Ein Mann mit Maske arbeitet an einer Maschine

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich verbessert. - Bild: Adobe Stock/Ridvan

| von Anja Ringel

Die Aussichten für die deutsche Konjunktur werden nach dem drastischen Einbruch in der Coronakrise zunehmend besser. So hat sich die Stimmung in den Unternehmen im August weiter aufgehellt. Das Ifo-Geschäftsklima stieg gegenüber Juli um 2,2 Punkte auf 92,6 Zähler, wie das Ifo-Institut am Dienstag (25.8.) in München mitteilte. Es ist der vierte Anstieg in Folge - nach einem historischen Einbruch in der Coronakrise.

Analysten hatten mit einem Anstieg gerechnet, diesen allerdings nur auf im Schnitt 92,1 Punkte prognostiziert. "Die deutsche Wirtschaft ist auf Erholungskurs", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Aussicht für das nächste halbe Jahr besser. Die Stimmung unter den Unternehmenslenkern sei weiter im Aufwind, ergänzte Fuest.

In der Industrie hellt sich die Stimmung auf

In der Industrie, unter Dienstleistern und am Bau hellte sich die Stimmung spürbar auf. Im Handel war die Stimmung zwar auch besser, sie stieg aber nur leicht. Im Großhandel trübte sie sich sogar etwas ein. Das Ifo-Geschäftsklima gilt als der wichtigste konjunkturelle Frühindikator Deutschlands. Jeden Monat werden etwa 9.000 Unternehmen nach ihrer wirtschaftlichen Einschätzung befragt.

Im internationalen Vergleich ist die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland jedoch weiter schlecht. Das zeigt der Global Business Barometer von 'The Economist'. Die Studie befragt alle drei Monate Führungskräfte zur aktuellen Lage. Die letzte Umfrage zeigt: In der Bundesrepublik ist die Stimmung am schlechtesten: 

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist im internationalen Vergleich am schlechtesten.
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist im internationalen Vergleich am schlechtesten. - Grafik: Anja Ringel; Quelle: Global Business Barometer

Wie gut es den Branchen international geht, ist dabei sehr unterschiedlich: Während das Gesundheitswesen eher positiv gestimmt ist, haben vor allem der öffentliche Sektor und Produktion Probleme:

Vor allem in der Produktion und im öffentlichen Sektor ist die Stimmung weiter schlecht.
Vor allem in der Produktion und im öffentlichen Sektor ist die Stimmung weiter schlecht. - Grafik: Anja Ringel; Quelle: Global Business Barometer

Die Coronakrise hat auch in der Staatskasse deutliche Spuren hinterlassen. Erstmals seit 2011 weisen Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen wieder ein Defizit aus. Sie gaben vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes zufolge im ersten Halbjahr 51,6 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen. Höheren staatlichen Ausgaben standen gesunkene Steuereinnahmen gegenüber. Nach einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 9,7 Prozent im zweiten Quartal rechnen Volkswirte aber mit einer Konjunkturerholung in den kommenden Monaten.

Soforthilfen ließen Ausgaben steigen

Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung lag das Defizit im ersten Halbjahr bei 3,2 Prozent, wie die Wiesbadener Behörde am Dienstag (25.8.) mitteilte. Zuletzt hatte es 2011 ein Minus in einer ersten Jahreshälfte sowie im Gesamtjahr gegeben. Die Bundesregierung hatte nach Beginn der Pandemie in Europa im März ein milliardenschweres Hilfspaket geschnürt. Insbesondere Soforthilfen und die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge für Kurzarbeit ließen den Angaben zufolge die Ausgaben steigen. Nach Einschätzung der KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib ist das öffentliche Geld in den "raschen und umfangreichen Stabilisierungsmaßnahmen" aber gut angelegt.

Zugleich verringerte sich das Steueraufkommen, das rund die Hälfte der gesamten Staatseinnahmen ausmacht, in der Wirtschaftskrise um 8,1 Prozent. Alle staatlichen Ebenen wiesen ein Finanzierungsdefizit aus, das größte Minus verzeichnete der Bund mit 27,1 Milliarden Euro.

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Das BIP brach im zweiten Quartal um 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ein - der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Berechnungen 1970. In einer ersten Schätzung war die Wiesbadener Behörde sogar von einem Minus von 10,1 Prozent ausgegangen. Bereits zum Jahresanfang war die Wirtschaftsleistung gesunken. Europas größte Volkswirtschaft steckt in einer tiefen Rezession.

Im März und April hatten infolge der Pandemie Teile der deutschen Wirtschaft faktisch stillgestanden. Ähnlich verhielt es sich in vielen anderen großen Volkswirtschaften, was den Außenhandel massiv belastete. Export und Import brachen im Zeitraum April bis Juni zweistellig ein.

Düstere Prognosen für das Gesamtjahr

Das galt auch für die privaten Konsumausgaben sowie für die Investitionen der Unternehmen in Ausrüstungen wie Maschinen. Vergleichsweise glimpflich kam bislang der Bau durch die Krise. Die Investitionen sanken im Vergleich zum starken Vorquartal nur um gut vier Prozent. Großaufträge im Juni bescherten dem Bauhauptgewerbe zudem einen versöhnlichen Halbjahresabschluss.

Volkswirte gehen davon aus, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr wieder Fahrt aufnimmt. Allerdings dürfte die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ihr Vorkrisenniveau erst 2022 wieder erreichen. Von Herbst an dürfte sich die Erholung verlangsamen. "Das liegt vor allem an Hotels, dem Luftverkehr, Reisebüros, Messeveranstaltern und anderen Dienstleistungen, wo normalerweise viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen", sagte Krämer.

Die Bundesregierung rechnet trotz der erwarteten Erholung im Gesamtjahr mit der schwersten Rezession der Nachkriegszeit. Sie ging zuletzt von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 6,3 Prozent aus. Ähnlich düster sind andere Vorhersagen.

Quellen: Dpa, Global Business Barometer

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