Hiesinger, Thyssenkrupp

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger lehnt die Pläne mancher Investoren zur Zerschlagung des Konzerns ab. - Bild: Thyssenkrupp

| von Stefan Weinzierl

Hiesinger reagierte damit indirekt auf die jüngsten Zerschlagungsfantasien, ausgelöst durch Forderungen von Cevian, der rund 18 Prozent an den Essenern hält. Die Aktie stieg nach den Äußerungen auf den höchsten Stand seit September.

Der Chef des Finanzinvestors, Lars Förberg, hatte zuvor mehrfach eine Zerschlagung des Essener Konzerns gefordert: "Ob das am besten durch Gemeinschaftsunternehmen, Abspaltungen oder den Börsengang einer Tochter zu erreichen ist, müssen Aufsichtsrat und Vorstand gemeinsam entscheiden", sagte er zuletzt in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung".

Hiesinger wies solche Ansinnen zurück. Angesichts eines wenig verlässlichen Umfeldes sei es "gut, nicht zu eng aufgestellt zu sein". Die Führung von Thyssenkrupp als integrierten Konzern schließe jedoch Veränderungen in der Zusammensetzung nicht aus. "Ganz im Gegenteil: Vor sechs Jahren hatte Thyssenkrupp acht Geschäftsbereiche, heute sind es fünf, mit Gründung des Joint Ventures (mit Tata) werden es vier sein."

Thyssenkrupp will seine Stahlsparte in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der indischen Tata Steel einbringen. Die Transaktion soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Thyssenkrupp werde danach "natürlich anders aussehen". Der Konzern werde sich stärker auf die Industriegeschäfte konzentrieren. "Wie genau wir das angehen, wird Teil unseres jährlichen Strategiedialogs von Vorstand und Aufsichtsrat im Mai sein."

Kritik kam auch von Aktionär Union Investment, der vier Millionen Thyssenkrupp-Anleger vertritt. Fondsmanager Ingo Speich kritisierte den Umbau als zu langsam und halbherzig. "Mit der Stahlfusion ist es nicht getan", sagte er laut Redetext. Der Konzernumbau müsse weiter gehen, Sparten und Geschäftsfelder müssten auf den Prüfstand gestellt werden. "Es darf dabei keine Denkverbote und Tabus mehr geben."

Wenn sich Gelegenheiten zu Joint Ventures oder vorteilhaften Verkäufen böten, sollten diese genutzt werden. Im Blick hat Speich dabei etwa den Werkstoffhandel, den Anlagenbau oder das U-Bootgeschäft. "Die Komplexität muss reduziert werden, man betreibt zu viele kapitalintensive Geschäfte, die man sich mit der schwachen Kapitalausstattung eigentlich nicht leisten kann." ThyssenKrupp solle sich schlanker aufstellen, forderte er.

Hiesinger verteidigte hingegen seinen Kurs. "Wir haben konsequent unsere Kennzahlen verbessert, Risiken abgebaut und unsere Bilanz aufgeräumt", sagte der Konzernchef. Er räumte ein, dass für die Zukunft die Ansprüche höher seien. "Mittelfristig werden wir deutlich höhere Ergebnis-, Cash- und Wertbeiträge erzielen, und damit wird auch wieder eine höhere Dividende möglich." Schwachstelle von Thyssenkrupp sei der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft, gab der Vorstandschef zu.

Die Prognose für das Geschäftsjahr 2017/18 (per Ende September) bekräftigte er. Der Umsatz soll im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich steigen. Das bereinigte operative Ergebnis soll von 1,7 Milliarden auf 1,8 bis 2,0 Milliarden Euro zulegen. Der Jahresüberschuss wird deutlich positiv erwartet. Das erste Quartal werde im Rahmen des Ausblicks liegen. "Die Richtung stimmt", sagte Hiesinger.

Bei Anlegern stießen die ersten Meldungen von der Hauptversammlung auf ein positives Echo: Die Aktien bauten mit Beginn der Veranstaltung ihre Gewinne aus. Sie standen zuletzt mit 3,81 Prozent im Plus bei 26,14 Euro, womit sie im Dax den Spitzenplatz belegte.