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Der Autobauer Daimler, der Chemieriese BASF, aber auch eine Dönerbude aus NRW stehen unter türkischem Terrorverdacht. - Bild: daniel0/fotolia.com

| von Karoline Kopp

Verschiedenen Medienberichten zufolge hat die türkische Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan den deutschen Behörden eine Liste mit Terrorverdächtigen übergeben, auf der auch die Namen von deutschen Industrieunternehmen wie Daimler oder BASF auftauchen. Das BKA bestätigte dem ARD-Hauptstadtstudio, eine entsprechende Liste erhalten zu haben.

Laut einem Bericht der "Zeit" beschuldigt die Türkei insgesamt 68 Unternehmen und Einzelpersonen der Terrorunterstützung. Sie sollen Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen haben. Diese wird in der Türkei als Terrororganisation verfolgt. In Berliner Regierungskreisen werde die Liste als "absurd" und "lächerlich" bezeichnet, so die "Zeit".

Für die Konzerne ist der Vorwurf zumindest ärgerlich, könnte aber trotz dünner Beweislage auch unangenehme Folgen haben. Von Erdogan-Anhängern könnte die Liste als Aufruf zum Boykott der Produkte der betroffenen Unternehmen verstanden werden, aber auch rechtliche Probleme wären denkbar.

BDI: Eskalation beschädigt die Türkei selbst

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht den Schaden derartiger Listen und Anschuldigungen indes hauptsächlich auf Seiten der Türkei: "Jede willkürliche Verhaftung, jede willkürliche Liste, jede verbale Attacke entfernt die Türkei weiter von der Europäischen Union. Diese Eskalation beschädigt vor allem die Türkei selbst", kommentiert der Verband die Liste der angeblichen Terrorunterstützer.

"Aus Sicht des VDMA ist es bedauerlich, dass sich die Türkei offenkundig immer weiter von der engen Anbindung an Europa entfernt." /Ulrich Ackermann, Leiter Abteilung Außenwirtschaft VDMA.

Die Entwicklungen in der Türkei sieht der Industrie-Verband mit immer größerer Sorge. "Die Grundlagen einer demokratischen, offenen und starken Gesellschaft sind ausgehöhlt. Auch die Grundlagen für eine wirtschaftlich starke Türkei nehmen nachhaltig Schaden. Deutsche Unternehmen beobachten die Situation vor Ort sehr genau: Sie benötigen ein stabiles Umfeld, das immer mehr ins Wanken gerät", so der BDI weiter.

Und auch beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) stoßen die Terrorvorwürfe der Türkei gegen deutsche Unternehmen auf Unverständnis: "Aus Sicht des VDMA ist es bedauerlich, dass sich die Türkei offenkundig immer weiter von der engen Anbindung an Europa entfernt", erklärt Ulrich Ackermann, Leiter Abteilung Außenwirtschaft VDMA.

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