Trübes Wetter

Das ifo-Geschäftsklima überrascht und sinkt im Januar um 0,4 Punkte. - Bild: Pixabay

| von Julia Dusold

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich zu Jahresbeginn überraschend eingetrübt. Wie das Münchner ifo-Institut mitteilte, fiel das von ihm erhobene Geschäftsklima im Januar um 0,4 Punkte auf 95,9 Zähler. Analysten hatten dagegen mit einem Zuwachs gerechnet. Im Mittel wurde ein Anstieg auf 97,0 Punkte erwartet.

"Die deutsche Wirtschaft startet verhalten ins neue Jahr", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Belastet wurde die Unternehmensstimmung durch die Erwartungen für das nächste halbe Jahr. Demgegenüber hellte sich die Bewertung der aktuellen Lage leicht auf. Das Ifo-Geschäftsklima ergibt sich aus einer Umfrage unter etwa 9000 Unternehmen.

Der Rückgang des Geschäftsklimas dämpft Hoffnungen auf eine konjunkturelle Belebung. Darauf hatten in den vergangenen Wochen einige Wirtschaftsdaten und Frühindikatoren hingedeutet. Wäre das Geschäftsklima im Januar gestiegen, wäre es der dritte Anstieg in Folge gewesen. Eine solche Abfolge wird unter Ökonomen gerne als Signal für eine konjunkturelle Trendwende interpretiert.

In den vergangenen Monaten ist die exportabhängige deutsche Industrie durch die schwache Weltwirtschaft und die vielen Handelskonflikte belastet worden. Zuletzt hatten jedoch einige internationale Organisationen wie der Internationale Währungsfonds oder die Weltbank ein etwas weniger trübes Konjunkturbild gezeichnet. Ein Grund war die tendenzielle Entspannung des Handelskonflikts zwischen den USA und China.

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Im verarbeitenden Gewerbe Deutschlands zeigte sich im Januar auch eine leichte Erholung, wie das Ifo-Institut berichtete. Das Geschäftsklima habe sich in der Industrie merklich verbessert. Auch im Handelssektor war die Stimmung besser, wohingegen sich das Klima unter den Dienstleistern und am Bau eintrübte.

Trotz schlechter Stimmung: Industrie stabilisiert sich

Die Stabilisierung in der Industrie hob Jörg Zeuner, Chefvolkswirt von Union Investment, besonders hervor. "Insgesamt scheint die deutsche Industrie die Talsohle durchschritten zu haben." Unter dem Strich falle das Geschäftsklima daher nicht so schlecht aus, wie es scheine.

Andere Ökonomen kommentierten verhaltener. "Der konjunkturelle Aufschwung bleibt eine Wackelpartie", resümierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. Nach dem Teilabkommen zwischen den USA und China sei "die Feier vorbei", es herrsche "Katerstimmung".

An den Finanzmärkten trübte sich die ohnehin angeschlagene Stimmung zusätzlich ein. Der Euro fiel gegenüber dem US-Dollar auf ein Tagestief, deutsche Staatsanleihen als sicherer Anlagehafen erhielten weiteren Zulauf. Die Aktienmärkte reagierten negativ. Wegen der ungewissen Fortentwicklung und wirtschaftlichen Folgen des chinesischen Coronavirus halten sich die Anleger mit Engagements in riskantere Wertpapiere derzeit zurück.

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