Donald Trump, America First

Donald Trump macht das, was er im Wahlkampf angekündigt hat: America First. - Bild: Pixabay

| von Gabriel Pankow

Die US-Regierung prüft, Einfuhrzölle auf Autos zu verhängen. Das Handelsministerium in Washington leitete im Auftrag von Präsident Donald Trump eine entsprechende Untersuchung zur Frage ein, ob Importe von Fahrzeugen Belange der nationalen Sicherheit der USA berühren. Denselben Winkelzug hatte Trump bei den Strafzöllen für Stahl und Aluminium angewandt. Hohe Zölle für Autos und Autoteile würden besonders Deutschland und Japan treffen.

Einfuhrzölle von bis zu 25 Prozent

Zuvor hatte das Wall Street Journal über die Absichten der US-Regierung berichtet. Demnach zieht Washington neue Einfuhrzölle von bis zu 25 Prozent auf Autos in Erwägung.

An der Börse in Frankfurt reagierten die Aktien deutscher Hersteller und Zulieferer am Donnerstagmorgen mit deutlichen Kursabschlägen. Kurz nach Handelsbeginn büßten die Papiere von BMW bis zu 2,6 Prozent ein, bei Daimler lag das Minus bei etwa 2,2 Prozent. Auch für VW ging es abwärts: Die Vorzugsaktien knickten zunächst um rund 1,9 Prozent ein, bei Continental betrug der Kursverlust 1,2 Prozent.

US-Handelsminister Wilbur Ross informierte auch Verteidigungsminister James Mattis, wie aus einer am Mittwochabend in Washington verbreiteten Mitteilung hervorgeht. Eine solche Prüfung kann mehrere Monate dauern. "Es gibt Hinweise darauf, dass Importe aus dem Ausland jahrzehntelang unsere heimische Autoindustrie ausgehöhlt haben", wird Ross zitiert. Die Frage sei, ob die Importe die Binnenwirtschaft schwächten und damit auch die nationale Sicherheit berührten. In diesem Fall haben Strafzölle eine größere Chance, ein mögliches Klageverfahren bei der Welthandelsorganisation WTO zu überstehen.

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Weniger Beschäftigte in der US-Autoindustrie

In den vergangenen 20 Jahren sei die Importquote bei Personenwagen von 32 Prozent auf 48 Prozent gewachsen, teilte das Ministerium weiter mit. Zwischen 1990 und 2017 sei die Beschäftigung bei den US-Autobauern um 22 Prozent gesunken, obwohl die Amerikaner mehr Autos kauften als früher. Dies könne die Innovationskraft und die Fähigkeit der technischen Entwicklung des Landes beeinträchtigen.

Der Chef des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, David McAllister (CDU), nannte die Untersuchung zu den US-Einfuhrzöllen im Südwestrundfunk eine "bedauerliche Entwicklung". Auch die USA würden am Ende "nur Nachteile" von solchen Abgaben haben, meinte der frühere niedersächsische Ministerpräsident und Ex-Aufsichtsrat bei VW. Die EU-Staaten müssten nun geschlossen auftreten: "Wir setzen auf die Kraft des Arguments, sofern das bei diesem Präsident möglich ist."

VDA-Präsident Mattes reagiert prompt

VDA-Präsident Bernhard Mattes reagierte umgehend auf die Prüfung von Importzöllen durch die US-Administration. Sein Statement im Wortlaut: "Nachdem US-Präsident Trump schon mehrfach mögliche höhere Importzölle auf Autos angesprochen hatte, war damit zu rechnen, dass die US-Administration auch offiziell mit dieser Frage beauftragt wird. Die jetzt eingeleitete Untersuchung des US-Handelsministeriums, die mehrere Monate dauern kann, kommt daher nicht überraschend."

Die deutsche Automobilindustrie beobachte die aktuelle Entwicklung aufmerksam und mit Sorge, so Mattes. Eine Erhöhung der Zollschranken sollte vermieden werden. Die deutsche Automobilindustrie hat sich stets weltweit für den gegenseitigen Abbau von Zöllen und für Freihandelsabkommen ausgesprochen. 

"Während wir unsere Produktion in den USA seit etlichen Jahren strategisch ausbauen, sinkt der Export aus Deutschland. Die deutschen Automobilhersteller exportierten im vergangenen Jahr 494.000 Autos nach Amerika. Gegenüber dem Jahr 2013 ist das ein Rückgang um ein Viertel", sagt der VDA-Präsident. "Gleichzeitig haben wir unsere Produktion an US-Standorten seit 2013 um 180.000 Einheiten auf 804.000 Fahrzeuge erhöht. Dies entspricht einem Anteil von 7,4 Prozent an der gesamten US-Fertigung, 10,9 Millionen Light Vehicles."

Deutsche Autobauer sind große Arbeitgeber in den USA

Die deutschen Hersteller beschäftigen laut VDA in den USA 36.500 Mitarbeiter, 5.700 mehr als noch im Jahr 2013. Hinzu kommen rund 80.000 Mitarbeiter bei deutschen Zulieferern. "Dieser hohe Beschäftigungsstand ist darin begründet, dass die Zulieferer nicht nur die deutschen OEM als Kunden haben, sondern auch andere Hersteller, die in den USA oder im Nafta-Raum produzieren. Insgesamt hat die deutsche Automobilindustrie also 116.500 Beschäftigte in ihren US-Werken", erläutet Mattes. 

Die deutschen Hersteller leisten laut VDA einen erheblichen Beitrag auch für die automobile Handelsbilanz der USA. "Gut jedes zweite Auto, das unsere Hersteller in den USA produzieren, geht als Export nach Europa, Asien und den Rest der Welt. Das sind rund 430.000 Fahrzeuge. Damit ist unser Anteil am gesamten US-Export, Light Vehicles, mit rund einem Viertel dreimal so hoch wie unser US-Marktanteil von 8 Prozent. 2017 haben die deutschen Konzernmarken in den USA 1,35 Millionen Light Vehicles abgesetzt", kommentiert Mattes.

Mit Material von dpa