigere Rolle: 43 Prozent der Startups ordnen ihre Produkte und Angebote der Green Economy zu. Das sind rund sieben Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Damit nehmen Startups laut Pwc eine Schlüsselfunktion ein, wenn es um innovative Lösungen für die großen Fragen rund um Klima und Nachhaltigkeit geht.

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